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Weg von russischem Gas - so geht es jetzt weiter

„Der Ton wird härter“: Waldkraiburgs Bürger fordern mehr Tempo bei Ausbau der Geothermie

Der Ausbau des Fernwärme-Netzes in Waldkraiburg wie hier in der Franz-Liszt-Straße kostet nicht nur, sondern schränkt auch den Verkehr in der Stadt ein.
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Der Ausbau des Fernwärme-Netzes in Waldkraiburg wie hier in der Franz-Liszt-Straße kostet nicht nur, sondern schränkt auch den Verkehr in der Stadt ein.

Was über die Jahre hinweg auf nicht allzu großes Interesse gestoßen ist, kann jetzt vielen Waldkraiburgern nicht schnell genug gehen. Der Ausbau der Geothermie hat nämlich durch die steigenden Energiepreise deutlich an Attraktivität gewonnen. Jetzt wollen die Stadtwerke das Ausbau-Tempo erhöhen, wie Geschäftsführer Herbert Lechner im Stadtrat erklärte.

Waldkraiburg – Viele Anrufe und E-Mails bei der Stadt und den Stadtwerken haben nur ein Thema: den Ausbau der Geothermie. Seit die Energiepreise durch die Decke gehen, werden die Nachfragen mehr, und: „Der Ton wird härter“, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) im Stadtrat. In der Vergangenheit wäre die Geothermie für viele keine echte Alternative gewesen, weil Gas- und Ölpreise billiger gewesen seien.

Ein Viertel ist bereits erschlossen

Das hat sich nun geändert. Die Stadtwerke haben bereits im Herbst ihre Ausbaustrategie geändert. Wie die aussieht, stellte Geschäftsführer Herbert Lechner vor. „Wir werden nicht morgen alles anschließen können“, dämpfte er die Hoffnung auf einen schnellen Anschluss. Denn der Ausbau ist eine „riesige Infrastrukturmaßnahme“, die sich finanziell auswirkt, aber auch den Verkehr einschränkt. „Das belastet die Stadt.“ Bis zum Jahresende waren rund 25 Kilometer erschlossen, was 23 Prozent der zu erwartenden Gesamtlänge entspricht. Insgesamt wurden rund 29 Millionen Euro (netto) in die Geothermie samt Fernwärmenetz investiert. Die Absatzmenge steigt kontinuierlich jedes Jahr und beläuft sich mittlerweile auf insgesamt 219 702 MWh, was eine CO2-Einsparung von knapp 55 000 Tonnen entspricht. „Das wird sich noch beschleunigen“, versprach Geschäftsführer Lechner.

Über 232 Abnahmestellen sind bislang 3235 Haushalte an die Geothermie angeschlossen. An der Zahl sieht man deutlich, wo bisher der Fokus lag: Dort, wo Großabnehmer wie Geschosswohnungsbauten, öffentliche und sozialen Gebäude lagen, wurde priorisiert ausgebaut. Jetzt haben die Stadtwerke ihre Pläne geändert.

„Wir wollen jetzt in die Einfamilienhäuser gehen“, sagte Lechner. Auch die Industrie wurde in den Ausbauplan mit aufgenommen. Den Strategiewechsel erklärt Lechner damit, dass seit Herbst das Interesse an der Fernwärme zugenommen hat. „Seitdem die Energiepreise explodiert sind, haben immer mehr Kunden Interesse an einem Anschluss.“ Bislang war die Fernwärme auf dem ersten Blick im Verbrauch teurer als Öl und Gas. „Aber dem lag keine Vollkostenberechnung zugrunde. Das hat sich jetzt gedreht, Fernwärme ist allein beim Verbrauch schon günstiger.“ Bei einem Preisvergleich kommen die Stadtwerke bei der Fernwärme auf einen Jahrespreis von 2175 Euro, zum Vergleich liegt Erdgas bei 2796 Euro und Heizöl bei 3000 Euro.

Der Ausbau des Fernwärmenetzes ist auf 30 bis 40 Jahre angelegt. Nach zehn Jahren hat man bislang 25 Prozent erreicht. In den nächsten Jahren soll das Tempo nun erhöht werden. Dieses Jahr sollen weitere 1,5 Kilometer Leitungsnetz hinzukommen, 2023 sollen es dann schon 3,5 Kilometer sein. „Damit ist aber das Maximum erreicht“, sagt Lechner. Denn der Ausbau ist nicht billig. Für 3,5 Kilometer sind rund vier Millionen Euro einzuplanen. Wirtschaftlichkeit, Finanzierung, Planungskapazitäten, Materialknappheit, Lieferengpässe, Preissteigerungen und verkehrliche Einschränkungen zählen zu den großen Herausforderungen.

„Wir wollen frühzeitig über unsere Ausbaupläne informieren, damit sich die Bürger darauf einstellen können“, sagte Lechner. Wie geht es in den nächsten Jahren weiter? Der Masterplan sieht ein Leitungsnetz von rund 110 Kilometer vor, 85 Kilometer fehlen noch. Die Anschlussleistung mit Industrie und einer Anschlussquote von 80 Prozent bezifferte Lechner mit 90 MW, die Erzeugungsleistung liegt bei rund 46 MW.

Investitionen in Millionenhöhe

Bis es so weit ist, braucht es weitere Investitionen. Für den weiteren Netzbau rechnet Lechner mit 110 bis 125 Millionen Euro, eine benötigte Redundanzanlage werde zwischen 10 und 15 Millionen Euro kosten, eine zweite Dublette inklusive Bohrung am Betriebshof der Stadtwerke kostet zwischen 25 und 30 Millionen Euro.

Wie sieht es mit einem möglichen Ausbau in den Ortsteilen aus? „Dort entstehen neue Baugebiete, das wäre doch interessant“, sagte Johann Vetter (UWG). Bislang seien diese Gebiete aber nicht Teil des Ausbauplans. „Das muss man strategisch überdenken, wenn es politisch gewollt ist“, sagte Lechner.

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