Kleine Bauern ganz groß

KAB-Abend: „Weil ois irgendwia zamhängd“ im Cinewood

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Leonhard Straßer, Sprecher Agrarbündnis und unser Gast im anschließenden Filmgespräch.

Waldkraiburg - „Weiloisirgendwiazamhängd“ („Weil alles irgendwie zusammenhängt“), so der Titel des neuen Filmes, der auf Initiative des Agrarbündnis BGL/TS von Regisseur und Kameramann Erwin Mertl gedreht worden ist.

In 90 Minuten setzt er die Sorgen und Nöte, aber auch die Hoffnungen von kleinen Bauernhöfen eindrucksvoll in Szene. Kurzweilig, informativ, kritisch und immer mit einer Brise des bayrischen Humors. Wer seine bayrische Heimat liebt, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen.

Vorgestellt werden Landwirte, Gärtner, Imker, Bäcker und Sprecher kritischer Organisationen, die Alternativen aufzeigen, die – so die Überzeugung und die Botschaft des Filmes und seiner Macher – ein gutes Beispiel für die gesamte Landwirtschaft sein könnten: sozial gerecht, ökologisch durchdacht und umweltschonend. Hintergrund dieser Aktion ist die begründete Befürchtung vieler Kleinbauern, dass die Landwirtschaft in eine Richtung gelenkt wird, die für die Bauern nicht mehr zukunftsfähig ist und auf Dauer deren Lebensgrundlage zerstört.

Das Agrarbündnis Traunstein/BGL hat einen Film gedreht. Zu sehen ist er am Montag, den 2. Januar, um 20:15 Uhr im Cinewood Waldkraiburg. Rainer Forster (KAB) und Leonhard Straßer (Sprecher Agrarbündnis) präsentieren ihn.

Und dass die derzeitige, „von oben diktierte“ Landwirtschaft diese Voraussetzungen nicht erfüllt, davon sind die Mitgliedsverbände im Agrarbündnis Berchtesgadener Land-Traunstein überzeugt! Mehr noch: Auch die Verbraucher kommen zunehmend zu der Erkenntnis, dass eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft in der Zukunft an Bedeutung gewinnen sollte. Schorsch Planthaler, der Moderator des Filmes, fährt mit seinem knallgelben, almgängigen Traktor durch die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener-Land und besucht rund ein Dutzend Betriebe, die auf ihre Weise Pioniere einer zukunftsweisenden Landwirtschaft, Bodenbewirtschaftung und Vermarktung sind.

Da ist etwa der Sepp Hubert aus Reichersdorf in der Gemeinde Kirchanschöring. Er fordert als Traunsteiner Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM), dass bei der Milch das Angebot der Nachfrage angepasst werden müsse. Gleichzeitig spricht er sich massiv gegen Agrogentechnik aus. Und dann zeigt er stolz sein Getreidefeld aus einem Gemenge verschiedener Sorten, das weder Spritzen noch Düngen braucht und so auch den überdüngten Waginger See von Phosphat entlasten würde.

Gehört der Betrieb von Sepp Hubert eher zu den großen in der Region, so ist die Landwirtschaft von Liesi und Albert Aschauer ein Beispiel für die immer weniger werdenden kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Und gerade diese bräuchten dringend einen Milchpreis von 40 bis 50 Cent, fordert Liesi Aschauer, die Kreisvorsitzende des BDM im Berchtesgadener Land.

Sepp Probst aus Chieming zeigt auf, wie man mit der richtigen Fruchtfolge auch ohne Spritzmittel Getreide anbauen kann.

Hans Praxenthaler aus Fridolfing führt naturnahe Waldbewirtschaftung vor, und Imker Simon Angerpointner schildert die Situation der Bienen, denen durch den frühen Mähzeitpunkt und das Verschwinden von Blütenpflanzen nach und nach die Lebensgrundlage genommen wird. Walter Gründl vom Umweltgarten in Wiesmühl an der Alz bezeichnet die Maismonokulturen als Katastrophe für die Artenvielfalt.

Ähnliche Wege geht auch Gertraud Gafus hoch droben auf der Fürmann-Alm bei Anger: Von der arbeitsintensiven Almbewirtschaftung allein lässt sich kaum leben, die Gastronomie sorgt hier für den notwendigen Zuverdienst. Und als Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kritisiert sie heftig die Verwendung von Round-up und bedauert, dass der Großteil der Politiker nicht die Courage habe, für die Menschen zu stimmen – sondern eben für die Großindustrie und deren Produkte. So wollen die Verantwortlichen des Agrarbündnisses mit ihrem Film Anregungen weitergeben und die Öffentlichkeit wachrütteln.

Bäuerlichen Familienbetriebe erhalten

An Konsumenten und Produzenten sollen Denkansätze vermittelt werden, damit die Umwelt zu ihrem Recht kommt und dass – ganz und gar nicht zuletzt – die bäuerlichen Familienbetriebe für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben. Damit das möglich ist, müssen baldmöglichst die Voraussetzungen geschaffen werden, dass sie auch die Gegenwart überleben. Dazu darf die Landwirtschaft nicht auf die Lieferung billiger Rohstoffe für die Lebensmittelproduktion reduziert werden – zu Schaden von Natur, Tier und Mensch.

Die bäuerliche Kulturlandschaft zu schützen, die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern zu schätzen, den Tierschutz ernst nehmen und fairen Handel und Klimaschutz in die Überlegungen mit einzubeziehen: Das fordert das Agrarbündnis – und diese Botschaft möchte der aktuelle Film weitergeben.

Denn es hängt alles miteinander zusammen, und keines kann und darf vom anderen getrennt werden. Daher heißt der Film auch „Weiloisirgendwiazamhängd“ („Weil alles irgendwie zusammenhängt“).

Bei alledem wird auch an die Mitverantwortung der Bauern appelliert, sich auch selber – jeder in seinem Bereich – für eine Änderung der Rahmenbedingungen einzusetzen, etwa weg von dem viel gepredigten „Evangelium“, dass der Export es schon richten würde, und dafür hin zu regionalen Strukturen, die umweltfreundlich sind und die letztlich der Landwirtschaft zu einem partnerschaftlichen Miteinander mit den Konsumenten verhelfen.

Die KAB zeigt die Doku am 2. Januar um 20:15 Uhr im Cinewood Waldkraiburg, Daimlerstraße 55. Im Anschluss beantwortet Leonhard Straßer vom Agrarbündnis noch weitere Fragen.

KAB Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Kreisverband Mühldorf

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