Weitere Mieterhöhung unumgänglich

Waldkraiburg - Die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft wird in den nächsten Jahren nicht um weitere Mieterhöhungen herumkommen. Die Gründe liegen auf der Hand.

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Das die Mieterhähungen nicht umgangen werden können stellte Geschäftsführender Vorstand Werner Meisenecker in der Mitgliederversammlung fest. "Wir müssen höhere Erträge erreichen." Große Teile des Wohnungsbestands müssen dringend saniert werden. Das ist mit dem aktuellen Mietniveau nicht zu stemmen.

Meisenecker nahm damit zur jüngsten Mieterhöhung Stellung, die Unmut bei einigen Mietern ausgelöst hatte. In der Mitgliederversammlung wurde Kritik laut, dass die WSGW gleichzeitig zu wenig für die Sanierung des Bestandes tue.

Meisenecker wies das zurück. Zwischen 2006 und 2010 habe die Genossenschaft, die derzeit 1550 Wohnungen vermietet, insgesamt 24 Millionen investiert, davon sechs Millionen Euro in die laufende Instandhaltung. Während die WSGW bei den Erhaltungsinvestitionen in diesem Zeitraum über dem Maximalwert vergleichbarer Genossenschaften liege, sei die durchschnittliche Grundmiete mit 3,55 Euro je Quadratmeter nur knapp über dem Minimalwert. "Da klafft eine eklatante Lücke. Andere Unternehmen haben die Mieten stärker angehoben."

Nach den preisgebundenen Sozialwohnungen, deren Mieten den gesetzlichen Vorschriften entsprechend Anfang 2011 erhöht wurden, hat die Genossenschaft zum 1. November die Mieten der preisfreien Wohnungen erhöht, zwischen 2,75 und 15 Prozent. Für insgesamt 1200 Wohnungen wurden die Tarife angehoben.

Letztmals war dies 2008 geschehen. In sechs Jahren seien die Mieten um maximal 20 Prozent gestiegen. Der Gesetzgeber erlaube einen 20-prozentigen Aufschlag innerhalb von drei Jahren. Elf Mieter hatten laut Meisenecker bei der WSGW gegen die Erhöhung schriftlich oder mündlich Widerspruch eingelegt. Die meisten von ihnen habe man überzeugt, so dass auch sie ihr Einverständnis erklärten.

"Das ist keine Kostenmiete." Die Mieter müssten zur Kenntnis nehmen, dass mit diesen Mieteinnahmen die Häuser nicht erhalten werden könnten, pflichtete Bürgermeister Siegfried Klika bei, der allerdings die "kleine Kritik" anbrachte, dass der Bestand zu sehr in die Jahre gekommen sei und die Sanierung deshalb nicht mehr zu finanzieren ist.

Wie aus dem Abschluss für das Geschäftsjahr 2010 hervorgeht, hat die Genossenschaft im vergangenen Jahr für Modernisierungsmaßnahmen (Böhmerwaldstraße 4 und 6, 8, 10; Franz-Schubert-Straße 12-24) sowie für Instandhaltung zusammen 8,1 Millionen Euro ausgegeben. Dieser Jahreswert sei selbst beim großen Sanierungsprojekt "Südlich der Stadtmitte" nicht erreicht worden, so Meisenecker. In der Tatsache, dass dabei die Ausgaben für Instandhaltungen um über 200.000 gesunken sind, schlägt sich eine Umkehr der Geschäftspolitik nieder. Die WSGW forciere die Modernisierung zugunsten der Instandhaltung, weil das Unternehmen dies als den nachhaltigen Weg sieht, die Wohnungen sich dadurch leichter vermieten lassen.

Das Anlagevermögen ist durch die Modernisierungen um 6,3 Millionen auf 45 Millionen Euro angestiegen, die Bilanzsumme erreichte zum 31. Dezember 47,8 Millionen Euro. Der Bilanzgewinn ist leicht gesunken - auf 83.000 Euro. Das Eigenkapital hat sich gegenüber 2009 um 1,1 Millionen auf zehn Millionen erhöht. Erhöht haben sich wegen der Modernisierung, die zum Teil mit Krediten finanziert werden mussten, auch die Verbindlichkeiten, um drei Millionen auf fast 33 Millionen Euro.

Die Umsatzerlöse sind gesunken, weil keine Grundstücke verkauft wurden. Die Zinsbelastungen sind um 133.000 auf 974.000 Euro angestiegen, wobei durch Umfinanzierungen und Tilgungen ein Rückgang der Zinsen für Kontokorrentkredite erreicht wurde.

Der Jahresabschluss wurde von der Mitgliederversammlung abgesegnet, die Ausschüttung einer Dividende von zwei Prozent beschlossen.

2011 werden laut Meisenecker über vier Millionen Euro investiert, mehr als die Hälfte entfallen auf Modernisierungen in der Böhmerwald- und Franz-Schubert-Straße. Erlöse bringen Grundstücksverkäufe im Grünen Weg, ebenso der Verkauf von unbebauten Grundstücken, die durch den Abriss eines Hauses im Immanuel-Kant-Weg (8 Wohneinheiten) frei wurden.

Der Erlös daraus wird für die Parkplatzgestaltung (Tiefgarage) im Bereich der geplanten Ärztehäuser in der Kirchenstraße/Iglauer Straße gebraucht, so Meisenecker, der betonte, dass der Verkauf von Objekten mit insgesamt 132 Wohneinheiten in der Robert-Bosch-Straße sowie in der Lindenthalstraße/Tropschallee nicht für das Ärztehaus verwendet wird. Dieses Geld werde vielmehr als Eigenkapital für den zweiten Teil der Sanierung in der Schubertstraße benötigt.

Die Sanierung in der Böhmerwaldstraße ist vorübergehend zurückgestellt, weil die Sanierungskosten in den noch ausstehenden Blöcken dem Niveau von Neubauten nahekommen. Dies sei nicht zu verantworten, hieß es. Eine Planung für den Neubau liege auf dem Tisch. Wann sie umgesetzt wird, steht nicht fest. Ebensowenig, ob und welche weiteren Blöcke abgerissen oder nach den bereits beschlossenen Maßnahmen als nächstes modernisiert werden.

Für Unmut hatte in den vergangenen Tagen auch eine Baumfällaktion gesorgt, die mit dem Projekt Ärztehäuser in Verbindung steht. Anlieger beschwerten sich über den "Radikalschlag". Der Eingriff ist wegen der anstehenden Arbeiten aber unumgänglich. Auch nach der Fertigstellung "kommen wieder Grünanlagen", versprach Meisen- ecker.

hg/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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