Moschee: Stadt stellt Bebauungsplan auf

Waldkraiburg - So viele Zuhörer waren selten in einer Ausschuss-Sitzung. Vertreter der islamischen Gemeinden und weitere Interessierte hatte vor allem ein Thema ins Rathaus geführt:

Mehrere Vertreter der islamischen Gemeinden und weitere interessierte Bürger hatte vor allem ein Tagesordnungspunkt ins Rathaus geführt: der geplante Neubau einer Moschee mit Gemeindezentrum auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Haldenwanger. Dazu stellte Bürgermeister Siegfried Klika in der öffentlichen Sitzung fest, dass die Stadt einen Bebauungsplan für das Gebiet aufstellen werde, "um die Entwicklung in der Hand zu behalten" und festzulegen, was sie auf dem Areal zulässt.

In nichtöffentlicher Sitzung war zuvor das Vorhaben mit Vertretern der Gemeinde und der Dachorganisation Ditib über Inhalte der Planung diskutiert worden. Der Bürgermeister sprach im Anschluss von einer "offenen und intensiven Diskussion". In den Stadtratsfraktionen wird das Thema nun intensiv weiter behandelt, hieß es.

Nach Angaben ihres Vorsitzenden Gökay Tastan will die islamische Gemeinde, für die die Räume in ihrer Moschee in der Reichenberger Straße gegenüber der Firma Renolit seit längerem nicht mehr ausreichen, eine neue Moschee mit Kuppel und vier Minaretten für 600 Gläubige errichten (wir berichteten). Dazu ist ein etwa 1600 Quadratmeter großes Gemeindezentrum geplant, mit Räumen für Integrations- und Deutschkurse, Nachhilfe und kulturelle Schulungen sowie einem Saal, einer Cafeteria und Büros.

Wie der Bürgermeister auf Anfrage mitteilt, gibt es bei der Stadt unverändert Bedenken wegen der Dimension des Gemeindezentrums. Klika hält die geplante Größe für überzogen. Dass die islamische Gemeinde so wie alle religiösen Gemeinschaften neben ihren Gebetsräumen Gemeinderäume braucht, sei aber nicht umstritten, stellt er klar.

Das ehemalige Betriebsgelände der Firma Haldenwanger, ein 7300 Quadratmeter großes Grundstück, hält Klika für den richtigen Standort, für eine Wohnbebauung sei es wegen eingeschränkter Nutzung durch das Bahngleis, das Transformatorenhaus und die Hochgarage der Firma Peters nur bedingt geeignet.

Die Stadt trage das Anliegen der islamischen Gemeinde mit, neue repräsentativere Räume zu bauen, so der Bürgermeister. Schon in den vergangenen Jahren habe man deren Bemühungen um eine Moschee unterstützt, etwa auf dem ehemaligen Gelände von Moser & Göttlicher an der Daimlerstraße. Damals hatte die Stadt allerdings Kuppel und Minarette ausgeschlossen. Dazu sei der Meinungsbildungsprozess beim neuen Projekt nicht abgeschlossen, so Klika. Die islamische Gemeinde müsse aber wissen, dass es da um ein sensibles Thema geht.

Die islamische Gemeinde hofft, die vorgelegten Pläne realisieren zu können. Ihr Vorsitzender Tastan bewertet die Diskussion im Ausschuss sehr positiv. Er sei dankbar, dass die Gemeindevertreter die Möglichkeit hatten, im Ausschuss ausführlich ihr Vorhaben vorzustellen und zu begründen, so Tastan. Aus Gestaltungsgründen sprechen sich die Muslime für die Minarette aus, die gewissermaßen Erkennungsmerkmale einer Moschee seien. Tastan verweist auf Neubauten im Münchener Raum, die ebenfalls mit Minaretten verwirklicht wurden.

Die Dimension des Kulturzentrums begründet er unter anderem damit, dass in und um Waldkraiburg rund 1600 Türken leben und es einen eigenen Saal zum Beispiel für die Mahlzeiten zum Fastenbrechen brauche.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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