Krisen zum Genießen

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Mühldorf - „Die Krise ist immer und überall“ heißt das Motto der Kappenabende, die am Donnerstagabend Stadtsaal eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Premiere feierten.

Mit jeder Menge Humor macht die Mannschaft um Präsident Robert Garbe genau das, was sie ausgezeichnet kann: Sie singt und plappert die Krise einfach unter den Tisch.

Dabei hat das Kappenabend-Team das zentrale Problem längst ausgemacht: Bei all den globalen Krisen gehen die lokalen völlig unter. „Oder wer regt sich heute noch darüber auf, dass Georg Huber Landrat ist?“, will Robert Garbe wissen – und erntet Applaus. Und was ist mit der Krise im Mühldorfer Stadrat? Die verdient seiner Meinung nach die Bezeichnung erst gar nicht: „Kasperltheater im Mühldorfer Mimosenkabinett“ würde besser passen.

Zum leichteren Verständnis in Sachen Groß und Pfeiffer soll deshalb ein Theaterstück beitragen. Doch das gut gemeinte Vorhaben scheitert schon an der Besetzung der einzelnen Personen. Schließlich will keiner die „Stummfilmrolle Pfaffeneder“ übernehmen. Letztlich ist es so, wie es bei den Kappenabenden immer war: Besonders bitter ist es für die, die erst gar nicht erwähnt werden. Und das sind einige an diesem Abend.

Kappenabend in Mühldorf - Teil 1

Wer wissen will, wo die wahren Krisen dieser Stadt zuhause sind, muss nur Ann-Kathrin Lenz-Honervogt folgen. In heiterem Hessisch nimmt die importierte Fremdenführerinnenfachkraft die Besucher mit auf einen Rundgang durch die Straßen und Gassen, macht am puddingfarbenen Bahnhof („Müsste der unter die Erd‘, würd‘ keiner demonstrieren“) ebenso Station wie in den indiskreten Wartezimmern der Arztpraxen.

Die ganz persönlichen Krisen spielen sich dagegen in schöner Regelmäßigkeit auf der roten Couch von Professor Dr. Freud (Thomas Enzinger) ab: Dort nimmt das stinksauere Unertl-Weißbier genauso Platz wie das gestresste „Freundliche Mühldorf“ in Person der erfrischenden Debütantin Franzsika Reinhart. Und die nächste Krise wartet schon: in der Friedhofsstraße. „Wir brauchen a Mauer“ singt Thomas Enzinger und gibt musikalisch die Richtung des Abends vor: Denn wann immer Fritz Killermann in die Tasten haut und ihm seine neu formierte Band mit Alberto Barreira (Saxophon), Roland Riedlbauer (Gitarre), Rainer Amasreiter (Bass) und Wolfgang Wagner (Schlagzeug) folgt, steht ein Höhepunkt an. Erstmals wurden für die Kappenabend-Combo ausschließlich Profis engagiert. Eine gute Entscheidung, die Qualität der Gesangsnummern ist ausgesprochen hoch. Was auch an den Sängern liegt. Bestes Beispiel: Ann-Kathrin Lenz-Honervogt mit „Ich will keine Schokolade, ich will lieber H&M“.

Kappenabend in Mühldorf - Teil 2

Dass dagegen Wolfgang Baierlein nach wie vor nicht jeden Ton trifft, dafür können auch die Musiker nichts. Dafür kann Baierlein tanzen. Und wie: Mit Hose auf Halbmast raped er zusammen mit Landrat Georg Huber („I say Schorsche, say what“) über die Bühne, der sich in naher Zukunft ohnehin auf mehr Bewegung einstellen muss. Vorausgesetzt, er nimmt sich die ganz und gar nicht versteckte Kritik zu Herzen, selbst auf Kurzstrecken zwischen Landratsamt und Gymnasium oder Krankenhaus den Dienstwagen mit Chauffeuer zu bemühen.

Knapp zweieinhalb Stunden lang gehen Garbe & Co die Krisen nicht aus, zu zehnt machen sie sich – mal hintergründig, mal direkt – über alles her, was so auf der Straße liegt. Und das ist einiges: Die chaotischen Zustände beim Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung zum Beispiel, der – wundervoll umgesetzte – Dauerstreit zwischen Ampfing, Heldenstein und Waldkraiburg um die Autobahnausfahrtsschilder oder – nicht zu vergessen – die ständigen Trainerwechsel beim FC Mühldorf.

Dort taucht ein neuer Name auf: Weltmeister Lodda Matthäus in Gestalt des einzigartigen Sigi Merkl soll den müden Kickern Beine machen, selbstverständlich in perfektem Fränglisch: „Disziplin is very impotent to be success“.

Disziplin und Fleiß haben auch die Kappenabendler bewiesen: mit großartigen Ideeen, witzigen Texten und einer gelungenen Mischung aus Spott und Kritik – und natürlich viel Humor.

Es endet in der „Mäckerei Strohmaier“, wo sich Alle noch einmal Gedanken machen, wie sich Mühldorf aus der Finanzkrise führen lässt. Dabei hatten sie die Lösung längst parat: Nicht alles ganz so schwarz sehen. Denn im Grunde könnt alles viel schlimmer sein: „Sie könnten auch in Waldkraiburg wohnen.“

Mühldorfer Anzeiger | ha

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