Wo die Kanzlerin badet

+
Die "Bundeskanzlerin" fand ebenfalls den Weg nach Mühldorf.

Mühldorf - So unterhaltsam war Wahlkampf noch nie: Am Donnerstagabend feierten die Mühldorfer Kappenabende eine rundum gelungene Premiere.

Mit jeder Menge Humor, so mancher böser Spitze gegen die Damen und Herren aus der Kommunalpolitik und einem sensationellen Überraschungsgast aus Berlin.

Von so einem Wahlkampfauftakt können die heimischen Parteien nur träumen: ein begeistertes Wahlvolk im fast ausverkauften Saal, stürmischer Applaus bis in die letzten Reihen und vorne auf der Bühne ein Wahlprogramm, das hält, was es verspricht. "Wer die Qual hat, hat die Wahl" heißt das Motto - nur dass die Qual zum reinen Vergnügen wird.

Zweieinhalb Stunden widmet sich die neunköpfige Kappenabend-Mannschaft der "puren Lust am Wählen". Über allem schwebt natürlich die Frage, wie denn der nächste Mühldorfer Bürgermeister heißt. Und so endet der kurzweilige Abend, wie er enden muss: im Wahllokal - ohne Ergebnis. "Das ganze Leben ist ne Wahl. Und wo sind nur die Kandidaten?", singen Baierlein & Co zum Abschied.

Obwohl: Von Gesang konnte bei Wolfgang Baierlein (wieder einmal) keine Rede sein. Diesmal lag es aber nicht an seinen begrenzten musikalischen Fähigkeiten: Bis zur letzten Minute kämpfte er gegen 40 Grad Fieber und die schwer angeschlagene Stimme.

Dafür sprangen andere lauthals in die Bresche. Allen voran Ann-Kathrin Lenz Honervogt - mal als Knoblauchs Ehefrau, mal in bester Joan- Jett-Manier mit "Marcel, Du bist toll". Dem Umweltminister prophezeit sie eine große Karriere: als Kanzler, Präsident und Weltherrscher.

Eine im Saal wird den Song aufmerksam verfolgt haben und sich merken, wer denn da demnächst in Berlin anklopfen will. Angela Merkel höchstpersönlich war der Kappenabend-Einladung gefolgt - eine Paraderolle für den unübertroffenen Sigi Merkl, der mit seiner Merkel-Parodie die Auftritte als Stoiber 2009 und Lodda Matthäus 2011 noch einmal toppte.

Ebenfalls auf den Leib geschrieben ist Constantin John die Rolle als Jobvermittler in der Arbeitsagentur. Neben der wortgewandten Sonja Garbe als Ingrid Unertl sucht dort unter anderem auch das Altöttinger Tor nach zahllosen Rückschlägen eine neue Beschäftigung. Der untröstliche Wolfgang Baierlein hinter der vergilbten Karton-Fassade ist nur eine von vielen wunderbaren Szenen des Kappenabends 2013.

Markus Honervogt als verhüllte Europastraßen-Ampel außer Betrieb zählt ebenso dazu wie Adi Hager als Supermann "Schorsch" Huber, der mit dem Bommel-Orakel die nächsten Fusionen auslotet: zwischen FC Mühldorf und TSV Buchbach ebenso wie zwischen Stadtverwaltung und Landratsamt.

Ganz großes Theater spielt sich schließlich auf dem Mühldorfer Stadtplatz ab, wo ein Frauenarzt im Porsche ebenso an der verdutzten Politesse vorbeirauscht wie die grünen Stadträte auf ihrem Tretroller. Mittendrin: Franziska Reinhart. Die Jüngste im Team sorgt nicht nur an dieser Stelle für reichlich frischen Wind.

Die Bilder vom Kappenabend

Und schließlich weht am Höhepunkt des Abends ein Hauch von Loriot durch den Stadtsaal. In der Wanne ohne Wasser: Der nicht nur in dieser Szene großartige Thomas Enzinger als Bürgermeister Knoblauch sitzt Adi Hager als Kollege Klika gegenüber - mit Ente, Merkel und jeder Menge Sprachwitz.

Bei allen Spitzen können die Damen und Herren aus der Kommunalpolitik den Abend ganz entspannt genießen. Denn allzu hart gehen die Protagonisten mit den Verantwortlichen nicht ins Gericht. An oder gar unter die Gürtellinie geht es nie.

Für alle Kappenabend-Unentschlossenen gibt es eine klare Wahlempfehlung: hingehen, heute Abend, letzte Chance! Restkarten gibt es noch an der Abendkasse ab 19 Uhr.

ha/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Fasching

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser