Sperrung weiter in der Diskussion

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Dieses Schild sorgt für kontroverse Diskussionen in der Stadt. Foto archiv/hg

Waldkraiburg - Die Sperrung des Steinbrunner Berges durch die Stadt erhitzt die Gemüter. Bürger haben eine Unterschriftenaktion gestartet. Auch der Stadtrat diskutiert heftig.

Und auch im Stadtrat führte das Thema zu einer kontroversen Diskussion. Dabei wurde klar: Eine Öffnung in diesem Winter kommt aus Sicherheitsgründen nicht infrage. Anfang des neuen Jahres soll laut Bürgermeister Siegfried Klika ein Vorschlag für die Stabilisierung des Hangs auf dem Tisch liegen.

Seit 26. November ist die Straße am Steinbrunner Berg komplett gesperrt. Und Bürgermeister Siegfried Klika (CSU) machte im Stadtrat deutlich, dass sich trotz Protesten von Bürgern daran im Winter aus Sicherheitsgründen nichts ändern wird. "Es bleibt wie es ist." Er verwies einmal mehr auf ein Gutachten, in dem festgestellt wird, dass ein Standsicherheitsnachweis für den Hang nicht möglich sei. Die Sicherheit der Bürger gehe vor. Er trage als Bürgermeister die Verantwortung. "Seit Bad Reichenhall ticken die Uhren anders", sagte er in Anspielung auf den Einsturz der dortigen Eishalle vor einigen Jahren. "Da können sie 10000 Unterschriften sammeln."

Die Stadt will den Hang nach seinen Worten weiter beobachten, auch eine Untersuchung des Bereichs zwischen der Straße und dem Innkanal sei noch erforderlich.

Gegen die Unterschriftenaktion habe er nichts einzuwenden, so Klika. Verärgert ist der Bürgermeister allerdings darüber, dass einer der Mitinitiatoren der ehemalige CSU-Stadtrat Ernst Auer ist. Als die Straße in den 80er-Jahren verbreitert und damit die Neigung des Hangs verändert wurde, habe Auer damals mit dem zuständigen Gremium gegen eine Stützmauer gestimmt. Statt einer Mauer wurde ein Maschendrahtzaun angebracht. "Das müssen wir heute ausbaden."

SPD-Fraktionssprecherin Susanne Engelmann, die ebenfalls zu den Initiatoren zählt, verteidigte die Unterschriftenaktion. Mit der Sperrung des Berges schneide man den Bürgern aus Niederndorf und St. Erasmus diese Zufahrt zur Stadt ab. Das viel zitierte Gutachten stammt aus dem Oktober 2010. "Man hätte seit zwei Jahren Zeit gehabt, den Hang zu beobachten", so Engelmann. Die Leute verstehen nicht, warum der Berg jetzt gesperrt werde.

Sie forderte, die Handlungsempfehlungen des Gutachtens in Angriff zu nehmen, "nicht im Winter, aber möglichst bald". Engelmann: "Wir werden es doch in Gottes Namen schaffen, dass wir diesen Berg sichern."

Und die Stadträtin warf eine andere Haftungsfrage bezüglich des Geh- und Radweges auf, der nicht weit vom Steinbrunner Berg von der Stadt ins Inntal führt: "Was passiert, wenn sich Schüler im Winter dort verletzen?" Wie Gerhard Oswald von der Stadtverwaltung ausführte, ist der Weg nach Ansicht der Stadtwerke zu steil, um ihn winterfest und wirklich sicher zu machen. Die Schüler müssen also den Umweg über den Fuß- und Radweg an der Staatstraße nach Pürten nehmen oder mit dem Schulbus fahren. Weil es sich um einen gefährlichen Schulweg handelt, haben die Schüler ein Anrecht darauf, auch wenn sie weniger als drei Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Darauf machte Zweiter Bürgermeister Harald Jungbauer (CSU) aufmerksam.

Auch Verkehrsreferent Rainer Zwislsperger (CSU) verteidigte die Sperrung. Die Verkehrsschau im Oktober habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Sie sei aber begründet: "Kies kommt runter und an einigen Bäumen hängen schon Wurzeln frei." Zwislsperger: "Wir wollen schauen, was der Hang macht, wenn kein Fahrzeug mehr fährt." Sollte sich der Hang stabilisieren, ist für Zwislsperger eine Öffnung für Fußgänger und Radfahrer denkbar.

Klika sagte zu, Anfang nächsten Jahres bei den Haushaltsplanungen einen Vorschlag für den Steinbrunner Berg einzubringen.

Zweites Gutachten seit März 2012

Die Vorbereitungen dafür laufen, bestätigte gestern auf Anfrage Bernd Schott von der Stadtwerken, der für die Planung zuständig ist. "Die Stadt sei nicht untätig gewesen." Er berichtet von einem zweiten Gutachten zur Hangstabilisierung, von dem in der Stadtratssitzung selbst nicht die Rede war. Auch Susanne Engelmann ist davon nichts bekannt, wie sie auf Anfrage mitteilte. Das Gutachten, mit dem die Stadt einen zweiten Geologen beauftragt hatte, liegt seit März 2012 vor. Laut Schott wurden darin Sanierungsvarianten untersucht, der Hang statisch bemessen und ein digitales Geländemodell erstellt. Weitere Untersuchungen, insbesondere für den Bereich zwischen Straße und Kanal, seien erforderlich.

Erschwert wird die Situation auch dadurch, dass der Hang nicht in städtischem Eigentum, sondern Privatbesitz ist.

Das Gutachten von 2010, das der Redaktion vorliegt, enthält keine Empfehlung, den Steinbrunner Berg zu sperren. Die Entscheidung für die Sperrung sei aber nach weiteren Rutschungen und aufgrund der zweiten Untersuchung im Gespräch mit dem Gutachter erfolgt, sagt Schott.

An einem Konzept zur Hangsicherung und einer Kostenschätzung wird gearbeitet. Die Summe von 100000 Euro, die bereits kursiert, weil sie im ersten Gutachten genannt wird, werde für eine Sicherungsmaßnahme aber voraussichtlich nicht reichen.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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