KAB zeigt: „Alles unter Kontrolle“

Ein aufrüttelnder Film über die Selbstverständlichkeit der Überwachung

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Werner Boote finden Sie auf Facebook, Twitter, Instagram, SnapChat und anderen Plattformen. ABER: Werner Boote hat keine Kreditkarte mehr, verwendet keine Bankomatkarte, kauft weder bei Amazon noch sonst irgendwo online ein. Er blockiert das Zugriffsrecht auf seine Handy-Kontakte für Apps usf. Er liest die kilometerlangen Nutzungsbestimmung (EULA) & AGBs durch, weil er jetzt weiß, dass Daten weiterverwendet und verkauft werden. Während der Recherchen und den Dreharbeiten zu diesem Film hat sich sein Umgang mit den eigenen Daten drastisch verändert.

Taufkirchen - Facebook, Amazon und Google liefern uns rund um die Uhr den Zugang zur bequemen digitalen Welt! Überwachungskameras auf der Straße sorgen für unsere Sicherheit. Aber wer sammelt eigentlich unsere Fingerprints, Iris-Scans, Vorlieben beim Online-Shopping und was wir in den sozialen Netzwerken teilen? Ist uns unsere Privatsphäre gar nicht mehr so wichtig?

Werner Boote hat es wieder getan. Der notorische neugierige Wiener Filmemacher steckt seine Nase wieder einmal in Dinge, die ihn nichts angehen. Oder gehen sie ihn doch etwas an? Oder, noch genauer, gehen sie nicht uns alle an – so wie schon seine Recherchereisen in Sachen Kunststoff (in Plastic Planet) und in Sachen Überbevölkerung (in Population Boom)? Die allgegenwärtige Überwachung durch öffentliche und private Kameras, GPS, Handys und Internet, das Gefühl, Big Brother habe sich nun endgültig verselbständigt – das ist ein heißes Thema so recht nach Bootes Geschmack. Es ist ein Thema, das uns allen im Nacken sitzt, auch wenn wir es nur allzu oft und allzu gerne verdrängen.

Mit dem ihm eigenen, scheinbar „naiven“ Ansatz macht sich Werner Boote – „unterstützt“ von Siri, der sympathisch-synthetischen Frauenstimme seines iPhones – auf die Reise zu neuralgischen Punkten und zu wichtigen Playern des globalen Überwachungswahnsinns beziehungsweise zu dessen profiliertesten Gegnern. Von London in die USA, von Indien bis Hongkong, von China bis nach Kuba, wo er das perfekte Symbol für unseren gegenwärtigen Zustand in einem ehemaligen Gefängnis findet, ist Boote unterwegs. Dass ihm dabei viel Verblüffendes, Erschreckendes und zum Teil Bizarres widerfährt, kann einen nicht wirklich überraschen. Oder doch?

Wir glauben ja gerne, alles über die Welt, in der wir leben, zu wissen. Experten für „eh alles“ mögen einwenden, dass das, was Boote zeigt, doch „alles längst bekannt“ sei. Aber haben wir tatsächlich gewusst, dass die indische Regierung in einem wahnwitzig anmutenden Projekt bereits 700 Millionen Menschen, also rund die Hälfte der eigenen Bevölkerung, darunter die Ärmsten der Armen, optometrisch und digital erfassen hat lassen? Für Sujata Chaturvedi, die Leiterin dieses gigantischen Unterfangens, ist das ganz normal, Business as usual, und in keiner Weise bedenklich, ja, sie verweist auf den allumfassenden Nutzen dieser Maßnahme.

„Wer die Daten hat, hat die Macht“, stellt Werner Boote einmal ernüchtert fest. Aber wer sind die Guten, wer die Bösen in diesem System? Tatsächlich hat uns ja niemand gezwungen, in sozialen Medien unsere Hunde, unsere Frühstückscroissants oder unser Konsumverhalten offenzulegen. Warum tun wir es dann? Zygmunt Bauman, der aus Polen stammende und in England lebende 90-jährige Soziologe, weiß es: weil wir nicht allein sein können und wollen, weil die digitale Welt uns die Möglichkeit gibt, mit anderen nahezu unbegrenzt „zusammen zu sein“. Wir alle, so seine Schlussfolgerung, erschaffen „Big Brother“ gemeinsam. Oder, wie es Eric Pan, ehemaliger Hongkonger Hacker und nunmehriger Security-Guru, ausdrückt: „Neugier und Privatsphäre, das lässt sich nicht vereinbaren.“

Wie immer in seinen Filmen hat Werner Boote eine verblüffende Zahl an hochkarätigen Gesprächspartnern aufgetrieben, die auch tatsächlich Hochkarätiges zu sagen haben, Dinge, über die nachzudenken sich definitiv lohnt. Nur in Bluffdale (was für ein Name!) im US-Bundesstaat Utah, wo die NSA ihr bislang größtes Datenspeicher-Center errichtet hat, muss er notgedrungen auf Antworten verzichten. Angestellte der Organisation, denen er zwei Tage lange im Auto folgt, um sie in einer „harmlosen“ Umgebung zu befragen, verweigern ihm die Auskunft – einer von ihnen mit dem unschlagbaren Argument, er wolle seine Privatsphäre schützen … Am Donnerstag, den 16.02. läuft ALLER UNTER KONTROLLE im Kinocafé Taufkirchen/Vils, Erdinger Straße 17. Beginn ist um 20 Uhr. Im Anschluss lädt KAB-Diözesansekretär Rainer Forster zur Diskussion ein.

KAB Katholische Arbeitnehmer-Bewegung

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