Über 80 Gruppen waren am Sonntag dabei

Reischacher Faschingszug bricht heuer alle Rekorde

Das Festkommittee in schwarz mit Bürgermeister Alfons Stockner(Mitte) samt Reischacher Blaskapelle in rot, kurz vor Beginn des Faschingszuges 2020
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Das Festkommittee in schwarz mit Bürgermeister Alfred Stockner(Mitte) samt Reischacher Blaskapelle in rot, kurz vor Beginn des Faschingszuges 2020

Reischach - Der 44. Reischacher Faschingsumzug brach in diesem Jahr alle Rekorde. "Etwa 80 Gruppen dürften es jetzt sein", erklärte Reischachs Bürgermeister Alfred Stockner kurz vor Beginn des Umzugs.

Der Vorsitzende des Festkommittees hatte nämlich durch die Absage des Mühldorfer Faschingzuges unverhofft die Anfrage von rund 20 zusätzlichen Gruppen erhalten, die schließlich teilnehmen durften. Ausschreitungen gab es zwar keine, doch gegen Ende des Umzuges musste einmal der Notarzt gerufen werden, weil eine Person von einem der Themenwägen gefallen war. Nach ersten Informationen durch die Einsatzkräfte sind die Verletzungen aber nicht lebensgefährlich.


Zwar hatten die Organisatoren den Weg des Umzuges in diesem Jahr sowieso neu ausgewiesen, um der wachsenden Anzahl an Teilnehmern gerecht zu werden. Durch den plötzlichen Zuwachs infolge der Sturmwarnung im Nachbarlandkreis, reichte der Zug in diesem Jahr allerdings vom Gewerbegebiet im Norden bis zur Ortsmitte, wo die Wagen dann wendeten und den Weg zurück antraten. Zweimal beschritten die Teilnehmer diesen Weg, wobei der Zug eine Länge von über 1,5 Kilometer erreicht haben dürfte. Viele hundert Zuschauer und Süßigkeitensammler säumten die Bundesstraße und bestaunten die vielen unterschiedlichen Gruppen, die Politik und Zeitgeschehen genauso aufs Korn nahmen, wie sie sich als Fans geschichtlicher Epochen outeten oder Phantasiefiguren darstellten. Die besonders stolzen Gruppen aus nah und fern hatten ein spezielles Thema aber gar nicht nötig, sondern traten schlicht als sie selbst auf. „Wegen des Ausfalls in Mühldorf haben wir viel mehr Teilnehmer, als sonst!“, erklärte der Gemeinderat Josef Diensthuber.

Faschingsumzug in Reischach (1)

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Los ging es zwar schon am Vormittag, als die ersten Faschingslustigen in der Reischacher Ortsmitte eintrafen und dort gleich die ersten Aufführungen zeigten. Aufgeweckt zeigten sich dabei beispielsweise „Kids Dance“ vom TSV Reischach, die erste Ankömmlinge im Reischachtal willkommen hießen. Gegen 13 Uhr schlossen die Reischacher Firedancers das Vorprorgramm ab, indem sie den herbeiströmenden Massen in der Ortsmitte nochmal so richtig einheizten, bevor sie sich auf die rund 800 Meter zum Gewerbegebiet machten, wo der Umzug wenige Minuten später startete. Angeführt vom Festkommittee unter Leitung von Bürgermeister Alfred Stockner, bahnte die Reischacher Blaskapelle den Narren den Weg. Dass die teilnehmenden Gruppen sich angesichts der anstehenden Kommunalwahlen auch intensiv mit der Politik auseinandersetzten, war irgendwie zu erwarten gewesen. Dass jedoch die Ökologie ein zentrales Thema auf vielen Wägen war, überraschte hingegen ein wenig: manche zeigten sich genervt von Greta Thunberg, während andere den Schülern „Fridays for Schule“ nahe legten. Ebenso wurde aber auch die Geschwindigkeitsbeschränkung auf der A94 verspottet. Einige Gruppen beklagten sich jedoch ernsthaft, beispielsweise über den zunehmenden Plastikmüll in den Weltmeeren, die Wegwerfgesellschaft an sich und das Waldsterben, gleichermaßen hierzulande, wie in den gerodeten Regenwäldern. Die vermeintlich umweltfreundliche E-Mobilität wurde wiederum auf die Schippe genommen.

Die Lokalpolitik bekam das Wahljahr im Besonderen zu spüren. So kritisierte der Reischacher Gemeinderat beispielsweise den eigenen Bürgermeister und Festzugleiter mit einem Klo – in dem allerdings Süßigkeiten für die Besucher des Faschingszuges gebunkert wurden. Wilde Verkehrskreisel drehten in Reischach genauso ihre Runden, wie Reischacher ihre Trauer über den Abriss der Kirchbrücke auf vielfältige Weise zum Ausdruck brachten. Sozialkritische Themen gab es aber auch, wie den Pflegenotstand in Hicketstall. Wieder andere wollten das Handwerk retten, ein Sondereinsatzkommando widmete sich der Ortsumgehung und die Landwirte, deren Traktoren fast alle der rund 50 Themenwägen zogen, beschwerten sich unisono über das Diskriminieren ihres Berufsstandes. Reumütige Reischacher ließen sich für den Einbruch in die wiedereröffnete Gaststätte im vergangenen Juli in Ketten legen, bei dem durch konsumierte Alkoholika damals ein Sachschaden von 400 Euro entstanden war.

Faschingsumzug in Reischach (2)

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Andere Gruppen widmeten sich wiederum noch weniger ernsten Themen. So suchten manche ihre Fitness für die Bundesjugendspiele beim Biertrinken und die Peracher Müttermafia verteilte mit Hilfe ihren kleinwüchsigen Handlanger Unmengen an Diebesgut. Der Bürgermeister aus dem Nachbarort hingegen freute sich derweil über solche Mildtaten seiner Untergebenen: "Bei so vielen Hungerleidenden am Straßenrand freut es uns Peracher immer, den Reischachern zu helfen", erklärte Bürgermeister Georg Eder gegenüber innsalzach24. Dass beim Reischacher Faschingszug in diesem Jahr fast jedes Thema kontrovers gesehen wurde, zeigte sich am Beispiel Leberkäs: während einige für die Rettung der Leberkässemmel eintraten, befürchteten andere, vielmehr zu Junkies zu werden. Schlümpfe, Piraten, Hardrocker und die Nintendofiguren Mario, Luigi und Wario wurden in Massen gesichtet, genau wie Walt Disney’s Figuren in allen Faben und Formen überall im Ort auftauchten. Helden aus der Kindheit, wie Alf, wurde nachgetrauert, genau, wie ein verzweifelter Stammtisch noch immer seinem Stammlokal nachtrauert. Ob die Seibersdorfer den Ofen ihrer Oma gerettet haben, konnte am Sonntagnachmittag nicht mehr geklärt werden.

Überhaupt waren die Gruppen und Besucher Reischacher Faschingszuges teils von weit angereist, wie beispielsweise die Staudacher aus dem südlichen Traunsteiner Landkreis. Aus Unterdietfurt sollen beispielsweise genauso Faschingslaunige da gewesen sein, wie aus der fernen Landeshauptstadt München. Nonnberger, Astener und Eggenfeldener aus Gern haben auch den Weg ins Reischachtal gefunden, wohingegen die Wurmannsquicker, bei denen der Umzug im kommenden Jahr stattfinden wird, wie die Mitterskirchener, Neuöttinger, Unterneukirchner, Mehringer, Haiminger und nicht zuletzt die Häfinger aus Töging, die in diesem Jahr ihr fünfjähriges Bestehen feiern, in Reischach schon fast zum Inventar gezählt werden. Nach dem Faschingsumzug suchten die Faschingslaunigen dann Verlängerung in den wenigen echten Reischacher Wirtschaften. Immerhin hatten die Veranstalter auch an mehrere Behelfschänken im Ortszentrum gedacht. Nach dem Ende des eigentlichen Faschingszuges bekamen dann noch die rund 15 freiwilligen Feuerwehrler, die vier Polizeibeamten und die Rettungskräfte Unterstützung von rund 50 Bereitschaftspolizisten, die eigentlich für den Mühldorfer Umzug aus Bamberg angereist waren.

Peter Becker

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