Mit Geduld und Köpfchen durch die Stauzeit

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Ferienzeit ist Stauzeit - darauf sollten sich Autourlauber schon mal frühzeitig einstimmen. Foto: Peter Kneffel

Wer zum Ferienstart mit dem Auto auf Reisen geht, muss Verspätungen einplanen. Dann wird es wieder richtig voll auf den Urlaubsrouten - Staus sind die Folge. Mit den richtigen Tipps kommen Autofahrer ohne große Probleme durch die Nadelöhre - und sicher ans Reiseziel.

Stuttgart (dpa/tmn) - Die ganze Familie sitzt im Auto und freut sich auf den Urlaub. Sonne, Strand, Berge: Mit den Gedanken sind alle schon am Ziel. Plötzlich wird der Verkehr langsamer. Die Warnblinklichter der vorausfahrenden Autos bestätigen die erste Befürchtung: ein Stau.

Viele Urlauber wird das in der Reisezeit treffen. Immerhin: Mit den richtigen Tipps übersteht man die Stunden in der Blechlawine, ohne dabei die Lust auf den Urlaub zu verlieren.

Reiseplanung mit Köpfchen: Vor langen Wochenenden oder zum Ferienstart sind die Autobahnen voll. Besonders eng wird es an Baustellen. Aktuelle Engpässe sind in den Verkehrslageberichten der Automobilclubs aufgeführt. "Über die Eingabe eines Zwischenziels im Navigationsgerät können solche Stellen danach umfahren werden", sagt Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE). Zwar stellen sich die Umfahrungen oft nicht als schneller heraus. Sie haben jedoch einen psychologischen Effekt: "Wenn es rollt, sind alle im Auto zufrieden", erklärt Hack.

Während es Samstag - zum Bettenwechsel in den Urlaubsregionen - für gewöhnlich richtig voll auf den Reisestrecken ist, sind Dienstag und Mittwoch laut dem TÜV Süd die Reisetage mit der geringsten Verkehrsdichte. Nicht jeder ist aber so flexibel und kann mitten in der Woche in den Urlaub starten. Stattdessen kann antizyklisches Fahren helfen. Das heißt: Später am Tag losfahren, um der ersten Reisewelle zu folgen und nicht in ihr mitzuschwimmen. Oder nachts fahren. "Das ist aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen", sagt Hack. Denn wer das nicht gewohnt ist, droht am Steuer in einen Sekundenschlaf zu fallen.

Richtiges Verhalten im Stau: Kommt ein Stauende in Sicht, heißt es, Tempo drosseln, Warnblinker einschalten, langsam an den Stau heranfahren und Abstand zum Vordermann halten. Das ist wichtig, weil am Stauende die größte Gefahr von hinten droht. "Den Rückspiegel in der Situation lieber immer im Blick haben", rät Vincenzo Lucà vom TÜV Süd. Übersieht ein nachfolgender Fahrer das Stauende, kann man unter Umständen noch zur Seite ausweichen - wenn man Platz gelassen hat.

Platz brauchen auch Einsatzfahrzeuge von Polizei und Rettungsdienst, um Unfallstellen erreichen zu können. Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) erklärt zur Rettungsgasse: "Auf zweispurigen Strecken wird diese in der Mitte beider Spuren gebildet, bei drei Spuren zwischen der linken und mittleren Spur."

Im Stop-and-go-Verkehr ist ein Abstand von zwei Fahrzeuglängen zum vorausfahrenden Auto ideal, um entspannt vorwärtszukommen. "Auffahren und ständiges Bremsen sorgen dagegen für noch mehr Stocken", sagt Rademacher. Auch ständige Fahrbahnwechsel bringen nichts - außer mehr Frust bei den Mitfahrern. "Völlig tabu ist der Seitenstreifen", betont Lucà. Dieser ist Pannenfahrzeugen vorbehalten. Ausnahmen sind Abschnitte, auf denen der Standstreifen durch Verkehrsleittafeln bei starkem Verkehrsaufkommen oder durch die Polizei freigegeben wird.

Gelassen bleiben: Hilfreich ist, vor der Abreise Staus einzuplanen. "Navis zeigen eine errechnete Ankunftszeit an - auf die noch ein, zwei Stunden drauf schlagen", empfiehlt Hack. Der gefühlte Zeitdruck ist damit weg. Herrscht kompletter Stillstand, kann man sich auch mal rund ums Auto die Beine vertreten. Doch Straße bleibt Straße: "Man sollte keine Wanderung zum Anfang des Staus machen oder die Kinder auf dem Standstreifen Federball spielen lassen", mahnt Rademacher.

Apropos Kinder: Wenn die Kleinen unterwegs quengeln, sollte sich der Fahrer dadurch nicht ablenken lassen und das Kümmern dem Beifahrer überlassen. Hier hilft Zerstreuung in allen Facetten: "Genug Spielzeug sollte immer dabei sein", rät Rademacher. Videosysteme in den Kopfstützen - falls vorhanden - sind auch ein guter Begleiter in der Blechlawine: "Aus Erziehungssicht ist das sicher nicht wertvoll, aber sorgt zumindest meist für Ruhe", sagt Constantin Hack vom ACE.

Proviant einpacken: Wenn es auf der Autobahn nur langsam voran geht, ist eigentlich der perfekte Zeitpunkt für eine Rast. Nur: Oft ist genau dann kein Rastplatz in Sicht. "Oder es haben viele die gleiche Idee, und er ist voll", sagt Hack. Umso wichtiger ist es, genügend Proviant an Bord zu haben: Hack empfiehlt einen Liter Wasser pro Person, Müsli-Riegel sowie Obst und Gemüse.

Der Umgang mit dem Auto: Vor langen Urlaubsfahrten rät Lucà zum Fahrzeug-Check in einer Werkstatt. Dabei wird unter anderem das Kühlsystem des Motors geprüft. Gerade in stockendem Verkehr muss das System perfekt funktionieren, weil es dort stärker beansprucht wird. So lässt sich speziell bei alten Autos eine Überhitzung vermeiden. Steigt die Motortemperatur doch mal an, wird zunächst die Klimaanlage ausgeschaltet, rät Hack. Nutzt das nichts: Heizung an und Fenster auf. "Das klingt erstmal ungewöhnlich", sagt er. Aber so zieht die Lüftung Hitze aus dem Motorraum.

Wer ein Auto ohne Start-Stopp-Automatik hat, sollte den Motor laut Hack bei mehr als einer Minute Stillstand ausschalten. Auch das entlastet den Motor und spart Kraftstoff. Damit gilt es gut zu haushalten: "Mit wenig Sprit im Tank wird ein Stau zur Bibberpartie", sagt Vincenzo Lucà. Wer im Radio hört, dass es auf seiner Strecke eng wird, tankt also besser schon nach, bevor die Warnleuchte aufblinkt.

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