ÖDP-Kandidatin Lisa Sieber: Für bäuerliche Landwirtschaft - gegen industrielles Massentierfleisch

Antibiotika in der Massentierhaltung als Ursache für Krankenhauskeime

+
ÖDP-Bundestagskandidatin Lisa Sieber, Angelika Demmerschmidt, Reinhard Retzer, stellv. Kreisvorsitzender, Kreisrat

Lohkirchen - Zum Info-Abend der ÖDP unter dem Titel „Klaus graust´s vor Massentierfleisch und multiresistenten Keimen“, fanden sich gut 40 Interessierte im Landgasthaus Eder bei Lohkirchen ein. ÖDP-Kreisvorsitzende Lisa Sieber begrüßte dazu Angelika Demmerschmidt, die Referentin des EU-Abgeordneten Prof. Dr. Klaus Buchner, ÖDP (Ökologisch- Demokratische Partei).

Um alle Missverständnisse vorab auszuräumen stellte Angelika Demmerschmidt fest: „Diese Kampagne richtet sich nicht gegen die Landwirtschaft, sondern gegen die industrielle Fleischproduktion, bei der vorbeugend massenweise Antibiotika an gesunde Tiere verabreicht wird.“ Ohne Antibiotika sei Massentierhaltung gar nicht möglich, bei denen z. B. ein Huhn gerade so viel Platz wie ein DIN A 4 Blatt hat.

Angelika Demmerschmidt stellte ein verändertes Verhalten bezüglich des Fleischkonsums heraus. „Vor einigen Jahrzehnten war der Sonntagsbraten das Highlight der Woche, jetzt kann Fleisch in unnötig großen Mengen täglich konsumiert werden.“ Der Preis dafür seien beispielweise Aufzuchtanstalten mit Hähnchen, die in weniger als 40 Tagen zur Schlachtreife gebracht werden. An zehn Tagen davon werden sie mit Antibiotika vollgepumpt. Die exzessive Anwendung von Antibiotika in diesen Massenställen hat mittlerweile zu einer immer weiter rasch ansteigenden Anzahl von multiresistenten Killerbakterien geführt, gegen die keine Antibiotika mehr wirken. Diese multiresistenten Keime werden in Besorgnis erregendem Ausmaß direkt auf den Menschen übertragen oder geraten indirekt auch über die Gülle in die Umwelt zum Menschen. Nach einer Studie der Universität Münster, eine Gegend mit vielen Masttierställen, tragen 80% bis 90 % der Schweinhalter den MRSA-Keim, Tierärzte sind mit 45 % betroffen.

„Die Ausbreitung multiresistenter Keime wirft uns ins medizinische Mittelalter zurück,“ so Demmerschmidt. „Eine Untersuchung der Berliner Charité-Klinik sagt voraus, dass im Jahr 2050 weltweit mehr Menschen an Antibiotika-resistenten Keimen sterben werden als an Krebs, wenn nicht schnellstens Maßnahmen ergriffen werden.“ Hier sei die Politik gefordert, alle Fakten lägen auf dem Tisch, passieren würde viel zu wenig und auch nicht konsequent genug. Der massive Einsatz von Antibiotika führe dazu, dass Massentierhaltung eine wesentliche Brutstätte für multiresistente Keime ist. Antibiotika würden zunehmend wirkungslos, so dass Menschen an kleinsten Infektionen oder Verletzungen sterben können.

Auch die Freihandelsabkommen CETA und TTIP verschärften die Problematik, ergänzte sie. Dadurch kämen noch weitere hunderttausende Tonnen billiges Massenfleisch aus Übersee auf den europäischen Markt. Auf der Strecke bliebe unsere bäuerliche Landwirtschaft. Abschließend forderte Angelika Demmerschmidt ein sofortiges Verbot von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung, diese hochpotenten Medikamente müssten für Schwerstkranke in den Kliniken eingesetzt werden. Weiterhin ein Verbot der Vergabe von Medikamenten an gesunde Tiere sowie das Ende der Förderung von Großmastanlagen. Es müsse eine verbindliche, ausreichende Agrarfläche pro Tier festgelegt werden. Sie forderte ein Umdenken und eine Abkehr von der Massentierhaltung.

In der lebhaften Diskussion im Anschluss wurde auch die Ausbildung sowie die landwirtschaftliche Beratung kritisiert, die solche Zusammenhänge ausblende und lediglich auf „Wachsen oder Weichen“ aus sei. Auch das Verhalten der Verbraucher wurde kritisiert. Die Geiz-ist-geil-Mentalität und die Erwartung, alle Lebensmittel müssten überall und zu jeder Zeit verfügbar sein seien schuld an dieser katastrophalen Entwicklung für Mensch, Tier und Umwelt.

Pressemittelung des ÖDP-Kreisverbandes Mühldorf

Zurück zur Übersicht: Vereine & Parteien

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweis

Inhalte Drittanbieter
Die in diesem Ressort aufgeführten Artikel und Meldungen stammen nicht von der OVB24-Redaktion, sondern von den Vereinen, Parteien und Behörden aus der Region. Die Inhalte dieser Pressemeldungen spiegeln nicht die Meinung der Redaktion. Die OVB24-Redaktion übernimmt für die Inhalte der Artikel keine Haftung. Sollten Inhalte der hier veröffentlichten Artikel gegen die Netiquette verstoßen, können Sie diese der Redaktion melden - über den Button „Fehler melden“ (unterhalb der Überschrift des entsprechenden Artikels).

Live: Top-Artikel unserer Leser