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Wie intelligente Menschen kritisieren, ohne anzuecken

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Andere zu kritisieren erfordert viel Feingefühl - sonst kippt die Stimmung im Team. 

Wer Teammitglieder kritisiert, zieht oft den Unmut seiner Kollegen auf sich. Menschen mit hohem EQ schaffen es dennoch, dass ihnen niemand böse ist.

Jeder wird mal mehr, mal weniger für seine Arbeit kritisiert - sei es vom Chef oder von Kollegen. Doch negatives Feedback kann ganz schön weh tun, besonders, wenn man sich wirklich angestrengt hat.

Kritik an Kollegen: So kritisieren Sie richtig

Emotional intelligente Menschen schaffen es dennoch, negatives Feedback so zu verpacken, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt. Wie man Kritik an Angestellten und Kollegen richtig verpackt, weiß Karriere-Coach Wendy Capland. In einem Gastbeitrag für das US-Wirtschaftsmagazin Inc. verrät Sie acht Tipps, die helfen, dass die Stimmung nicht kippt: 

1. Den richtigen Zeitpunkt erwischen

Wer Feedback zu einer Sache gibt, muss nicht sofort loslegen - gerade wenn die Emotionen mit Ihnen durchgehen sollten Sie lieber etwas warten und sich erst einmal abregen. Capland rät: 

"Manche Menschen — ich zum Beispiel — schlafen lieber eine Nacht darüber, wenn sie emotionsgeladen sind. Für mich ist es zudem hilfreich, den Dialog vorher zu planen und so meine Emotionen unter Kontrolle zu behalten." Aber warten sie nicht zu lange, sonst verpufft die Kritik. 

2. Bitten Sie um ein Gespräch

"Könnten wir kurz darüber reden, was eben im Meeting passiert ist?" Dieser oder ein ähnlicher Satz hilft sehr, ein konstruktives Gespräch einzuleiten. Wer das verweigert, ist offensichtlich nicht bereit sich zu ändern. Dann ist es tatsächlich besser, den Mund zu halten.

Mehr dazu: Wie es mental starke Personen schaffen, mit Kritik umzugehen.

3. Erläutern Sie Ihre Sicht - und fragen Sie auch nach der Sichtweise des anderen

Einseitige Vorwürfe lösen keine Probleme. Wer emotional intelligent an die Sache herangeht, muss sich auch in seinen gegenüber hineinversetzen können. Beschreiben Sie zunächst, wie ihr Blickwinkel auf die Sache ist - und lassen Sie dann den anderen seine Sichtweise erklären.

Capland rät: "Meine Regel ist, dass es dann ein Vorwurf ist, wenn es möglich wäre, am Ende eures Satzes das Wort 'du Idiot!' hinzuzufügen."

4. Sprechen Sie über Ihre Gefühle

Wichtig ist laut des Karriere-Coach auch, dass Sie Ihre Gefühle beschreiben, die Sie wegen einer bestimmten Verhaltensweise des anderen hatten - etwa so: 

"Ich habe mich im Meeting nicht unterstützt gefühlt, als XY dieses und jenes gesagt hat. Du hast nichts gesagt - ich dachte, wir hätten abgemacht, dass du mir Rückendeckung gibst."

5. Erklären Sie die Konsequenzen

Beschreiben Sie Ihrem Kollegen genau, welche negativen Konsequenzen sein Verhalte hatte, etwa, dass die Firma einen Kunden verloren hat, weil eine Deadline von ihm nicht eingehalten wurde oder dass Sie deshalb Ärger mit ihrem Boss bekommen haben. Manche sind sich einfach nicht klar, was sie mit ihrem Verhalten anrichten.

Auch lesenswert: Zehn Dinge, die Sie nie zu Ihrem Chef sagen sollten.

6. Fragen Sie, wie es besser laufen kann

Bevor Sie Ihren Kollegen anschnautzen und maßregeln - fragen Sie lieber nach, was er selbst ändern will:"Bevor ich sage, welche Veränderung ich mir wünsche, frage ich zunächst: 'Wie kannst du sicherstellen, dass wir nicht nochmal in diese Situation geraten? Was wirst du das nächste Mal anders machen?'", rät Capland.

7. Fordern Sie eine konkrete Ansage

Anstatt vage Vorschläge zu akzeptieren sollten Sie Ihren Kollegen um konkrete Umsetzungen bitten. Oft hilft eine bestimmte Deadline, die der kritisierte Kollege selbst bestimmen kann.

8. Beenden Sie das Gespräch mit Respekt

Ein gutes, respektvolles Ende des Gesprächs ist das A und O, weiß die Karriere-Expertin:"Je stärker die Beziehung zueinander, desto besser ist das berufliche Ergebnis. Sie müssen nicht beste Freunde sein, aber Sie müssen sich gegenseitig respektieren. Wenn Sie denken, dass die andere Person ein Idiot ist, werden Sie vermutlich nicht so erfolgreich miteinander arbeiten." 

Stellen Sie deshalb sicher, dass am Schluss jeder alles gesagt hat, was er loswerden wollte. Und dass sich der Kritisierte nicht schlecht fühlt.

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Von Andrea Stettner

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