Waldkraiburgerin schrieb zu Frust über Vorgehen bei Schulöffnungen an Söder

„Unsere Kinder brauchen endlich eine Perspektive!“

Andrea Langstein aus Waldkraiburg (rechts) machte in einem Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (links) ihrem Frust über fehlende Öffnungsperspektiven für Schulkinder Luft.
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Andrea Langstein aus Waldkraiburg (rechts) machte in einem Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (links) ihrem Frust über fehlende Öffnungsperspektiven für Schulkinder Luft.

Anfang des Monats schrieb eine Mutter aus Waldkraiburg einen offenen Brief an Ministerpräsident Söder. Darin machte sie ihrem Frust über fehlende Öffnungsperspektiven für Schulkinder Luft. innsalzach24.de hat nachgefragt, was sich seitdem getan hat.

Waldkraiburg - „Nein, eine Antwort habe ich nicht bekommen“, berichtet Andrea Langstein gegenüber innsalzach24.de. Insgesamt habe sie neun Politikern den Brief zukommen lassen. „Unter anderem Herrn Piazolo und Herrn Aiwanger“, so Langstein weiter. „Eine Antwort habe ich nur von Dr. Martin Huber bekommen.“ Sie könne natürlich grundsätzlich verstehen, dass vor allem derzeit eine Menge Briefe bei führenden Politikern eingehen dürften.

Zwar keine Antwort von Söder, aber Brief von CSU-Landtagsabgeordneten Martin Huber

„Ich kann Ihre Sorgen und Ängste gut nachvollziehen und habe volles Verständnis für die schwierige Situation, in der wir uns alle, aber natürlich vor allem die Kleinsten in unserer Gesellschaft befinden“, schreibt Huber in seinem Brief. „Seien Sie versichert, ich setze mich ganz stark dafür ein, dass wir Schritt für Schritt wieder zu mehr Normalität zurückkehren können und ich nehme den Bildungsauftrag, den wir als Staat unseren Kindern gegenüber haben, sehr ernst.“

Der Landtagsabgeordnete Martin Huber antwortete auf den offenen Brief von Andrea Langstein.

Zwar sei es mittlerweile gelungen, die Planungssicherheit für Eltern, Schüler und Lehrer dahingehend zu verbessern, dass die Regelung zur Schulöffnung jetzt immer für eine ganze Kalenderwoche gilt. Allerdings sei der Inzidenzwert von 100 hierfür immer noch maßgeblich. „Ich habe hierbei an verschiedenen Stellen den Vorschlag eingebracht, für Schulen und Kindergärten einen Inzidenzwert von 150 anzusetzen, um gerade in diesem Bereich eine größere Öffnungsperspektive zu erhalten. Die Sorge, dass dann die Entwicklung im Infektionsgeschehen schnell wieder außer Kontrolle gerät, überwiegt hier jedoch.“ Huber schließt: „Dennoch bleibe ich an diesem Thema dran und hoffe - wie wir alle - dass auch die zunehmenden Impfungen bald zu einer Verringerung der Inzidenzwerte und damit zu mehr Normalität führen.“

Mutter aus Waldkraiburg schrieb Brief an Söder und beklagt darin fehlende Perspektiven für Schulkinder

„Ich hoffe nun, dass durch die öffentliche Aufmerksamkeit die Problematik zumindest mehr Leuten und vor allem den verantwortlichen Politikern bewusst wird. Unsere Kinder müssen endlich eine Perspektive bekommen.“ Es habe eine Menge positive Rückmeldung auf ihren Brief hin gegeben. „Es geht ja derzeit quasi allen Eltern so.“ Bei ihr persönlich sei die Lage unverändert. „Man hangelt sich so durch. Gerade für meinen jüngeren Sohn, der auf die Grundschule geht, ist es schwierig. Da geht ja nicht so viel mit Home Schooling, das Meiste sind Arbeitsblätter. Dabei fehlen ihm die sozialen Kontakte und die direkte Ansprache.“

Andrea Langstein ist die berufstätige Mutter zweier schulpflichtiger Kinder. Sie leidet wie viele andere Eltern auch unter dem lang anhaltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Da aufgrund der steigenden Inzidenz die Schulen im Landkreis Mühldorf am Inn wieder schließen mussten, aber dennoch erste Lockerungen seit, 1. März, gelten, wendete sie sich Anfang des Monats in einem offenen Brief an Ministerpräsident Söder (Plus-Artikel).

„Ich entsinne mich noch dunkel an die Aussagen, dass Kinder und Familien bei der Öffnung des Lockdowns oberste Priorität genießen sollen“, schrieb sie darin. Leider könne sie diese Priorität in keiner Weise erkennen oder feststellen. „Es freut mich zwar, dass meine Jungs endlich wieder einen vernünftigen Haarschnitt bekommen, eine vernünftige Schulbildung wäre mir als Mutter aber lieber.“ Sie als Mutter würde sich sehr wünschen, dass Kinder, als die Zukunft dieses Landes, endlich eine Lobby bekommen, so Langstein weiter „und ihre Bedürfnisse höher stehen als Haare, Fußnägel oder Primeln, so sehr ich mich auch für diese Branchen und deren Lockerung freue!“

Auch andernorts Unmut über Umgang mit Schülern und Schulöffnungen

In der innsalzach24.de-Leserschaft fand der Brief viel Zuspruch. „Bravo Frau Langstein“, schreibt etwa Andrea S. unter dem Post von innsalzach24.de zum Artikel über den Appell an Söder. „Abgesehen davon, dass es absolut unzumutbar für Mütter, Väter und Alleinerziehende ist, die Grundschulen und Kindergärten so plötzlich und schon wieder zu schließen, muss man auch mal die vielen Arbeitgeber anmerken, die logistisch gesehen auf ihre Mitarbeiter verzichten müssen. So kurzfristig, denk ich, war keiner so amused, wieder auf Arbeitskräfte zu verzichten. Nervenaufreibend hoch drei!“

Auch andernorts zeigt sich der Unmut. Am Montagvormittag, den 15. März, hatte zuletzt die Tögingerin Sonja Weinberger ihre Petition mit fast 3.000 Unterschriften zur sofortigen Schulöffnung an den Landtagsabgeordneten Dr. Martin Huber vor der Comeniusschule in Töging übergeben (Plus-Artikel). „Irgendwann reicht es“, so die 41-jährige Mutter von zwei Kindern. Das ewige Hin und Her seien für die Kinder, aber auch für die Eltern, sehr belastend. Die Politik solle sehen, dass die Eltern etwas unternehmen.

Frust über immer wieder in die Ferne rückende Rückkehr zur Normalität

„Es ist einfach so frustrierend, keine echte Perspektive zu haben. Es hieß ja die ganze Zeit: Wenn der Impfstoff da ist kommt das normale Leben wieder. Das scheint jetzt aber wieder in weite Ferne gerückt. Außerdem rollt schon die dritte Welle an Infektionen und vermutlich damit einhergehend wieder Einschränkungen an“, klagt Langstein. „Ich bin mir sicher, auch viele anderen hätten mehr Verständnis für die Maßnahmen, wenn halt auch absehbar wäre, wie lange man noch durchhalten muss.“

Keinesfalls leugne sie die Gefahr durch die Pandemie und das deshalb Maßnahmen nötig seien. „Aber ich bin schon am Überlegen, demnächst auch demonstrieren zu gehen. Unsere Kinder brauchen endlich eine Perspektive.“

hs

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