Tanz, Schäffler, tanz!

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Dieter Schweiger schwingt erfolgreich den Reifen.

Berchtesgaden - Seit November proben 50 Teilnehmer den traditionellen Schäfflertanz für ihren ersten Auftritt nach sieben Jahre. Am Freitag müssen sie ihr Können unter Beweis stellen.

„Hoffnung, Mut und Lebensfreude“ – wenn die Schäffler ab Freitag, 17. Februar, nach sieben Jahren wieder ihren traditionellen Tanz im Berchtesgadener Talkessel aufführen, soll ein positives Lebensgefühl vermittelt werden, sagt Dieter Schweiger. Er ist derjenige, der für das Einstudieren des Schäfflertanzes vor ORt verantwortlich ist. Viel Arbeit liegt hinter ihm. Immerhin wollen die 50 Schäffler vom TSV Berchtesgaden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen 65 Termine absolvieren. „Das muss alles gut geplant sein“, sagt er. In den vergangenen Wochen galt es, den Schäfflertanz in der Pausenhalle der Mittelschule einzustudieren. Jetzt fühlen sich die Beteiligten gewappnet – der 17. Februar kann kommen.

Schäfflertanz nach sieben Jahren

Die Fasslklopfer Franz Fischer und Franz Klapfenberger.

Die Tradition ist Jahrhunderte alt: Es war das Jahr 1517. In München wütete die Pest. Auf dem Pichplatz der Schäffler befanden sich Menschen, die sich alle zu schützen versuchten. Alles nur erdenklich Mögliche wurde versucht, um der Pest Einhalt zu gebieten. Das Verbrennen von Wacholdersträuchen verbesserte die Situation nicht. Wie ausgestorben waren die Straßen in München. Die Wirtshäuser waren verlassen, selbst in den Kirchen war keine Menschenseele anzutreffen. Nur in den Leiterwagen – dort lagen die Toten, dahingerafft vom „schwarzen Tod“. Als die Pest ein Ende nahm, trafen sich die Schäffler und beschlossen, München einen Hauch von Leben einzuhauchen. Es waren 24 junge Männer, die den ehemals beliebten Schäfflertanz aufführten, um die Lebensfreude zurückzubringen. Der Brauch lebt bis heute weiter. Und das sei auch gut so, wenn es nach Dieter Schweiger geht. Schweiger brennt für die Sache. Das wird im Gespräch schnell klar. Auch Herzog Wilhelm IV. von Bayern brannte einst für die Sache, bat um regelmäßige Wiederholung – alle sieben Jahre. Deshalb wurde den Schäfflern auch das Recht zugesprochen, auf dem Schurz, auf dem Löwen im Wappen, die Krone tragen zu dürfen. Dieter Schweiger betreut seine 50-köpfige Mannschaft zum dritten Mal nach 1998 und 2005. „Die Zeit vergeht schneller, als man meint“, sagt er, vielleicht auch mit ein bisschen Wehmut verbunden. Schweiger ist 76 Jahre alt.

In der Pausenhalle der Mittelschule haben sich die Schäffler versammelt. An der Wand lehnen die Girlandenbögen, mit denen sie zur Musik verschiedene Figuren bilden. Heini Brandner, der älteste aktive Teilnehmer und seit 1963 mit dabei, spielt auf seiner Ziehharmonika. Brandners Klänge, die Melodie „Aba heit is koit, aba heit is sakrisch koit“, soll die Schäffler, eine große Männergruppe, zum Tanzen bringen. Neben Fasslklopfer, Vortänzer, Kreuzl- und Taferlbub gibt es viele Tänzer innerhalb der Gruppe. Seit Ende November trainieren die Schäffler wieder. Übungsleiter Schweiger steht am Rand des Geschehens. Zum „Aufwärmen“ trägt er ein Gedicht vor. Inhalt bilden die einzelnen Gemeinden des Talkessels. Lacher auf Seiten der Beteiligten – zur Einstimmung. Während der Proben tragen sie keine Tracht, sondern Alltagskleidung. Dieter Schweiger gibt das Kommando, die Schäffler stellen sich in Position, dann setzt die Musik ein.

Ziel ist es, den Tanz bis zu den Auftritten fehlerlos hinzukriegen. Ein Großteil der Teilnehmer ist zum wiederholten Male dabei, die „alte Garde“ nennt sie Schweiger. Trotzdem gibt es auch 14 neue Gesichter. Der Jüngste Schäffler ist Maxi Holzeis, 14 Jahre alt. Schlange, Laube, Kreuz, Karo und Krone – die Tanzfiguren sitzen. Viel hat der Übungsleiter nicht zu beklagen. Später treiben die Fasslklopfer Franz Fischer und Franz Klapfenberger einen Eisenreifen symbolisch auf ein Fass. Das gehört zur Tradition. Auf das Fass steigt dann der Reifenschwinger – eigentlich. In der Pausenhalle der Schule ist die Raumhöhe zu gering. Also bleibt Dieter Schweiger auf dem Boden stehen und demonstriert das Schwingen des Reifens, in dem ein volles Schnapsglas balanciert. Ziel ist es, das randvolle Glas im Reifen zu halten, sodass es nicht wackelt und runterfällt.

Das ist dann das „Meisterstück“. Dann trinkt der Reifenschwinger, es folgt ein „Vivat hoch“ auf die Gesundheit desjenigen, der die Schäffler zum Auftritt bat. Die Kasperl Richard Ramsauer und Hannes Neumaier, auch Teil des Brauches, treiben währenddessen Unfug. Nur die Zuschauer fehlen während der Proben. Während der insgesamt 65 Auftritte, die die Schäffler an fünf Tagen zu absolvieren haben, sind sie in ihrer Tracht gekleidet: in der schwarzen Bundhose und Allgäuer, weiße Strümpfe und Handschuhe und die unverkennbare rote Joppen, die eigens für den Einzelnen geschneidert wurde.

Der Schäfflertanz ist eine mit viel Aufwand ins Leben gerufene Sache. Dieter Schweiger sagt, dass man versuche, am Ende mit einem kleinen Plus rauszukommen. „Das Geld geht dann an die Jugendarbeit des TSV Berchtesgaden.“ Die 50 Schäffler führen die Tradition ohne Bezahlung fort. „Trotzdem müssen alle zusammen fünf Tage lang verpflegt werden“, sagt Schweiger. Ein Bus muss für diese Zeit angemietet werde, auch die Marktkapelle Berchtesgaden bekommt etwas für ihre Auftritte. „Viel übrig bleibt dann nicht“, sagt er, der sich persönlich besonders auf die Zeit als Schäffler freut. Vielleicht ist es sein letztes Mal. In sieben Jahren ist er 83 Jahre alt. Bis dahin könne viel passieren. Angst um die lange Tradition hat er keine. „Dann müssen einfach mal die Jüngeren übernehmen“, sagt er.

kp

Quelle: BGland24.de

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