Rohstoff wird knapp

Preiswucher: So teuer wird Ihr geliebtes Vanille-Eis

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Vanille gehört zu den liebsten Eissorten der Deutschen. Doch wie lange noch? Angeblich wollen Eisdielen bald mehr für eine Kugel verlangen.

Vanille ist des Deutschen liebste Eis-Sorte. Doch das könnte sich bald ändern. Der Grund: Eisdielen wollen überraschend den Preis drastisch erhöhen.

Wenn die Temperaturen steigen und die Sonne strahlt, zieht es viele wieder nach draußen. Genauer gesagt, in eine der zahlreichen Eisdielen in Deutschland. Schließlich versüßt das Lieblingseis einen schönen Sommertag. Ob Schokolade, Erdbeere oder Vanille - jeder wählt da nach seinem Gusto.

Vanille-Eis: Kugelpreis steigt an - weil der Rohstoff immer teurer wird?

Vanille gehört dabei laut dem Eisdielen-Verband Uniteis zur liebsten Eis-Sorte der Deutschen. Doch 2017 könnte es wohl bald Schoko oder Erdbeere werden – denn angeblich soll des Deutschen Lieblings-Gefrorenes teurer werden. Der Grund: Der Kilopreis für den Rohstoff explodiere gerade.

Allerdings nicht nur, weil die Rohstoffpreise durch die Decke gehen, sondern auch weil die Preise für andere Rohstoffe wie Milch, Kakao und Pistazien ebenfalls extrem angestiegen sein sollen.

Berend Hachmann, Inhaber des Hamburger Handelshauses Aust & Hachmann weiß, wieso: "Durch Missernten und auch Spekulationen hat sich der Preis für Vanille, je nach Qualität, seit 2014 etwa vervier- bis verfünffacht." So sollen Vanilleschoten aus Madagaskar gerade etwa 473 Euro pro Kilo kosten.

Darum ist die kostbare Vanille so teuer

Der Inselstaat vor Südafrika hat schon seit langem eine Art Monopol auf den kostbaren Rohstoff. Bereits jede zweite Schote soll von hier stammen. Damit ist Madagaskar der weltgrößte Produzent. Doch die Ernte ist wieder schlecht ausgefallen – und die hohe Nachfrage rechtfertige einen hohen Preis, so Hachmann. Angeblich halten Produzenten bewusst ihre Ware zurück, um den Preiskampf anzufachen.

Die Folge: Die Eisdielen in Deutschland müssen um jedes Kilo konkurrieren. Doch laut Hachmann hätten die Bauern auch guten Grund dazu. Denn von 2003 bis 2013 befand sich der Preis für Vanille auf einem Rekordtief: bei etwa 14 Euro pro Kilo.

Deshalb mussten die Landwirte ihren Anbau schließlich verkleinern. "Nun steigt die Anbaufläche weltweit wieder", wie Hachmann berichtet. Doch die Zeit reicht nicht aus: Es brauche vier Jahre, bis man die ersten Pflanzen ernten und auf dem Markt verkaufen kann.

Von wegen die Vanille ist schuld? Ladenbesitzer müssen mit Immobilienpreisen kämpfen

Annalisa Carnio vom Eisdielen-Verband Uniteis sieht das laut der Mitteldeutschen Zeitung allerdings anders. "Einen entscheidenden Einfluss auf den Eispreis hat die teure Vanille jedoch nicht", glaubt sie. Stattdessen macht sie die gestiegenen Ladenmieten – besonders in Großstädten - sowie Strom- und Personalkosten verantwortlich. Letzteres sei durch den Mindestlohn bedingt. Momentan liege der Preis für eine Kugel Eis in Deutschland je nach Lage und Größe der Eisdiele zwischen 70 Cent und 1,70 Euro.

Der Grund laut Carnio, warum es nicht an der Vanille liegt: Das süße Gefrorene bestehe aus 70 Prozent aus Milch und jeweils zu zehn Prozent aus Sahne und Zucker. Viel bleibt da nicht mehr für weitere Zutaten übrig. So braucht man für fünf Kilogramm Vanille-Eis nur etwa 30 Vanille-Schoten (das macht etwa 100 Gramm). Das ist überraschend wenig.

Wird die teure Vanille bald durch günstigere Zusätze ersetzt?

Doch für manchen Ladenbesitzer könnte das schon auf Dauer zu viel sein. So erklärten Eisdieleninhaber gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, dass Sie dieses Jahr pro Kugel zehn bis zu zwanzig Cent mehr verlangen wollen.

Dennoch sollten Eis-Hersteller nicht durch künstliche Aromazusätze das Vanille-Minus aufzufangen, findet Carnio. Allerdings sind von den Rekordpreisen für Vanille auch andere Lebensmittelhersteller wie Bäckereien oder Süßwarenfirmen betroffen – daher muss eine günstige Alternative her.

http://www.deutschlandradiokultur.de/natuerliches-vanillin-altpapier-und-kuhdung-liefern.993.de.html?dram:article_id=352121

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Von Jasmin Pospiech

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