Zurück ins Leben geradelt

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Alex Pfasch ist nach seinem Unfall ein begeisterter Sportler geblieben. Mit seinem Handbike legte er mittlerweile schon über 10000 Kilometer zurück.

Waldkraiburg - Im Februar 2006 zieht sich Alexander Pfasch bei einem Glatteisunfall schwerste Verletzungen zu. Mittlerweile hat sich der Querschnittsgelähmte ins Leben zurückgekämpft.

Geholfen hat dem begeisterten Sportler dabei die Betätigung auf seinem Handbike, mit dem er schon über 10000 Kilometer zurückgelegt hat.

"Ich hab meinen Spaß am Leben", sagt Alexander Pfasch. Aus seinen Worten kann man eine gehörige Portion Stolz heraushören. "Ich hab vor meinem Unfall 25 Jahre lang immer viel Sport getrieben", erzählt der einstige Eishockeyspieler. Seiner Begeisterung für den Sport konnte der schwere Autounfall keinen Abbruch tun. Im Gegenteil: Seit eineinhalb Jahren fährt er "extrem viel" mit dem Handbike. Und nun hat er die 10000-Kilometer-Marke geknackt. "Es geht so auch, es geht nur anders", meint Pfasch und bezieht sich damit nicht nur auf das Radfahren, sondern auf das Leben mit seiner körperlichen Behinderung im Allgemeinen.

Nach den vier Wochen im Koma verbrachte Pfasch ein halbes Jahr an der Unfallklinik in Murnau. Von März bis August absolvierte er eine regenerative Therapie, kurierte die schweren Verletzungen des Unfalls - unter anderem Risse in Lunge, Zwerchfell und Leber - aus und wurde auch psychologisch betreut. Verkraften musste Pfasch nämlich nicht nur das eigene Schicksal, sondern auch den Tod seiner Arbeitskollegin und Mitfahrerin, die bei dem Unfall verstarb.

Besonderen Eindruck hat bei ihm der Seelsorger hinterlassen, der ihm klipp und klar sagte: "Es ist passiert, mach das Beste draus." Diese Einstellung hat sich Pfasch zu eigen gemacht. "Man muss das Leben neu lernen", erklärt er. "Aber es ist auf jeden Fall noch lebenswert." Pfasch hat eine Tochter, die zum Zeitpunkt seines Unfalls sieben Monate alt war. Das ist natürlich eine wichtige Motivation, nicht aufzugeben. Überhaupt ist das Resignieren Pfaschs Sache nicht: "Ich hab noch nie aufgegeben. Man muss einfach den Kopf wieder hochziehen."

Das ist freilich alles andere als einfach: Die erste Zeit nach dem Unfall beschreibt Pfasch als "Zurechtkommen" mit der neuen Situation. Geholfen haben ihm dabei auch Bekanntschaften, die er in Murnau mit Gleichaltrigen geschlossen hat, die schon wesentlich länger als er auf den Rollstuhl angewiesen sind. Und dann musste sich Pfasch natürlich auch um eine behindertengerechte Wohnung bemühen.

Nach und nach erkämpft sich Pfasch all das, was ihm der Unfall zunächst genommen hat: "Seit einem halben Jahr fahre ich wieder Auto." Dafür habe Pfasch zwar keinen neuen Führerschein gebraucht, dafür aber ein psychologisches Gutachten, das ihm die Fahrtauglichkeit bescheinigt und ein behindertengerechtes Auto. "Das zieht sich, es muss ja alles geplant sein", sagt er. Aber er hat es durchgezogen. Und durchziehen will er auch ein weiteres Projekt, nämlich den Hausbau, um den er überwiegend in Eigenregie kümmert.

Und den Sport konnte ihm der Unfall eben auch nicht nehmen: "Eigentlich war das Handbike für mich am hilfreichsten, um den Unfall zu verarbeiten." Am liebsten fährt sich Pfasch abends und in der Nacht in Waldkraiburg "den Kopf frei" und denkt dabei über vieles nach, etwa den Hausbau. Er hat einen Tacho am Handbike, damit er weiß, wie viel er schon gefahren ist. Den ersten Tacho hat er nach zirka 7000 Kilometern verloren, der neue Tacho zeigt bereits über 3000 Kilometer an. "Ich will der Bevölkerung zeigen, was machbar ist", lautet seine Devise.

Aus diesem Grund hat er im letzten Jahr auch am Stadtlauf teilgenommen und im Rollstuhlfahrer-Rennen den dritten Platz erzielt. "Daheim fällt einem die Decke auf den Kopf. Man muss rausgehen, man muss unter die Leute", beschreibt er seine Motivation.

Nach dem Unfall habe ihm zwar die Anteilnahme der Sport- und Arbeitskollegen sehr geholfen, doch er habe auch festgestellt, dass "die meisten nicht wissen, wie sie einen nehmen sollen", sagt Pfasch. Deswegen ist meistens er derjenige, der auf die Menschen zugeht und ihnen sagt: "Nehmts mich genau wie vorher, der Kopf ist da, ich bin genau der Gleiche." Und auf diese Weise hat Pfasch, gewissermaßen nebenbei, auch noch eine weitere Aufgabe für sich entdeckt: "Ich will die Kluft zwischen 'Normalen' und Behinderten abbauen."

mlo/Mühldorfer Anzeiger

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