Ein Stück bayerische Lebenskultur

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Mettenheim - Zum Schafkopfseminar luden die Kulturfreunde Mettenheim ein. Das Kartenspiel ist Teil der bayerischen Lebenskultur und bei Jung und Alt beliebt.

Über 20 Teilnehmer sitzen gespannt an ihren Tischen beim Mettenheimer Kreuzerwirt. In ihren Gesichtern ist Interesse und Aufregung zu lesen. Was wird gleich passieren? Eine Rede? Ein Fest? Nein! Die Männer und Frauen sind nur aus einem Grund gekommen: Sie wollen Schafkopfen lernen.

Das ein vermeintlich unwichtiges Kartenspiel doch das Interesse von vielen Menschen erweckt, zeigt, dass das Schafkopfen einen hohen Stellenwert in der bayerischen Gesellschaft hat. Und es hat eine lange Tradition, wie Alfons Bruckmaier, Leiter des Seminars und Mitglied der Kulturfreunde Mettenheim, erklärt. "Ich habe es schon als kleiner Junge mit meinem Vater gespielt."

Weil sich für ein Schafkopfturnier im vergangenen Jahr nur sehr wenig Teilnehmer gemeldet hatten, kam der Mettenheimer auf die Idee, das Seminar gemeinsam mit seinem Kollegen Heinz Heilmayer durchzuführen. "Wir dachten, es machen sicher nur so wenige mit, weil sie das Spiel gar nicht können", berichtet Bruckmaier.

Dass sich Jung und Alt und sowohl Mann als auch Frau fürs Schafkopfen interessieren, wird am ersten von drei Kursabenden beim Kreuzerwirt deutlich. Unter den Teilnehmern sind aber nicht nur blutige Anfänger. "Ich habe das letzte Mal vor 30 Jahren gespielt, jetzt möchte ich es wieder lernen", bekennt Mettenheims Bürgermeister Stefan Schalk. Auch sein Vorgänger Josef Gründl wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen: "Das Spiel interessiert mich. Bisher konnte ich nur Watten."

Bevor es ans Spielen geht, erklärt Alfons Bruckmaier die Regeln. Am ersten Kursabend soll nur das sogenannte "Rufspiel", auch "Sauspiel" genannt, erlernt werden. Während der Fachmann vom Ziel des Spiels über die Rangfolge der Karten bis hin zu taktischen Überlegungen alles genau beleutet, lauschen die Teilnehmer gespannt. Die anfängliche Zurückhaltung und die fragenden Gesichter wandeln sich schnell in Begeisterung. Stolz antworten die Kartenspieler im Chor auf Bruckmaiers Fragen wie "Sticht die Herz Sieben die Grassau?", "Wieviele Trümpfe gibt es beim Rufspiel?" oder "Kann ich mit der Gras Zehn den Gras König stechen?".

Schnell sind auch Begriffe wie "Davonlaufen", "Stoß" beziehungsweise "Contra" und "Rufsau" den Anwesenden geläufig und so kann es ans Eingemachte gehen. "Wir geben zunächst spezielle Spielsituationen vor, damit die Teilnehmer besser ins Spiel finden", so Bruckmaier. Bei den ersten Spielen legen die Männer und Frauen ihre Karten offen auf dem Tisch aus, mit prüfendem Blick verfolgt Fachmann Bruckmaier die Partieen an den Tischen.

Von Spiel zu Spiel werden die Gesichter der Kartenspieler fröhlicher. Und das ist kein Wunder, denn spätestens nach dem dritten Kursabend werden sie nicht nur das Schafkopfen beherrschen, sondern auch einen Teil bayerischer Lebenskultur selbst miterleben und vermitteln.

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

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