Düsseldorfer Firma

Mitarbeiter feuern ihre eigenen Kollegen - mit überraschenden Folgen

In einem Düsseldorfer Start-Up stellen Mitarbeiter ihre Kollegen selbst ein - und feuern sie auch. Welche Folgen diese Firmenkultur hat, lesen Sie hier.

Was in anderen Firmen unmöglich erscheint, ist in diesem Start-up Realität: Beim Telefonanbieter Sipgate aus Düsseldorf übernehmen bei Personalfragen die Mitarbeiter das Ruder. Jedoch nicht HR-Mitarbeiter, sondern die Teams selbst.

Doch kann das gut gehen, wenn der Geschäftsführer nicht weiß, wer da in sein Unternehmen kommt - und für wen er Monat für Monat den Gehaltsscheck ausstellt? Ganz klar ja, sagt Sipgate-Gründer Tim Mois gegenüber dem Karriere-Portal BusinessInsider.

"Das fühlt sich ganz fantastisch an, wenn man es gut vorbereitet hat", und erklärt stolz: "Mittlerweile ist die Vorstellung, dass ich jemanden einstelle, bei irgendeinem Team die Tür aufmache und sage, hier, den kennt ihr zwar nicht, aber das ist ab heute euer neuer Kollege, für uns alle absurd."

Peer Recruiting statt Personalabteilung

Bewerber müssen bei Sipgate lange nach einer Personalabteilung suchen - es gibt sie schlichtweg nicht. Stattdessen ist bei der IT-Firma "Peer Recruiting" (dt.: ebenbürtige Mitarbeitersuche) angesagt. Das heißt, Mitarbeiter stellen andere Mitarbeiter ein. 

Und das funktioniert so: Wenn ein Team Verstärkung braucht, schreiben sie einfach eine neue Stelle aus. Ein Teammitglied wählt dann - zusammen mit den Personalern Thu und Carina - die besten Bewerber aus. 

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Also doch eine versteckte Personalabteilung? Nein. Carina und Thu kümmern sich laut Mois zwar um Personalfragen und beraten die Teams bei Bedarf. Wirklichen Einfluss darauf, wer genommen oder gefeuert wird, hätten sie jedoch nicht.

Mitarbeiter wählen Teammitglieder selbst aus

Nach der Bewerbung folgt das Vorstellungsgespräch, das bei Sipgate ebenfalls nur die Mitarbeiter durchführen. Der Chef hat hier nichts zu melden. Drei bis vier Kollegen sowie entweder Carina oder Thu, setzen sich hier mit dem Bewerber oder der Bewerberin zusammen. So lernen sie sich am besten kennen und bekommen einen Eindruck, ob der Bewerber ins Team passt. Danach wird gemeinsam entschieden, ob der Kandidat zum Probearbeiten eingeladen wird und schließlich auch, ob er den Vertrag erhält. 

Während der Probezeit bekommen die neuen Kollegen sogar zweimal Feedback vom gesamten Team - nach einem und nach vier Monaten. 

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Die Kehrseite von Peer Recruiting: Mitarbeiter müssen Kollegen entlassen

Doch Peer Recruiting hat eben auch eine Kehrseite, schließlich passen nicht immer alle Neuen ins Team oder bringen die erforderliche Leistung. "Natürlich ist es unangenehm, wenn man jemandem sagen muss, dass er etwa aus der Probezeit nicht übernommen wird", weiß Tim Mois, "aber es gibt dafür immer einen triftigen Grund und wenn man jemanden betreut hat, möchte man ihm das natürlich auch persönlich sagen. Man kann ja nicht der Ansprechpartner sein und dann jemand Fremden schicken, um zu sagen, dass es nicht gepasst hat."

Auch eingesessene Kollegen mussten schon vom Team gefeuert werden, weil sie eben nicht mehr die Leistung erbracht haben. Doch auch diese unschönen Seiten des Peer Recruiting wirken sich überraschenderweise auf das Team positiv aus: "An solchen Situationen wächst man", verrät Mois. Die Personal-Mitarbeiterinnen helfen dem Team laut Mois, diese schweren Entscheidungen mitzuteilen. Und dabei können alle nur dazulernen.

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Von Andrea Stettner

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Rubriklistenbild: © instagram / Sipgate

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