„Wir wollen trommeln, Sigi“

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"Michaela Ische" kennt die Gegner bereits. Mit der Gummipuppe provozieren die "Woid Boyz"(von links) Michael Zettl, René K., Marco Metzger und Paolo Del Grosso.

Waldkraiburg - „Ehre, Treue, Leidenschaft, Stolz“ steht auf dem riesigen Transparanet hinter dem Löwen-Tor. Und weiter „Waldkraiburg – eine Stadt – ein Verein – eine Liebe“.

Das Bekenntnis kommt von den „Woid Boyz“, den neu formierten EHC-Anhängern, die ihren Verein lautstark unterstützen. Am liebsten mit Trommeln, doch das dürfen sie im Eisstadion nicht.

Die EHC-Unterstützer "Woid Boyz"

Derzeit sind es etwa 35 „Wuide“, die ein Herz für den EHC haben und das auch lautstark kundtun. „Uns gibt es seit Sommer 2010“, berichtet Michael Zettl, einer der Initiatoren, der Supporter-Gemeinschaft. Die „Woid Boyz“ verstehen sich als Nachfolger von „Lion Power 99“; der alte EHC-Fanclub hatte sich aufgelöst. „Wir sind aber nicht so stark organisiert und haben keine Clubbeiträge, erklärt der 24-jährige Zettl, der selbst auch Hobby-Eishockeyspieler ist, wie auch viele seiner Mitstreiter. Aber die „Woid Boyz“ sind ebenbürtige Unterstützer, auch wenn sie nicht Fanclub genannt werden wollen.

Sie fahren zu jedem Auswärtsspiel, organisieren den Bus, malen alle Transparente selbst in mühevoller Kleinarbeit, haben eine Fankluft mit einem eigenen Logo. Zettl hat das Logo - der Holzfäller steht für den Waldkraiburger Wald, dazu gehört das Stadtwappen und der alte EHC-Löwe, der Stärke symbolisiert - selbst mit Photoshop gestaltet. "Und die 63 ist eine Hommage an Stefan Roben, unseren Meistermacher", erklärt Paolo Del Grosso (30), der die "Woid Boyz" zusammen mit Zettl und René Müller ins Leben gerufen hat.

Das macht sie richtig stolz: EHC-Coach Mitch Pohl und auch die Spieler tragen diese Klamotten. Während der Spiele betreiben die Boyz die Getränkehütte vor dem Stadion - für ihren Verein. "Wir fahren auch mal ins Trainingslager mit, zum Beispiel kürzlich nach Tachov in Tschechien, erzählt René K. (19). "Wir sind alle Eishockey-Freunde und wollen die Kultur und das Drumherum hochhalten", sagen die Jungs. "Wir sind aber nicht nur ,Boyz', sondern auch ,Girlz' ", wirft Christine Eicher, die ein hellgrünes Kapuzenshirt mit dem Boyz-Logo trägt, ein.

Ein "Mädchen" ist besonders bekannt, vor allem bei gegnerischen Fans. "Michaela Ische" ist ihr Name und sie ist aufblasbar. Dazu gibt es den provokanten Fangesang "Eure Mutter steht bei uns im Block", um den Gegner zu ärgern und dann heben die Jungs die Dame aus Plastik in die Luft. Beim Faschingsumzug bekam sie auf dem selbst gestalteten Wagen einen Ehrenplatz. Mehr Aufmerksamkeit zog am Faschingssamstag aber sicher das Transparent "Wir wollen trommeln, Sigi" auf sich. Zur lautstarken Unterstützung mit Trommelwirbel untermalt.

"Das ist uns ein Anliegen, dass wir bei den Spielen in der Eishalle wieder trommeln dürfen", berichtet Zettl und spricht damit ein rund 20 Jahre altes Trommelverbot an. Marco Metzger weist darauf hin, dass es in Deutschland nur eine Handvoll Stadion gebe, wo man nicht trommeln dürfe. Der 18-Jährige will sich zusammen mit den anderen "Woid Boyz" und Bürgermeister Siegfried Klika zusammensetzen. Nach dem Faschingszug habe es ein erstes Gespräch gegeben.

"Weil bei den Auswärtsspielen getrommelt werden darf, ist da die Stimmung viel besser", sagt Paolo Del Grosso, und fügt hinzu "daher spielen einige unserer Spieler lieber auswärts".

Paradox sei in ihren Augen, dass beim Fußball im Jahn-Stadion - im Freien - getrommelt werden dürfe, beim Eishockey in der Halle nicht. Das Trommelverbot beruhe auf Anwohnerbeschwerden von vor 20 Jahren, so ihr Kenntnisstand. Man dürfe Lautstärkemessungen auch nicht in einem leeren Stadion durchführen, weil das das Ergebnis verfälsche. Wenn es gefüllt sei, schlucken die Menschen einige Dezibel. Daher wollen sie die Thematik neu aufrollen. "Auch weil wir uns sonst die Hände blutig schlagen, wenn wir, um Stimmung zu machen, auf die Holzverkleidungen am Fanblock hauen", sagt René K..

In anderen Stadien sei zur Team-Unterstützung und "fürs Auge" auch Pyrotechnik erlaubt. "Wir zünden in Stadien ohne Dach gerne ,Bengalos', das macht sich optisch im Fanblock gut", berichtet Michael Zettl. In Österreich und Italien seien die Vorgaben von Seiten der Behörden nicht so streng wie in Deutschland.

Beim Spiel am vergangenen Freitag, das der EHC gegen den EV Pegnitz mit 2:1 für sich entschied, wurde vor allem gebrüllt und gesungen. Die Texte sind nicht zimperlich, aber das ist dieser Sport ja auch nicht. So rief einer aus dem Woid-Fanblock einem gegnerischen Spieler zu "Schwindl, reiß di zam, sonst lass I dei Schwester nimmer ausm Keller". Oder "Zick-Zack, Zigeunerpack"

Den treuen EHC-Anhängern entgeht nichts, eine falsche Bewegung in den weißen Trikots und hohe Pfiffe schrillen durch die Halle. Sie machen Lärm und grölen zur Melodie von "Go West" "Hurra, das ganze Dorf ist da" und übertönen Stadionsprecher Michi Gößl. Und mit "Landesliga, leckt's uns doch am Arsch" machen sie deutlich, wie froh sie über den Aufstieg in die Bayernliga sind. Die Gegner seien attraktiver, die gemeinsamen Busfahrten umso vergnüglicher. Heiser vom Anfeuern seien nur die Neuen.

Was bringt nun die Unterstützung? "Viel", sind alle einhellig überzeugt. Del Grosso bringt es auf den Punkt. "Wenn die Spieler im dritten Drittel aus der Kabine zurück aufs Eis kommen und die Kraft schon nachlässt, dann schauen die zu uns hoch in den Fanblock und sehen uns Unterstützer. Das pusht."

kla/Mühldorfer-Anzeiger

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