Wegweiser für Familienforscher

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Reinhard Riepl geht nichts über die Familienforschung. Mit seinem Wörterbuch, das jetzt in dritter Auflage erschien, macht das gleich noch mehr Spaß.

Waldkraiburg - "Solarium", das bezeichnet in alten Texten und Urkunden kein Sonnenstudio, sondern einen Bodenzins, also eine Abgabe.

So wie bei diesem Begriff kann der Ahnen- und Familienforscher bei Recherchen in Quellen und Archiven bei tausenden anderer Wörtern überfordert sein.

Damit das nicht passiert, gibt es das Wörterbuch des Waldkraiburgers Reinhard Riepl.

"Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Bayern und Österreich" - so lautet ganz exakt der Titel des 490 starken Werks, das der leidenschaftliche Familienforscher aus dem Föhrenwinkel jetzt bereits in dritter und stark erweiterter Auflage herausbringt. Der 64-jährige Wirtschaftsingenieur und Psychologe hat keine einschlägige Ausbildung als Historiker oder Archivar. "Ich hab mir alles selber hobbymäßig angeeignet", sagt er. Ein harter Weg, den Reinhard Riepl da seit Anfang der 90er-Jahre zurücklegte. Und weil er weiß, wie es gerade neuen und unerfahrenen Ahnen- und Familienforschern geht, hat er 2003 im Selbstverlag erstmals ein dickes Wörterbuch herausgebracht. Darin ist das Spezialwissen aus den verschiedensten Bereichen zusammengefüht, das jeder, der die Geschichte seiner Vorfahren oder Heimat erforschen will, braucht. Einträge in Latein geben Rätsel auf. Alte Berufe sind längst ausgestorben, Bezeichnungen für Krankheiten, Geräte, für handwerkliche und bäuerliche Tätigkeiten, alte Maße, Gewichte und Münzen oder Datumsangaben nicht mehr gebräuchlich.

Der große Aufschwung der Ahnenforschung hat dafür gesorgt, das nicht nur die 1., sondern bald auch die 2. Auflage vergriffen waren, alles in allem 3000 Stück. Aus der Schweiz, aus Holland, ja sogar Australien und USA kamen Anfragen. Und nicht nur Privatleute haben das Wörterbuch erworben. Es steht laut Riepl auch in zahlreichen Archiven und Bibliotheken in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich. Für die 3. Auflage, tausend Stück, gibt es schon viele Vorbestellungen. Ganz neu hat Riepl das Wörterbuch bearbeitet, das auch im örtlichen Buchhandel erhältlich ist. Durch die ersten beiden Auflagen kamen viele Kontakte zu anderen Forschern zustande, die dem Waldkraiburger weitere Anregungen und Hinweise aus der Praxis gaben, neue Fragen aufwarfen.

Sie sind in das neue Wörterbuch eingeflossen, das auf weit über 20000 Stichwörter anwuchs, darunter 3200 früher oft gebrauchte lateinische Ausdrücke, über 3700 Berufsbezeichnungen. Ganz neu hat Riepl die Salzmaße aufgenommen, die - das nur am Rande - im Mittelalter selbst zwischen Berchtesgaden und Bad Reichenhall nicht identisch waren. Erstmals findet sich auch eine Liste von Zeichen und Symbolen in dem Wörterbuch. Seit Mitte der 90er-Jahre habe er an dem Buch gearbeitet, erzählt der passionierte Familienforscher, und bis heute viel Zeit dafür aufgewendet. "Wenn ich das auf den Stundenlohn umrechne, landen wir im Centbereich", lacht er.

hg/Mühldorfer Anzeiger 

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