"Es wartet viel Arbeit auf uns"

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Rozemary Katabarula, Pfarrer Daniel Sailowa und Dickson Kimaro (von links) arbeiten auch in Waldkraiburg im Wohnzimmer von Elsbeth Grytzyk an Projekten in ihrer Heimat.

Waldkraiburg - "In Kongwa sind die Menschen sehr arm, die Ressourcen sind begrenzt", erklärt Dickson Kimaro aus Waldkraiburgs Partnergemeinde in Tansania.

Die tansanische Gemeinde lebt von der Landwirtschaft und arbeitet auf den Feldern mit den Händen, weil Geräte fehlen. Der kaufmännische Leiter des Krankenhauses in Kongwa ist zusammen mit weiteren Vertretern der tansanischen Partnergemeinde zu Besuch in Waldkraiburg.

Waldkraiburg - Seit nunmehr 20 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Kongwa in Tansania und der evangelischen Gemeinde in Waldkraiburg. Aus diesem Anlass besuchten in den vergangen Wochen Pfarrer Daniel Sailowa, Dickson Kimaro, der kaufmännische Leiter des staatlichen Krankenhauses in Kongwa sowie die Leiterin der Frauenarbeit, Rozemary Katabarula, Waldkraiburg. Bevor sie wieder in die Heimat aufbrechen, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen über die Partnerschaft und ihren Besuch in Bayern.

Dickson Kimaro berichtet vom Alltag in Tansania. Die Gemeinde lebe von der Landwirtschaft, stöße dabei jedoch immer wieder an ihre Grenzen. Mangelhafte Arbeitsgeräte sind dabei nur ein Problem. "Wir arbeiten auf dem Feld mit den Händen, weil niemand große Maschinen hat", so Kimaro. Das drängendste Problem jedoch ist die lange Trockenzeit. Kongwa liegt im Zentrum von Tansania, keine hundert Kilometer von der Hauptstadt Dodoma entfernt. Die kurze Regenzeit von drei bis vier Monaten im Jahr bildet die allzu karge Lebensgrundlage der Menschen in Kongwa. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist daher ein wichtiger Baustein der Hilfsarbeit der evangelischen Gemeinde in Waldkraiburg.

"In der Mittagspause dürfen die Kinder nach Hause gehen, um etwas zu essen", berichtet Dickson Kimaro. "Doch die meisten bleiben in der Nähe der Schule, weil es zu Hause nichts gibt." In den härtesten Wochen der Trockenzeit wird die staatliche Schule mit Lebensmitteln unterstützt. Im evangelischen Kindergarten, der die Kinder bereits in die wichtigen Schulfächer Lesen, Schreiben, Rechnen und Englisch einführt, gibt es das ganze Jahr über eine Mahlzeit am Tag.

In der Schule in Kongwa wurde Dank der Partnerschaft mit Waldkraiburg in den vergangenen Jahren viel bewegt. Neben einem Zaun, einem Büro für die Lehrer und sogar einem kleinen Computerraum freuten sich die Schüler über Tische und Stühle. "Früher saßen in der Schule in Kongwa alle auf dem Boden und mussten in der Luft schreiben, aber heute nicht mehr", freut sich Dickson Kimaro. Es ist das vermeintlich Selbstverständliche, woran es in Kongwa mangelt, sei es eine Schulbank, eine Mahlzeit pro Tag oder auch nur Wasser.

Der Besuch in Waldkraiburg war für die drei Tansaner daher eine Reise in eine fremde Welt voller Wohlstand und Überfluss. Selbst der Gang zum Bäcker wird da zum Erlebnis. Pfarrer Daniel Sailowa gerät beim Gedanken an deutsches Essen ins Schwärmen: "Das deutsches Essen ist wirklich sehr gut. Wir essen alles gerne."

Wichtiger war es jedoch, den Gästen aus Afrika Land und Leute zu zeigen. "Wir haben das Gymnasium in Waldkraiburg besucht und den Bürgermeister getroffen", erzählt Daniel Sailowa. In der Graslitzer-Grundschule durften sie sich über eine Tanzeinlage der Kinder und etwa eine Schulspende von 1000 Euro freuen.

Auf dem Jubiläumsfest der Partnerschaft bekamen sie von den Stoabachern aus Aschau bayerische Tänze vorgeführt. "Sie tanzten in Tracht, das war wirklich toll", berichtet Kimaro begeistert.

Neben diesen vorab geplanten Programmpunkten waren die Tansaner auf vielen Ausflügen. "Die Resonanz war sehr gut, ständig wollte jemand etwas mit ihnen unternehmen", lobt Elsbeth Grytzyk, Partnerschaftsbeauftragte der Gemeinde, die Waldkraiburger. Ein Ausflug auf das schneebedeckte Kitzsteinhorn war dabei im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt ihres Aufenthalts. "Es ist ein wundervolles Gefühl, in den Bergen zu sein", schwärmt Daniel Sailowa. Dabei begeistere ihn vor allem, Schnee zu sehen und anzufassen. "Wir vergleichen Schnee mit Eiscreme im Kühlschrank", scherzt der Geistliche.

Ob sie sich trotz aller Begeisterung für Deutschland auf die Rückkehr in die Heimat freuen, steht für die Tansaner außer Frage. "Natürlich!". Dickson Kimaro ist ohnehin schon längst in Gedanken bei den Projekten, die er in Kongwa angehen möchte. "Die vielen Wälder und die sauberen Städte in Bayern sind toll. Die Fragen lauten also: Wie bringen wir die Menschen dazu, Bäume zu pflanzen, und wie halten wir die Gemeinde sauber?" Sauberkeit beugt vielen Infektionskrankheiten vor und Bäume sind wichtige Wasserspeicher und Schattenspender, was sie unerlässlich im Kampf gegen die Trockenheit macht. Daher steht das Baumprojekt auch bei der evangelischen Gemeinde in Waldkraiburg ganz oben auf der Agenda.

Alle bisherigen Bemühungen Bäume anzupflanzen, waren allerdings gescheitert, weil hungriges Vieh die jungen Bäume binnen kürzester Zeit kahl gefressen hatten. Die Menschen in Kongwa haben deshalb in Eigenregie erst einmal begonnen, ein größeres Gebiet einzuzäunen. Vor dem Baumprojekt kommt also das Zaunprojekt. Später soll sogar ein Damm gebaut werden, um überschüssiges Regenwasser für Trockenzeit zurückzuhalten.

Auch wenn die Fortschritte noch so mühsam erscheinen, verlassen die Gäste aus Tansania Waldkraiburg voller Tatendrang, allen voran Dickson Kimaro: "Es wartet viel Arbeit auf uns."

bla/Waldkraiburger Nachrichten

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