Stadt bietet Mittelschul-Gebäude an

Waldkraiburg - Die Stadt Waldkraiburg unterbreitet im Bieterverfahren für eine neue Realschule dem Landkreis einen eigenen Vorschlag:

Die Liszt-Mittelschule soll stufenweise über mehrere Jahre mit der Mittelschule an der Dieselstraße zusammengelegt und in dem freien Schulgebäude bei Bedarf Zug um Zug eine neue dreizügige Realschule in Waldkraiburg aufgebaut werden. Mit klarer Mehrheit hat der Stadtrat das Vorgehen gebilligt.

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Für die Waldkraiburger Variante spricht aus Sicht der Stadt die Tatsache, dass anders als bei einer Neubaulösung die ersten Klassenräume bereits ab dem neuen Schuljahr zur Verfügung gestellt werden können. Zudem sei diese Variante kostengünstiger. Im Falle eines Neubaus müsste die Stadt als größter Kreisumlagenzahler den mit Abstand größten Anteil der Investition tragen. Von mindestens vier Millionen Euro geht Bürgermeister Siegfried Klika aus. Mehrfach hatte er bereits im Vorfeld der Sitzung erklärt: "Das kann Waldkraiburg nicht stemmen." Der ohnehin beengte finanzielle Spielraum der Stadt werde noch einmal dramatisch eingeschränkt.

Gleichzeitig wird die Realschule Waldkraiburg laut dem Schulgutachten, das der Landkreis in Auftrag gegeben hatte, durch einen Neubau in erheblichem Umfang Gastschüler verlieren. Die Realschule Waldkraiburg wäre dann nicht mehr ausgelastet, so die Befürchtung.

Der Vorschlag, den die Stadt deshalb unterbreitet, sieht vor dem Hintergrund des erwarteten Schülerrückgangs vor, Räume in der Liszt-Mittelschule stufenweise für Realschulklassen frei zu machen, die Mittelschule Zug um Zug in der zweiten Waldkraiburger Mittelschule in der Dieselstraße integrieren und das freie Schulhaus dem Landkreis anzubieten, um dort bei Bedarf eine zweite eigenständige Realschule in Waldkraiburg aufzubauen.

Das Schulgebäude ist verkehrstechnisch sehr gut angebunden, ein Großteil der notwendigen Infrastruktur, Turnhalle, Außensportanlagen und Räume für Mittagsverpflegung und Ganztagsbetreuung, sind vorhanden, so Stefan Süße von der Stadtverwaltung, der das Konzept in der öffentlichen Sitzung skizzierte. Ein Aufzug müsste allerdings eingebaut werden, auch der Raumzuschnitt einiger Räume durch Umbauten verändert werden. Bereits vorhandene Raumkapazitäten im Umfeld könnten bei überplanmäßigem Raumbedarf genutzt werden, auf dem Grundstück sei zudem eine Erweiterung möglich.

Das Schulgebäude will die Stadt dem Landkreis alternativ über Erbbauzins mit einer einmaligen Ablöse für Gebäude und Inventar in Höhe von 2,15 Millionen Euro überlassen oder an den Landkreis vermieten. Die Höhe der jährlichen Miete hängt davon ab, wer die Kosten für eine Teilsanierung oder Generalsanierung des Gebäudes trägt, das Anfang der 1970er-Jahre errichtet wurde. Die Miete liegt nach dem Finanzierungsvorschlag der Stadt bei 141.000 Euro, wenn der Landkreis alle Sanierungskosten trägt, bei 424.000 Euro, wenn die Stadt das Gebäude mit einer Teilsanierung energetisch auf modernen Standard bringt, und bei 566.000 Euro, wenn die Stadt die Generalsanierung komplett trägt. Entsprechend rechnet die Stadt in ihren Modellen mit einem Erbbauzins zwischen 30.000 und 49.000 Euro.

Die öffentliche Sitzung begann mit Verspätung. In zweistündiger nichtöffentlicher Sitzung hatten die Stadträte kontrovers diskutiert, unter anderem auch über die Frage, ob die Zusammenlegung der beiden Mittelschule machbar ist.

Die Stadtverwaltung hält das mit Verweis auf zukünftig weiter sinkende Schülerzahlen stufenweise für möglich. Sie rechnet dabei mit 25 Schülern in den Regelklassen, einer deutlich höheren Klassenstärke als bislang und ohne die raumintensive Ganztagsintensivklasse und will gegebenfalls auch auf Übergangslösungen mit Containern und der Auslagerung von Mittelschulklassen in die ehemaligen Teilhauptschul-Standorte zurückgreifen.

Dagegen hatte Klaus Neßler, Leiter der Liszt-Mitelschule, zuletzt auch in einem Informationsgespräch mit Stadträten, ausgeschlossen, dass die Rechnung der Stadt aufgeht. Strittig ist vor allem die Interpretation der prognostizierten Zahlen für 2025/26. Während Neßler vom höchsten Erwartungswert der Gutachter ausgeht (651), rechnet die Stadt mit 200 Mittelschülern weniger und verweist ebenso auf das Prognose der Experten.

Mit den Gutachtern werde zu klären sein, "welche der Zahlen denn jetzt gelten", so Bürgermeister Klika.

Die Mittelschule an der Dieselstraße sei für eine Zusammenlegung zu klein, sagt Neßler. Der Raumbedarf, insbesondere durch den Ausbau der Ganztagesklassen könne in der bestehenden Schule nicht gedeckt werden. Der Schulleiter warnt vor negativen Auswirkungen für den Unterricht und das soziale Miteinander an der Schule.

Ähnlich äußert sich Birgit Huber-Heinrich, Leiterin der Diesel-Mittelschule. Sie sei aus pädagogischen Gründen "nicht glücklich" über den Vorschlag, sagt sie auf Anfrage der Zeitung. Die Ganztagesangebote, die "wir weiter ausbauen sollen, wären im Moment nicht möglich". Auch bei einem Stufenmodell "müsste die Stadt zusätzliche Räume im Bereich der bestehenden Schule durch Baumaßnahmen zur Verfügung stellen".

Auf diese zusätzlichen Kosten, etwa auch durch eine Turnhallenerweiterung und Ergänzung der Infrastruktur unter anderem für Mittagsverpflegung und Nachmittagsbetreuung, hatte ebenso Rektor Neßler hingewiesen.

Mit klarer Mehrheit entschied sich der Stadtrat aber dafür, das Angebot an den Landkreis aufrechtzuerhalten. Voraussetzung dafür ist die Einholung einer schriftlichen Stellungnahme von der Leitung der Realschule Waldkraiburg.

Gleichzeitig wird die Leitung der Realschule Waldkraiburg, die im Frühjahr angebotene Klassenräume abgelehnt hatte, zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. Bislang habe sich die Schulleitung in der Frage, ob eine dritte Realschule erforderlich ist, nicht öffentlich positioniert, hieß es. In der Stellungnahme soll die Schule erklären, ob sie in den nächsten fünf Jahren den Schulbetrieb am bestehenden Standort ohne Neubau sicherstellen kann. Fällt diese Stellungnahme positiv aus, zieht die Stadt ihren Vorschlag zurück.

Mit klarer Mehrheit billigte der Stadtrat dieses Vorgehen. Alexandra Reisegast und Susanne Engelmann stimmten dagegen. Sie stehe zwar hinter dem Alternativkonzept, so Engelmann, wolle aber nicht vor Eingang der Stellungnahme abstimmen.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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