Wirtschaftsförderung durch Bildung

Waldkraiburg - "Heute ist permanente Aus-, Fort- und Weiterbildung nötig, um seinen Arbeitsplatz zu erhalten", sagte Landrat Georg Huber bei der Infoveranstaltung zum Projekt "Lernen vor Ort", die im Haus der Kultur stattfand.

"Was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmer mehr" heißt ein Sprichwort. Diese Aussage entspricht schon lange nicht mehr der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirklichkeit. Heute ist lebenslanges Lernen angesagt, um mit der rasanten Entwicklung in der Berufs- und Arbeitswelt mithalten zu können.

Landrat Georg Huber.

Lernen vor Ort ist ein Projekt, bei dem Bildungsangebote aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt werden sollen. Sie sollen allen zugänglich und bezahlbar sein. Gefragt sind hier vor allem nachhaltige, auch in der Zukunft tragfähige Ideen und Konzepte. "Der Landkreis hat schon vor Jahren erkannt, dass die Investition in Bildung und Erziehung die wichtigste Wirtschaftsförderung ist, die wir auf die Beine stellen können", so Huber. Deshalb habe man sich auch bei dem bundesweiten Wettbewerb "Lernen vor Ort" beteiligt und ist als einer von vier Landkreisen in Bayern ausgewählt worden.

Ziel dieses Projektes, das vom Bund und dem Europäischen Sozialfonds mit 60 Millionen Euro gefördert wird, ist es, die bestehenden Lernangebote zu vernetzen und Synergien zu schaffen. Ziel ist es nicht, dass der Landkreis eine neue Bildungsinstitution ins Leben ruft. "Wir sind nur Moderator und Diskussionsleiter", so Landrat Huber. "Wir müssen eine regionale Bildungsstrategie entwerfen, bei der alle Bildungsanbieter - von den Kindergärten über die Schulen, bis hin zu Weiterbildungseinrichtungen und Hochschulen - in ein gemeinsames System gebracht werden", erläuterte der Landrat.

Damit sollen auch die Übergänge von den einzelnen Lebenssituationen erleichtert und Brüche vermieden werden. "Wir wollen das Leitbild des lebenslangen Lernens im Landkreis etablieren", so Georg Huber.

Anja Skrypek, die Projektleiterin "Lernen vor Ort Mühldorf", beleuchtete den Begriff "Lernen" näher. Lernen heißt, sich Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen. Das solle im Idealfall selbstbestimmt und mit der entsprechenden Motivation geschehen. "Die individuelle Erfahrung, dass es sich lohnt zu lernen, motiviert auch dazu, weiter zu lernen", ist sie überzeugt.

Extra aus Berlin angereist war Dr. Martin Thome vom Ministerium für Bildung und Forschung, um das Projekt eingehend vorzustellen. Grundsätzlich ist Bildung eine Gemeinschaftsaufgabe von Staat, Kommune und Zivilgesellschaft. Er machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass sich der Staat mit diesem Projekt nicht in die hoheitlichen Aufgaben von Land und Kommunen einmischen wolle.

Die Grundsätze dieses Projektes sind, dass man in Verantwortlichkeiten und nicht Zuständigkeiten denken solle; dass man Ziele gemeinsam festlegen und verfolgen solle; dass man Maßnahmen gemeinsam planen und umsetzen solle; dass Ressourcen gemeinsam abgestimmt werden sollen und die Qualitätssicherung gemeinsam geplant und durchgeführt werden soll.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, die ebenfalls von Dr. Thomas Stahl moderiert wurde, gingen Landrat Georg Huber, Projektleiterin Anja Skrypek, Dr. Martin Thome sowie Regina Pötke von der Roland-Berger-Stiftung noch einmal auf die Hintergründe und Ziele des Projektes "Lernen vor Ort" ein.

Aufgelockert wurde die Informationsveranstaltung durch den Auftritt von Schülern der Franz-Liszt-Hauptschule, die mit dem Jugendsozialarbeiter Robert Lauxen das Musical "Toms Traum" einstudiert hatten.

Bei so genannten Marktständen konnten sich die Besucher über die Projektschwerpunkte Bildungsmonitoring, Bildungsberatung, Familienbildung, Hochschulkooperation und Übergangsmanagement informieren. Bei Gesprächen wurde deutlich, dass beispielsweise bei der Bildungsberatung eine trägerunabhängige, zentrale Beratung gewünscht werde oder eine flexible Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule in Sachen Familienbildung. Eine Praktika- und Praktikantenbörse wurde bei den Hochschulkooperationen angemahnt.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © fkn

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