Wer wohnt eigentlich im Stadtpark?

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Den Bergmolch kann man nur sehr schwer künstlich ansiedeln. Er wandert bei einem Versuch bald wieder ab und vertrocknet dabei oftmals. Oder er wird überfahren. Im Stadtparkweiher ist er aber zu finden.

Waldkraiburg - In Waldkraiburg gibt es neben Mauersegler- und Fledermauskolonien ein bemerkenswertes Feuchtbiotop, den Stadtparkweiher.

Vor etwa 50 Jahren als einfacher Weiher ohne Bewuchs angelegt, wurde der Stadtparkweiher erst vor etwa 15 Jahren bepflanzt. Vor etwa acht Jahren war im Betonteil des Gewässers eine Jungmolch-Schwemme zu beobachten. Im darauf folgenden Jahr gab es allerdings vergleichbar wenige. Gibt es aktuell noch welche, geht es denen gut? Der Biologe Dr. Andreas Zahn berichtet, dass sich ein Gleichgewicht eingestellt habe und erzählt, dass er dieses Jahr über 40 Bergmolche im Betonteil gezählt habe. Immer im März macht der Biologe Bilanz und zählt die sichtbare Population der Amphibien.

Wegen des dichten Bewuchses im Naturteil des Weihers lässt sich der Bestand dort nur schätzen. Dieser Bewuchs gibt aber den Molchlarven genügend Deckung, sodass sie nicht alle von den Fischen oder Enten gefressen werden. Die Molchlarven unterscheiden sich in Farbe und Form sehr deutlich von den Kaulquappen der Kröten, sodass der bittere Geschmack der Krötenlarven nicht auch als Schutz für die Molchlarven funktioniert.

Früher schon wurden in der Anlage Goldfische, Stichlinge und kleine Weißfischarten eingesetzt.

Der Bewuchs im Wasser ist für die Molche auch deshalb wichtig, weil sie ihren Laich auf den Blättern von Wasserpflanzen ablegen. Offenbar haben diese Amphibien dort alles, was sie brauchen: Im Wasser leben sie von kleineren Insektenlarven und Kleinkrebsen, außerhalb von Insekten, Würmern und kleinen Schnecken. So auch die Verwandten, die Erdkröten und Grasfrösche, von denen es in der Größenordnung von 300 bis 400 Exemplare geben soll. Deren Speiseplan ist ähnlich, nur sind sie in der Lage, größere Beutestücke zu fangen.

Ein Ausräumen des Teiches - auch ein teilweises - würde also die Bewohner empfindlich stören.

Auch der scheinbar verwilderte Uferbewuchs ist ein wichtiger Lebensraum. In dem dichten "Kleindschungel" herrscht hohe Luftfeuchtigkeit, eine wichtige Bedingung für Amphibien, weil sie im Gegensatz zu Reptilien wie Schlangen und Eidechsen viel schneller austrocknen würden.

Der Bergmolch hat eine besondere Eigenschaft: Er ist ein bisschen stur. Er lässt sich nicht künstlich ansiedeln und wandert bald wieder ab. Dabei vertrocknet er allerdings allzu oft oder wird überfahren. Außerdem stehen die Amphibien unter Naturschutz.

Zu dieser Jahreszeit kann man einige Gartenpflanzen, die aus der Zeit der Neugestaltung der Anlagen des Parks stammen könnten, ausmachen: Taglilien, Goldrute, blauer Storchenschnabel und verschiedene Ziergräser. Auch die Seerosen und die kleinen Teichrosen dürften schon vor 15 Jahren eingebracht worden sein.

Zum Anflug, also natürliche Aussaat, dürften der Sauerampfer, der Rohrkolben, der Blutweiderich, die Minzen, der Frauenmantel, der Hahnenfuß, das Fingerkraut und das rosa Weidenröschen gehören.

Im Frühling bietet sich ein anderes Bild der Pflanzenwelt um den Weiher. Wer aber an den restlichen Sommertagen die beschauliche Ruhe am Teich genießt, könnte bis zu vier verschiedene Libellenarten beobachten.

Dies ist ein Zeichen für große Artenvielfalt, zu deren Erhalt dieser kleine Stadtparkweiher offenbar seinen Beitrag leistet.

fng/Waldkraiburger Nachrichten

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