Die Vor- und Nachteile der Rauchmelder

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Waldkraiburg - Rauchmelder sind nun auch in Bayern Pflicht. Für die Waldkraiburger Feuerwehr eine überfällige Entscheidung. Aber: Jetzt werden Fehlalarme zum Problem!

Rauchmelder - seit Anfang des Jahres sind sie in jeder Neubauwohnung gesetzlich vorgeschrieben, bis Ende 2017 müssen auch Bestandswohnungen nachgerüstet sein. Als eines der letzten Bundesländer hat Bayern die Rauchwarnmelderpflicht gesetzlich eingeführt. Aus Sicht von Bernhard Vietze, Kommandant der Waldkraiburger Feuerwehr, und seinem Stellvertreter Wolfgang Klein war dieser Schritt notwendig und überfällig. Schon vor zehn Jahren haben sie selbst ihre Wohnräume mit Rauchmeldern ausgestattet; wie viele andere Feuerwehrleute damals bei einer großen Sammelbestellungsaktion der Feuerwehren mit der Versicherungskammer. In den Schlafräumen und Kinderzimmern sowie im Treppenhaus und den Fluren, die zu Aufenthaltsräumen führen, hängen bei Klein Rauchmelder an der Decke. Neben dem Treppenhaus hat Vietze sie auch "in neuralgischen Bereichen" wie am Fernseher oder in der Nähe der Küche montiert.

Einfache Rauchmelder, deren Batterien gewechselt werden müssen, gibt es schon für wenige Euro, Geräte mit fest eingebauter Langzeitbatterie, die nach zehn Jahren komplett ausgetauscht werden müssen, kosten ab etwa 15 Euro. Dieses Geld ist eine Investition in die Sicherheit. Denn Brandfrüherkennung ist deshalb so wichtig, weil der Geruchssinn des Menchen im Schlaf nicht aktiv ist, wie Klein sagt. In Deutschland koste es jährlich mehrere hundert Menschen das Leben, dass sie einen Brand nicht rechtzeitig mitbekommen.

Während die Rauchmelder in privaten Wohnungen in manchen Fällen den Effekt haben, dass die Feuerwehr erst gar nicht gerufen wird, weil die durch die Anlagen alarmierten Bewohner das Problem selbst lösen, sorgen die Brandmeldeanlagen in öffentlichen und sozialen Einrichtungen in Verbindung mit der Alarmierung über die Integrierte Leitstelle (ILS) für eine Mehrbelastung der Feuerwehren. In Waldkriaburg ist die Zahl der Fehlalarme, die zum Ausrücken führen, in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen. 14 waren es laut Feuerwehrstatistik im Jahr 2006, 23 im Jahr 2009. 2011 stieg diese Zahl schon auf 37. Und 2012 rückte die Wehr zu drei Großbränden und drei Mittelbränden aus, aber zu 45 Fehlalarmen. Fast jeder sechste Einsatz, den die Jahresstatistik für 2012 (ingesamt 292) auflistet, geht also auf einen Fehlalarm wegen eines Irrtums oder technischen Defekts zurück.

In Schulen, Altenheimen, Krankenhäusern und weiteren öffentlichen Gebäuden sind die Brandmeldeanlagen, die direkt mit der Integrierten Leitstelle verbunden sind, vorgeschrieben, ebenso in Firmen, die der Störfallverordnung unterliegen. Weil Versicherungen es zunehmend fordern, kommen immer mehr Brandmeldeanlagen in den Betrieben, berichten Klein und Vietze. In Waldkraiburg ist die Zahl bereits auf 30 gewachsen.

Wenn dort ein Rauchmelder anschlägt, wird das über die Brandmeldezentrale an die ILS weitergeleitet, die die Feuerwehr alarmiert. Früher fuhr in manchen Fällen die Polizei und konnte bei Fehlalarm, etwa nach einer Panne in einer Küche oder Hitzeentwicklung bei Arbeiten, frühzeitig Entwarnung geben. Heute muss die Feuerwehr anrücken, nach dem Rechten sehen, und sie ist verpflichtet, die Brandmeldeanlage wieder zurück zu setzen. Vor allem eine große soziale Einrichtung in der Stadt hält die Floriansjünger auf Trab, der Großteil der Fehlalarme 2012 ging auf sie zurück.

Die Häufung ist jedenfalls ein echtes Problem für die Feuerwehr. Vietze: "Wir müssen von diesen Zahlen runterkommen." Wie? Das ist die offene Frage. Denn die Feuerwehr kann nur appellieren, achtzugeben und die Anlagen intensiv zu warten oder gegebenenfalls auszutauschen. Denn eine Alternative zum Alarmierungssystem sehen auch die Kommandanten nicht.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © pa

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