Kulturgau-Interview

Sommerfest im Künstlerhof Zahn Am Bach

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Ein Bild vom Sommerfest im Künstlerhof Zahn Am Bach aus dem vergangenen Jahr.

Wir befinden uns im Jahr 2019 n. Chr. Ganz Prien am Chiemsee ist von traditioneller und kommerzieller Kultur besetzt... Ganz Prien? Nein! Ein von kreativen Künstlern bevölkerter Hof hört nicht auf neue Impulse zu setzen.

Im denkmalgeschützten Bauernhof mit dem Hausnamen „Zahn am Bach“ in Prien am Chiemsee haben sich lokale Künstler und Handwerker aus unterschiedlichsten Bereichen zusammengetan und den Verein Hand.Werk.Kunst. e.V. gegründet. 

Am Samstag, den 29. Juni, öffnet der Künstlerhof seine Ateliers und lädt ein zum großen Sommerfest. Neben den offenen Ateliers erwarten einen Sonderausstellungen von Thomas Hans (Bildhauer) und Philip Scheck (Fotografie), Live-Bands (u. a. Fehlzündung), Lagerfeuer und Grillstationen. Wir haben Anita Kofler, eine der Initiatorinnen von Zahn Am Bach, interviewt. Ein Gespräch über die Entstehung des Künstlerhofes, die verschiedenen Aktivitäten dort und wie man einen Haufen von Individualisten organisiert. 

Wie ist die Idee zum Künstlerhof Zahn am Bach genau entstanden? Und wie kam es dann zur konkreten Umsetzung? 

Flyer des Sommerfests im Künstlerhof Zahn Am Bach

Die Idee zum Hof kam aufgrund der kündigungsbedingten Schließung meines Ateliers von und dem geplanten Werkstatttheater von Achim Schelhas in der gewerbegebietlichen Suburb von Prien. Idee war, einen Raum zu schaffen in dem Neues entstehen kann. Ja und dann haben wir den Hof gefunden – mitten im Winter – mitten in Prien und mit viel Zufall. Hauptgedanke war, Werkstätten und Ateliers im Hof zu etablieren, und diese aufgrund der Gemeinschaft finanziell unabhängig und erschwinglich zu machen. So haben Künstler, Handwerker und Leute, die einfach neue Ideen haben, einen günstigen Raum in Prien, so dass sie ihre Ideen auch umsetzen können. Dieses Konzept haben wir unserem Mieter von Anfang an vorgestellt, damit er auch weiß woran er ist – er fand's gut und unterstützte den Gedanken. Das ist eine gute Basis, sie gibt Sicherheit zum Arbeiten. 

Im Zahn Am Bach wirken die verschiedensten Künstlerinnen und Künstler. Vom Malatelier über Bildhauerei und Holzwerkstatt bis hin zur Theatergruppe. Wie habt Ihr Euch gefunden? 

Irgendwie kam das Ganze wie von selbst ins Rollen. Hinzu kamen dann der Andi Reisinger (Zimmerermeister), Patrick Schelhas (Steinmetz), Peter Rappl (Bildhauer) und Larissa Mazbouh (bildnerische Kunst). Seitdem kommen immer wieder neue Leute hinzu, andere verlassen ihre Werkstatt . Mit Heidi Frank (bildnerische Kunst), Theater Vogelfrei (darstellende Kunst), Nico Veritsis (Lederhandwerk), Jakob Mühlrath (Bildhauer-Atelier), Anna Schlemer und Kerstin Kapitz (Werkstatt im Aufbau) sind derzeit alle Ateliers und Werkstätten belegt und langsam die Raumkapazitäten ausgeschöpft. 

Man darf auch nicht vergessen – wir haben jetzt erst mal den kompletten Hof Stück für Stück entrümpelt und in Werkstätten verwandelt sowie den Verein Hand.Werk.Kunst.e.V. gegründet, der uns trägt. Das Ganze hat Zeit, kann sich entwickeln – verfolgt aber eher keine ehrgeizigen Ziele. Hauptsächlich sind das Ateliers und Werkstätten zum Arbeiten. 

Ich unterstelle jetzt mal, dass sich im Zahn Am Bach eine größere Anzahl von Individualisten zusammengefunden hat. Wie organisiert man einen Haufen von Individualisten? 

Flyer des Sommerfests im Künstlerhof Zahn Am Bach

Je individueller umso besser - das Schöne ist ja genau der Facettenreichtum. Da findet ein Diskurs zwischen Künstlern und Handwerkern statt - man ist interessiert an dem was der Andere macht und hilft sich gern auch gegenseitig mal weiter. Logistische Sachen sind im digitalen Zeitalter auch ganz gut zu lösen – wichtig ist, dass jeder aufgrund der Gemeinschaft so wenig wie möglich Miete zahlt, das Klima unter den Leuten positiv ist und jeder zufrieden ist. Es ist klar: jeder ist mal mehr oder weniger verplant oder kann einfach auch grad nicht. Das darf da auch sein. Und es sind die kleinen Schritte. Wir haben Zeit, Raum und wachsen lieber langsam. 

Inwieweit ist der Künstlerhof vernetzt? Gibt es gemeinsame Aktivitäten oder personelle Überschneidungen mit anderen Initiativen und Akteuren? 

Wir sind das nicht bewusst oder intendieren dies – es passiert eher von allein – weil sich viele untereinander wieder kennen von anderen Bereichen her. Es ist vielleicht die Offenheit des Konzeptes bei gleichzeitiger finanzieller Selbstbestimmung. 

Wie wird der Künstlerhof am Ort aufgenommen? 

Der Chiemgau hat viele offene und kreative Menschen – irgendwer vom Ort hat uns mal gesagt, wir haben da ein Schatzkästchen gefunden – und so behandeln wir das auch. 

Was für weitere Aktivitäten sind in Planung? 

Am 21. Juni stellen wir Bilder und Skulpturen in der Priener Pfarrkirche bei der 1. Priener KunstNacht aus. Also wer Lust hat…

Sommerfest im Künstlerhof Zahn Am Bach 

  • Offene Ateliers
  • Sonderausstellungen
  • Grillstationen
  • Lagerfeuer Live-Bands: Fehlzündung , The Delayed , Rocking For Compliments 
  • Datum: 29. Juni 2019
  • Ort: Hochriesstraße 53, 83209 Prien am Chiemsee 
  • Beginn: 16 Uhr 
  • Preis: Eintritt frei Weitere 
  • Infos: www.zahnambach.com 
  • Grillgut und Essen bitte selbst in den Picknickkorb packen

Aktuelle Künstler und Handwerker am Künstlerhof Zahn Am Bach: 

  • Anita Kofler (Malatelier) 
  • Andreas Reisinger (Zimmerermeister) 
  • Peter Rappl (Bildhauer) 
  • Patrick Schelhas (Steinmetz) 
  • Larissa Mazbouh (bildnerische Kunst) 
  • Jakob Mühlrath (Bildhauer-Atelier) 
  • Theatergruppe Vogelfrei (darstellende Kunst) 
  • Nico Veritsis (Lederhandwerk) 
  • Heidi Frank (bildnerische Kunst) 
  • Anna Schlemer und Kerstin Kapitz (Werkstatt im Aufbau) 

Ehemalige vom Künstlerhof: 

  • Schreibwerkstatt Christine Heimannsberg und Sigi Heidi Hohner
  • Theater im Park mit A. Schelhas, A. Schwankl und A. Visentin 
  • Musikwerkstatt Michal Matlak

Christian Eder

Quelle: rosenheim24.de

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