Stiftung Warentest

Haare verpfuscht? Nur dann kriegen Sie Schmerzensgeld

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Wenn Ihnen die Haare nach dem Friseurbesuch nicht gefallen, dürfen Sie Geld zurück verlangen.

Wenn Kunden mit der Leistung von Friseur & Co. nicht zufrieden sind, dürfen sie Schadensersatz verlangen. Aber stimmt das? Stiftung Warentest macht den Check.

Jede Frau hat es in ihrem Leben bestimmt schon einmal erlebt: Man will nur die Spitzen schneiden lassen oder ein paar Strähnchen färben lassen – und am Ende sind die Haare grün oder die Mähne ab. Oftmals gibt man viel Geld aus – und ist nach dem Friseurbesuch frustrierter als vorher.

Stiftung Warentest checkt: Das steht Ihnen zu, wenn der Friseur pfuscht

Doch viele trauen sich nicht, im Anschluss bei Nichtgefallen ihr Geld zurückzuverlangen. Zu groß ist die Scham. Doch bekommen Sie überhaupt Schadensersatz – und wenn ja, wie viel? Stiftung Warentest hat den Check gemacht – mit dem Ergebnis: Es kommt darauf an.

Wenn Ihr Fall schwerwiegender ist und der Friseurbesuch nicht nur Ihre Haare, sondern auch Ihre Gesundheit geschädigt hat, kann er sogar vor Gericht landen. So auch das folgende tragische Schicksal einer Schülerin.

Der Besuch beim Friseur wurde bei ihr zum Desaster. Ein Färbemittel wurde angeblich falsch verwendet. Die Folge: Ein Teil ihrer Kopfhaut war abgestorben und dort wird wohl nie wieder Haar nachwachsen können. Das Oberlandesgericht Koblenz sprach ihr infolge ihrer Strapaze und der kahlen Stelle Schmerzensgeld zu. Die Schülerin erhielt schließlich eine Rekordsumme von 18.000 Euro.

In einem anderen Fall wollte eine Brünette den neuen Haarfärbetrend Ombré probieren. Dabei sollte der Farbverlauf zu den Spitzen allerdings ins Violette gehen. Doch trotz mehrmaligem Färben schaffte der Friseur es nicht – angeblich waren die Haare der Kundin zu dunkel. Zum Leidwesen der Kundin.

Das viele Färben mit chemischen Mitteln hatte die Haare so strapaziert, dass sie sie schließlich abschneiden musste. Auch hier entschied das Gericht Koblenz zugunsten der Kundin. Sie erhielt die Friseurkosten von 200 Euro zurück sowie 50 Euro Schmerzensgeld.

Schließlich gab es den Fall einer Frau, die ihr dünnes Deckhaar vorsichtig gekürzt haben wollte. Alles schien anfangs gut gelaufen zu sein – doch nur wenige Tage später forderte die Kundin von der Friseurin Schadensersatz. Ihre Begründung: Das Deckhaar war nun so kurz, dass die Kopfhaut bereits durchscheine.

Doch das Amtsgericht München lehnte hier allerdings ab – denn die Frau hatte schließlich nichts gesagt, während die Friseurin schnippelte und bevor sie den Salon verließ. Am Ende ging die Kundin leer aus.

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Stiftung Warentest enthüllt: Wann kriege ich mein Geld zurück vom Kosmetiker?

Doch auch der Kosmetiker-Besuch kann für manche sehr schmerzhaft enden: Viele Behandlungsmethoden sind schließlich nur etwas für Hartgesottene. Egal, ob ein haariges Intimwaxing oder Permanent-Make-Up – auch hier kann es manchmal ganz schön böse Folgen geben.

So soll eine 24-Jährige 4.000 Euro Schadensersatz von ihrer Kosmetikerin für eine verpatzte Behandlung gefordert haben. Das Pikante daran: Dabei handelte es sich um eine IPL-Haarentfernung in der sensiblen Bikinizone. Schon während der Prozedur soll die Kundin über Schmerzen geklagt haben – nun muss sie sogar mit Narben leben. Sie bekam vom Amtsgericht Wuppertal Recht – schließlich hatte die Kosmetikerin das Wehklagen der Kundin einfach ignoriert.

In einem weiteren (Extrem-)Fall wurde eine Kosmetikerin vom Amtsgericht Berlin-Moabit sogar zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Zudem muss sie Schmerzensgeld zahlen. Der Vorwurf: Die Kosmetikerin hatte angeblich zwei Kundinnen bei einer Kryolipolyse verletzt. Dabei werden Fettzellen eingefroren, damit sie absterben. Doch die Frau hatte gar keine zertifizierte Zulassung – und hätte die Behandlungen gar nicht durchführen dürfen.

Anders ging es zu beim Amtsgericht München. Einer Kundin hatte es 2.500 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Diese verklagte einen Kosmetiksalon, weil ihr Permanent-Make-Up unsauber aussah. So hatte ihr Dauer-Lidstrich weißgelbe Flecken und war links dünner als rechts. Da es sich bei Permanent-Make-Up um eine Tätowierung handelt und daher die Folgen dauerhaft bestehen bleiben, entschied das Gericht zugunsten der Kundin.

Generell endet ein missglücktes Tattoo oft vor dem Richter. Dieser muss dann klären, wer für den Schaden geradesteht. Krankenkassen zahlen für die teure Laserentfernung nicht – weil diese meist teurer als das Tattoo selbst ist.

Tattoo falsch gestochen? Stiftung Warentest: Schadensersatz sofort fordern

So wie im Falle eines Mannes, der sich die Geburtsstunde seines Sohnes unter die Haut stechen ließ. Allerdings verzettelte sich der Tätowierer und stach die falsche Minutenzeit. Am Ende klagte der Kunde und erhielt 1.500 Euro vom Amtsgericht in Bonn.

Ebenso erging es einer Frau aus Hamm. Diese wollte ein Blüten-Tattoo – doch der Tätowierer hatte zu tief gestochen. Mit der Folge, dass Farben und Linien verlaufen waren. Die Kunden verlangte daraufhin die Kosten für die Laserentfernung sowie 750 Euro Schmerzensgeld. Am Ende gewann sie vor dem Oberlandesgericht Hamm. Dagegen lief es für einen anderen Kunden nicht so gut.

Dieser ließ sich einen Schriftzug auf den Arm stechen. Nach einigen Wochen verblassten auch hier die Farben und waren verlaufen. Er forderte daraufhin 1.000 Euro Schmerzensgeld beim Amtsgericht Gelsenkirchen. Doch der Mann ging leer aus.

Das Kuriose daran: Der Tätowierer konnte mit Facebook-Fotos des angeblich Geschädigten beweisen, dass sich der Mann gegen den Rat des Tätowierers mit dem frischen Tattoo in die Sonne gelegt hatte. Doch Sonneneinstrahlung kann Tattoos schädigen.

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jp

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