Ein Waldkraiburger in Stockholm

Computerschach-WM: Warum das Triple für Erdogan Günes schwierig wird

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Erdogan Günes bei der Computerschach-WM im niederländischen Leiden (Archivbild). Erwartet ihn in Stockholm erneut ein David gegen Goliath?
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Waldkraiburg/Stockholm – Am Donnerstag beginnt in Stockholm die 24. Computerschach-WM. Auch dieses Jahr geht der Waldkraiburger Erdogan Günes für das Team Komodo an den Start. Hatte der Computerschach-Checker letztes Jahr nur knapp das Tripple – also alle drei möglichen Titel bei der WM – verpasst, so ist er wieder guten Mutes: noch.

2016 hatte Günes schon zwei von drei möglichen WM-Titeln gewonnen. 2017 holte er erneut zwei Titel. Das Triple ist ihm jeweils verwehrt geblieben. Jetzt will er es noch einmal wissen und alle drei Titel holen. Das dürfte schwierig werden, denn in der Dunkelheit der Einsen und Nullen im Computerschach ist ein mächtiger Gegner gewachsen. Sein Name: Leela Chess Zero.

Erneut ein David gegen Goliath?

Ich habe vor jedem Gegner großen Respekt“, sagt Erdogan Günes aus Waldkraiburg. Auch wenn es beim Computerschach viel um Technik und deren Leistung geht, heiße das nicht automatisch, dass ein „Goliath“ immer gewinnen muss. 2016 war es Günes im Team Komodo, der gegen einen technisch 40 Mal stärkeren Gegner gewonnen hatte.

Erdogan Günes nach der Computerschach-WM 2016

So funktioniert Computerschach normalerweise:

Es gibt Software, Hardware und einen sogenannten Turnierbuchautor, jeweils pro Team natürlich. Man kann das ansatzweise mit der Formel 1 vergleichen: Der Turnierbuchautor ist der Fahrer. Seinen Boliden stellen Hard- und Software dar. Ähnlich wie bei der Formel 1 ist beim Computerschach der Start besonders wichtig.

Erdogan Günes „steigt also in sein Auto und fährt den Boliden bis zur ersten Kurve“. Als Turnierbuchautor stellt er die Weichen für die jeweilige Partie und gibt der Maschine die ersten Züge vor. Ab dann übernehmen die Software zusammen mit der Hardware. Jede Sekunde werden zig Millionen Züge berechnet. Am Ende gibt es ein „Schach Matt“ oder ein „Remis“. Ähnlich wie in der Gruppenphase bei der Fußball-WM gibt es je nach Endstand Punkte. Die werden zusammengezählt und so der Sieger ermittelt.

Es gibt drei verschiedene Klassen bei der Computerschach-WM:

  • die offene Klasse,
  • die Software-Klasse
  • und die Blitz-Schach WM.

Für den Weltmeistertitel in der Softwareklasse hatte es 2017 nicht gereicht für das Team Komodo und Günes.

Erdogan Günes (rechts) bei der Computerschach-WM im niederländischen Leiden und ein "Fahrer"-Kontrahent (Archivbild)

Aus dem Dunkel der Einsen und Nullen: Leela Chess Zero

Das Zusammenspiel von Turnierbuchautor, Soft- und Hardware ist – wie man den Namen der Klassen entnehmen kann – unterschiedlich. Der neue Gegner Leela Chess Zero macht alles selber. Kurz gesagt: Das Ding braucht keinen Turnierbuchautor. Leela Chess Zero ist, was man künstliche Intelligenz nennt. In einem neuronalem Netzwerk lernt Leela Zero ständig dazu. Wie? In dem es gegen sich selbst spielt. Was Leela Zero über Schach "weiß" ist bereits gigantisch und dieses Wissen wächst und wächst.

Wo Günes und die anderen „Fahrer“ ihre eigene Software gegen verfügbare Versionen der anderen Teams im Vorfeld ausprobieren, um zu sehen, wie die gegnerische Maschine reagiert, „weiß“ Leela Zero gar nix über die Gegner. Das Ding macht einfach und das mit einer enormen Rechenleistung: ein echter Goliath also im Computerschach, der so noch nicht zu erfassen ist und Erdogan Günes das so lang erhoffte WM-Triple versauen könnte. Leela Zero Chess ist nämlich gemacht, um irgendwann besser zu sein als die leistungsstärksten Schachprogramme. 

Wie aus Insiderkreisen zu erfahren war, liegt wohl eine Anmeldung für Leela Zero für die Teilnahme an der Computerschach WM in der offenen Klasse vor. Ob diese zugelassen wird, steht offenbar noch nicht fest. An Leela Zero arbeiten viele verschiedene Programmierer. Einer hat Leela Zero angemeldet. Damit müssen alle anderen in diesem Open-Source Projekt einverstanden sein und ein entsprechender Nachweis dafür vorliegen. Erdogan Günes hat die offene Klasse bereits zwei Mal in Folge gewonnen.

Das Gleichgewicht der Macht

Hoffentlich gibt es keine Doping-Kontrolle“, scherzt Erdogan Günes. Um die Leistung der Hardware zu erhöhen, habe man dieser eine Frischzellen-Kur verpasst. „Auf den letzten Drücker“ müsse er jetzt letzt „Probefahrten“ auf seinem Computerschach-Boliden machen. innsalzach24.de wird den Waldkraiburger Computerschach-Checker Erdogan Günes auf dem Weg zum Triple bei der 24. Computerschach-WM begleiten.

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