Ein Gebot der Menschlichkeit

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Waldkraiburgs Bürgermeister Siegfried Klika (2. v. rechts) wünscht sich bei der Betreuung der Asylbewerber die Unterstützung der Regierung von Oberbayern.
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Waldkraiburg - Aufgrund steigender Flüchtlingszahlen soll in Waldkraiburg eine Unterkunft für 70 bis 80 Asylbewerber entstehen.

In den Räumlichkeiten des Altenheims Berliner Bär in der Siemensstraße soll eine Gemeinschaftsunterkunft für 70 bis 80 Asylbewerber entstehen. Dies erklärten Vertreter von Stadt, Landkreis und der Regierung von Oberbayern am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz. Schon am Dienstagnachmittag werden zwei Familien aus Tschetschenien ihr Quartier im Berliner Bär beziehen. Ursprünglich war das Berufsförderungszentrum Peters (BFZ) als Unterkunft im Gespräch.

58 Asylbewerber aktuell in Mühldorf untergebracht

Für die stellvertretende Landrätin Eva Köhr (rechts) ist die Aufnahme von Flüchtlingen "ein Gebot der Menschlichkeit".

"Es ist für uns alle ein Gebot der Menschlichkeit, schuldlos in Not Geratenen eine menschenwürdige Unterkunft zur Verfügung zu stellen", erklärte die stellvertretende Landrätin Eva Köhr. In Mühldorf gibt es bereits seit Ende 2011 eine Heim für Asylbewerber, in dem derzeit 58 Menschen leben. Außerdem beherbergt das Berufsbildungswerk Waldwinkel 22 sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Den Bedarf können diese beiden Unterkünfte jedoch bei weitem nicht decken, wie Maria Els, Vizepräsidentin der Regierung von Oberbayern, mit aktuelle Zahlen belegte.

Bis zu 100.000 Asylbewerber in Deutschland erwartet

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In der gesamten Bundesrepublik werden 80.000 bis 100.000 Asylbewerber erwartet. Alleine für Oberbayern beziffert Els die Unterbringungsverpflichtung auf 350 bis 430 Asylbewerber - pro Monat. Weil die Asylbewerber auf die verschiedenen Landkreise des Regierungsbezirks verteilt werden sollen, kommt auf den Landkreis Mühldorf aktuell eine Unterbringungspflicht für 133 Menschen zu.

Flüchtlingszahlen steigen stetig

Els rechnet jedoch damit, dass bis zum Jahresende 180 bis 200 Asylbewerber im Landkreis untergebracht werden müssen, weil die Zahl der Flüchtlinge stetig steigt. Aktuell beträgt die Steigerung der Zugangszahlen im Vergleich zum Vorjahr 60 Prozent. 2012 hatte die Steigerung bereits bei 40 Prozent gelegen.

Altenpflegeheim wird zur Asylbewerberunterkunft

Das Altenpflegeheim Berliner Bär soll zur Asylbewerberunterkunft umgebaut werden.

Ein großer Teil der Asylbewerber im Landkreis soll in Waldkraiburg ein Zuhause finden, einer Stadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer Siedlung Heimatvertriebener entstanden ist. In Waldkraiburg hatte es bis 2003 schon einmal Heim für Asylbewerber gegeben. Die neue Unterkunft soll in den Räumlichkeiten des Altenpflegeheims Berliner Bär entstehen. Derzeit wohnen dort noch zehn Senioren, die demnächst in das Pflegeheim Bayerischer Hof umziehen werden - der Mietvertrag des Altenpflegeheims Berliner Bär läuft zum 30. Juni aus.

Baugenehmigungsverfahren läuft noch

Bevor jedoch Dutzende Asylbewerber die Unterkunft beziehen können, ist eine Nutzungsänderung nötig. Das entsprechende Baugenehmigungsverfahren läuft bereits. Dort werden unter anderen Fragen der Belegungszahlen und des Brandschutzes geklärt. Wahrscheinlich sind einige Umbaumaßnahmen nötig.

Ein Mietvertrag für die Asylbewerberunterkunft wird nach Angaben der Regierungsvizepräsidentin Els in Kürze geschlossen. Zwei Familien aus Tschetschenien (insgesamt zwölf Menschen) werden dennoch schon am Dienstag nach Waldkraiburg kommen. Sie beziehen vorerst von der Unterkunft der Senioren abgetrennte Hausmeisterwohnungen im Berliner Bär.

"Erfahrungen nicht gerade positiv"

"Einen Jubelschrei werden sie von mir sicherlich nicht hören", sagte Waldkraiburgs Bürgermeister Siegfried Klika. Bis 2003 habe man in der Stadt schon ein Asylantenheim gehabt. "Die Erfahrungen waren nicht gerade positiv." Klika wünscht sich eine umfassende Betreuung der Asylbewerber durch die Regierung, insbesondere im Bereich der Sprachförderung. "Wir haben uns 2003 nicht voll unterstützt gesehen", so der Bürgermeister. Zudem sei der Widerstand in der Bevölkerung "sehr intensiv" gewesen.

Perspektive für "leistungsbereite junge Menschen"

Doch auch an die Asylbewerber richtet Klika Erwartungen. "Wir müssen ein Instrumentarium finden, wie man mit Menschen umgeht, die sich in die Gemeinde nicht einfügen." Konkret forderte Klika, "Sanktionen" in Erwägung zu ziehen. Für "leistungsbereite junge Menschen" hingegen, die als Asylbewerber nach Deutschland kommen, wünscht sich Klika eine berufliche Perspektive. Laut Regierungsvizepräsidentin Maria Els arbeite man bereits an einem Konzept für Deutschkurse. Im Idealfall profitieren davon schon die beiden Familien aus Tschetschenien, und das, noch bevor das neue Schuljahr beginnt.

Die Pressekonferenz zum Asylbewerberheim

Klika sieht andere Kommunen in der Verantwortung

Klika sieht zudem "eine Reihe anderer Städte, die in die Verantwortung gehen müssen". Regierungsdirektorin Claudia Holzner erklärte, man sei bereits in Gesprächen mit verschiedenen Kommunen. "Konkret haben wir mit mehreren Bürgermeistern schon Objekte im Auge", so Holzner.

Polizei Mühldorf: "Delikte im normalen Bereich"

Befürchtungen, Asylbewerber könnten die Kriminalitätsrate erhöhen, zerstreute Robert Anderl von der Polizeiinspektion Mühldorf. Seit Oktober 2011 leben 28 Einzelpersonen in der Gemeinschaftsunterkunft in Mühldorf, die Hälfte davon in Familien. Bis heute hat die Mühldorfer Polizei "20 Vorgänge" registriert, wie Anderl erklärte. Darunter befanden sich ausschließlich "Delikte im normalen Bereich". Alles in allem seien keine Auffälligkeiten im Bereich der Gemeinschaftsunterkunft festzustellen.

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