Garage als Rache für laute Partys?

Waldkraiburg - Eine meterhohe und -breite Garage versperrt den Weinbauers die Sicht in ihrem Garten. Gebaut hat sie der Nachbar der Familie - aus Rache?

Seit über einem Jahr sehen die Weinbauers aus Waldkraiburg nur eine Holzwand vor sich, wenn sie in ihren Garten blicken. Knapp acht Meter lang und schätzungsweise sieben Meter hoch ist der Koloss, der sich bedrohlich auf der anderen Seite des Zauns auftürmt.

"Unser Nachbar hat uns nicht informiert und die Garage einfach hingebaut", berichtet Karin Weinbauer. Einmal habe sie den Mann gefragt, was sie ihm getan habe. "Weil Sie jedes Wochenende laute Partys feiern, habe ich die Garage hingebaut", sei die Antwort gewesen. Eine glatte Lüge, wie die Weinbauers meinen. "Wir haben Kinder, Laute Partys feiern wir hier also nicht."

Das Bauwerk hinterm Zaun werfe einen großen Schatten auf den Garten der Waldkraiburger. "Ab drei Uhr Nachmittags kommt keine Sonne mehr durch. Der Rasen und die Büsche sind schon kaputt", erklärt Peter Weinbauer. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum die Familie die Garage weg haben will. "Wir haben Angst, wenn es stürmt oder wenn wieder Schnee kommt. Außerdem ist es einfach ziemlich beengend." Weiter würde das Grundstück der Weinbauers erheblich an Wert verlieren. Besonders ärgerlich: Die Familie würde gerne verkaufen, zwei Interessenten hätten aber schon wegen dem Koloss auf der anderen Seite abgelehnt.

Die Garage vom Grundstück des Nachbarn aus.

In ihrer Verzweiflung hat sich das Paar auch an die Stadt gewandt. "Das Bauamt sagt, es ist alles rechtens. Wir können also nichts machen." Würden die Weinbauers klagen, müssten sie die Kosten selbst tragen, denn ihr Rechtsschutz greift nicht. "Die Garage ist auch ein Stück in unser Grundstück hineingebaut, aber um das zu beweisen, müsste das Vermessungsamt kommen und das kostet rund 800 Euro", klagt Peter Weinbauer. Alle Versuche, mit ihrem Nachbarn zu reden wären gescheitert. "Er lässt uns im Regen stehen."

"Ich habe die Garage schon länger geplant", meint der Nachbar, der anonym bleiben möchte, im Gegenzug. "Der Platz war einfach am günstigsten und es ist ein genehmigunsfreier Bau." Dass Familie Weinbauer oft laute Partys gefeiert hätte, sei wahr. "Es ist nicht der Grund für den Bau, aber es ist ein positiver Nebeneffekt, dass ich es jetzt ruhiger habe."

Einen Kompromiss kann sich der Waldkraiburger nicht vorstellen. "Ich habe eine Garage gebraucht und ich sehe keine Notwendigkeit, sie abzureißen oder woanders hinzubauen."

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

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