Waldkraiburger Sportlerin und Polizei berichten

Rennradler auf der Straße: Das sollten Sie wissen!

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Polizeirat Holger Siegemund (links) und Triathletin Susanna Czerny (rechts, beim Triathlon in Ingolstadt).
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Waldkraiburg/Oberbayern - Es ist Sommer und überall sind wieder Radfahrer und besonders auch viele Rennradler auf den Straßen unterwegs. Wir haben uns erkundigt, was insbesondere Radler und Autofahrer beachten sollten. 

"Wenn das mit dem Überholen richtig gemacht wird, ist das ja kein Problem. Aber der Mindestabstand wird leider meist nicht eingehalten und gerade bei Lkws kann das richtig beängstigend werden", berichtet Susanna Czerny. Die Waldkraiburgerin wurde noch mit Ende 40 Triathletin. I m März berichtete die heute 55-Jährige im Interview mit innsalzach24.de darüber, wie Sie dazu kam und warum Sie es jedem empfehlen kann, mit diesem Sport anzufangen. Sie hat einiges erreicht. Höhepunkt war die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft in Chatanooga 2017. Ende Mai konnte sie außerdem beim zehnten Jubiläums-Triathlon in Ingolstadt  den 1. Platz in Ihrer Altersklasse (W55) erzielen. Regelmäßiges und intensives Training, fast das gesamte Jahr über, gehören unbedingt dazu um für solche Wettbewerbe fit zu bleiben. Teil davon ist auch das Rennrad-Fahren auf Straßen, inbesondere Landstraßen. Wie so viele Rennradler seit Beginn dieses Sommers ist sie daher derzeit wieder unterwegs. 

21 tote Radfahrer

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen von oder mit Rennradlern in der Region. Erst Anfang des Monats ereignete sich ein schwerer Unfall an der B20 bei Niederau. Ein Rennradfahrer und ein Auto waren dabei kollidiert. Ein Rettungshubschrauber musste den Mann ins Krankenhaus fliegen. Zu einem tragischen Unfall kam es außerdem Ende Oktober des vergangenen Jahres. Ein 56-jähriger Mann aus dem Gemeindebereich Neubeuern verunfallte, als er in der Thansauer Straße in Neubeuern alleinbeteiligt mit seinem Rennrad zu Sturz kam. Durch den Sturz zog sich der Rennradfahrer so starke Kopfverletzungen zu, dass er nach vergeblichen Reanimationsmaßnahmen im Klinikum Rosenheim seinen Verletzungen erlag. Der Radfahrer trug laut Angaben der Polizei keinen Helm.

Unfall zwischen Radfahrer und Auto nahe Fridolfing/B20

"Eine besondere statistische Erfassung, ob es sich bei Unfallbeteiligten um 'normale' Radler oder Rennradler handelt, erfolgt von Seiten der Polizei nicht", berichtet Polizeirat Holger Siegemund, Leiter des Sachbereichs Verkehr im Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Trotzdem ließen sich gewisse allgemeine Aussagen über die Entwicklung machen:

  • Im Zeitraum 1. Januar 2018 bis 29. Mai 2019 verstarben im Schutzbereich des Präsidiums 21 Radfahrer.
  • Die unfallträchtigen Monate sind Mai bis August.
  • Die getöteten Fahrradfahrer waren zu 71 Prozent auch gleichzeitig Unfallverursacher.
  • Von den getöteten Radfahrer waren 14 männlich, sieben weiblich.
  • Besonders auffällig sei die Altersstruktur der Getöteten. Ein Anstieg sei bei der Altersgruppe über 60 Jahre zu verzeichnen und die Spitze bei den 71-80 Jährigen. Die nachlassenden körperlichen Grundfähigkeiten, die nachlassenden Heilungsfähigkeiten des Körpers sowie fehlende Schutzhelme seien für diese Auffälligkeit mitverantwortlich, denn zahlenmäßig seien diese Altersgruppen sicher nicht überproportional am Straßenverkehr beteiligt.
  • Die Hauptunfallursachen sind Abbiegen und Vorfahrt.
  • Die Getöteten waren zu 86 Prozent Einwohner im Schutzbereich Oberbayern Süd.

Polizei: Radler sollten Helm tragen und Radl beleuchten

"Die wesentlichen Apelle von unserer Seite sind natürlich das Tragen von Helmen und die Verwendung der Beleuchtung", betont Siegemund. Czerny betont, sie selbst und auch alle anderen Sportler die sie kenne, würden sich daran selbstverständlich halten. "Aber es gibt halt leider immer wieder schwarze Schafe."

"Ein Klassiker bei Rennradfahrern ist auch das Nebeneinanderfahren", führt Siegemund weiter aus. "Das dürfen sie grundsätzlich nicht, nur wenn kein anderer Verkehrsteilnehmer dadurch behindert wird. Dies ist aber meistens der Fall." Konkret besagt die Straßenverkehrsordnung: "Mit Fahrrädern muss einzeln hintereinander gefahren werden; nebeneinander darf nur gefahren werden, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird."

Eine Pflicht, Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung zu benutzen, besteht nur, wenn dies durch Verkehrszeichen angeordnet ist.

"Rechte Radwege ohne die entsprechenden Verkehrszeichen dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die entsprechenden Zeichen dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das allein stehende Zusatzzeichen 'Radverkehr frei' angezeigt ist. Wer mit dem Rad fährt, darf ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und zu Fuß Gehende nicht behindert werden. Außerhalb geschlossener Ortschaften darf man mit Mofas und E-Bikes Radwege benutzen."

"Der Verkehrsraum wird sich durch weiterhin steigende Zuzugszahlen und neue Verkehrsmittel wie beispielsweise E-Roller weiter verdichten", führt Siegemund weiter aus. "Jedem Verkehrsteilnehmer einen exklusiven, auf seine Bedürfnisse abgestimmten, Verkehrsraum zuzuweisen wird faktisch weder in Städten noch außerorts möglich sein." Deshalb sollten nach Erachten der Polizei die Straßen als gemeinsamer Verkehrsraum verstanden werden.

Autofahrer sollten Abstand beim Überholen einhalten

"Besonders Rennradfahrer sind sicherlich auf ungebremste Fahrt aus, was eine gewisse Überlappung mit den Hauptunfallursachen Vorfahrt und Abbiegen mit sich bringt", erklärt Siegemund weiter. "Hier wäre die Einhaltung der Verkehrsregeln, was beispielsweise das Achten auf rote Ampeln, das Anzeigen der Fahrtrichtung und so weiter zu Lasten der Geschwindigkeit manchmal angebracht." Reflektiert auf Renn-Radfahrer sei besonders auch das Vorbeifahren und Überholen von stehenden oder langsam fahrenden Fahrzeugen ein Thema. "Die, nicht abgesperrte, Straße stellt keinen Sportraum dar, weder innerhalb noch außerhalb von Ortschaften!"

Auto- und Lkw-Fahrer wiederum sollten Fahrradfahrer als gleichwertige Verkehrsteilnehmer wahrnehmen und insbesondere beim Überholen ausreichend Abstand einhalten, mahnt Siegemund. "Klassischerweise werden Radfahrer insbesondere beim Abbiegen übersehen, so dass der Schulterblick auch in Zeiten von Abbiegeassistenten und beim Rückwärtsfahren nicht vernachlässigt werden sollte. Dies gilt insbesondere für Lkw, Stichwort Toter-Winkel-Problematik."

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