"Vivat hoch" - die Schäffler tanzen

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Kraiburg - Samstag kurz nach 12 Uhr: Im Schweppermannring in Kraiburg marschieren die Schäffler auf. Nach sieben Jahren Pause ziehen die historischen Reigentänzer wieder durch den Markt.

Das traditionelle Schäfflerlied klingt, als wäre es für diesen frischen Spätwintertag geschrieben. In der Tat, "koit is". Doch die Sonne, die strahlend auf das bunte Treiben herunterschaut, macht die Tiefkühltemperaturen mehr als wett. Ein Auftakt nach Maß für die Tänzer in ihren historischen Zunftgewändern, die unter Führung von Schäfflermeister Herbert Ganglfinger und begleitet von einem großen Tross in den Schweppermannring ziehen, um vor dem Haus von Bürgermeister Michael Loher erstmals den alten Reigentanz aufzuführen.

Schäfflertanz in Kraiburg

In insgesamt 16 Proben haben sie sich seit Ende Oktober darauf vorbereitet. Königsschlange, Sommerhaus, Mühlrad, Krone, Einzelschwingen, Solotanz und Laubengang, so heißen die sieben Figuren, die die Tänzer zur Musik der Kraiburger Blaskapelle aufführen. Nicht nur den Anliegern gefällt's, auch der kritische Blick von Hans Brandl hellt sich auf. Ein anerkennendes Nicken zeigt: Auch er ist zufrieden.

Wie einige andere steht Brandl für die Tradition des Schäfflertanzes in Kraiburg. Gemeinsam mit Herbert Ganglfinger und Musikant Adi Sieghart hat er den Tanz heuer wieder einstudiert, der auf die Münchner Schäfflerzunft zurückgeht. Nach der Pest anfangs des 16. Jahrhunderts wollten sie auf diese Weise die Menschen wieder auf die Straße bringen und Lebensfreude vermitteln.

Seit 1930 wird dieses Brauchtum in Kraiburg gepflegt, federführend war und ist der Turnverein. Bereits zum zwölften Mal sind sie heuer also im Markt und in den Nachbarorten unterwegs. Einige Neulinge sind dabei, aber ohne die erfahrenen Kräfte geht es nicht, ohne Leute wie Schorsch Stenger, der bereits das achte Mal mittanzt, oder Kronenträger Meinhard Wagner, den der Schäffler-Virus vor gut einem halben Jahrhundert angesteckt hat.

Fasschläger und Reifenschwinger treten auf, ehe Schäfflermeister Ganglfinger den Bürgermeister und die Anwohner "Vivat Hoch" leben lässt. Und natürlich wird das Gemeindeoberhaupt von Kasperl Schorsch Fischer derbleckt, wegen der ach so innigen Beziehung Lohers zur Liedertafel und der Idee, den Sängern Miete im Haus der Musik abzuverlangen.

Nach dem Auftakt, dem ersten von zehn Auftritten an diesem Tag zieht die Karawane weiter. Am Samstag nehmen sich die Schäffler Zeit für die neue Siedlung, um den Kraiburger Brauch auch bei den Zugezogenen bekannt zu machen. Unter den Klängen der Blasmusik geht es weiter in die Hochfellnstraße. Gut und gerne 75 Aktive, die Muisker eingeschlossen, gehören dem Tross an, neben den Tänzern und weiteren Mitwirkenden, die Ersatzleute, die Schäfflerinnen, Taferlbua und Wagerlbuam. Der Schäfflertanz ist ein generationenübergreifendes Unternehmen. 14 Jahre ist der jüngste Tänzer, Markus Ziegler, schon 76 Jahre Heini Hermann, der oft selber mittanzte und heute beim Fasswagen mithilft.

Noch einmal sind die Schäffler am nächsten Wochenende unterwegs, von Freitagnachmittag an bis zum Faschingsdienstag, am Rosenmontag auch auswärts, in Waldkraiburg und Taufkirchen. 74 Auftritte stehen bis dahin insgesamt auf dem Programm.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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