Anabolika, Steroide & Co. in Waldkraiburg

Wegen Arzneimittel-Handel im ganz großen Stil angeklagt

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Waldkraiburg/Traunstein - Der Betrieb eines eigenes Untergrundlabor und der deutschlandweite Versand von Doping-Präparaten: Das wird einem 45-jährigen Briten aus dem Landkreis vorgeworfen.

Fünf deutsche und ein britischer Staatsangehöriger sitzen ab Montag auf der Anklagebank in Traunstein. Der Vorwurf: Gewerbsmäßiges Inverkehrbringen von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport und unerlaubtes Handeltreiben mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Zu diesem Zweck soll die Gruppe in Waldkraiburg ein eigenes, sogenanntes "Untergrundlabor" unterhalten haben und die Erzeugnisse deutschlandweit über das Internet vertrieben haben.

Einnahmen in Höhe von rund 120.000 Euro durch selbst hergestellte Anabolika

Besonders für Konsumenten in den Bereichen Kraftsport, Fitness und Bodybuilding seien die Präparate, deren Rohstoffe sich der Kopf Gruppe vermehrt aus China hätte liefern lassen, gedacht gewesen. Bei nicht selbst hergestellten Ampullen, habe der Gewinn pro Ampulle Anabolika zwischen 30 und 40 Cent gelegen. Der Preis für die Endkunden lag dabei zwischen 10 und 35 Euro, je nach Inhaltsstoff und Menge. Insgesamt sollen so Einnahmen in Höhe von rund 120.000 Euro generiert worden sein.

"Die veräußerten Präparate überschritten die nicht geringe Menge im Sinne der Dopingmittelmengenverordnung um mehr als das 27.000-fache", heißt es dazu von Staatsanwaltschaft in München, die den Fall in Traunstein nun zur Anklage bringt. Insgesamt stellten die Ermittler über 100 Einzellieferungen per Post in diesem Zusammenhang fest, der Stammkunden-Kreis soll im aktuellen Fall zwischen 20 und 30 Personen groß gewesen sein. In mindestens vier Fällen sollen sich die Lieferungen an die Kunden in einer Größenordnung zwischen 500 und 600 Ampullen "Galenika" bewegt haben

Entscheidender Hinweis kam aus Österreich

Die Angeklagten hätten die Tatvorwürfe bereits vor der Verhandlung am kommenden Montag, den, 18. Januar, in den Vernehmungen weitestgehend eingeräumt, heißt es von der Münchner Staatsanwaltschaft weiter. Für den Prozess sind in der 113-seitigen Anklageschrift 20 Zeugen und 4 Sachverständige genannt. Auf die Spur der Anabolika-Produzenten seien die Beamten durch einen Hinweis aus Österreich gekommen. Ende 2014 war dort ein Händler für Labor-Zubehör genauer unter die Lupe genommen worden.

Das Gesetz sieht für gewerbsmäßiges Inverkehrbringen von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren und für unerlaubtes Handeltreiben mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln außerhalb von Apotheken Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.

Rubriklistenbild: © pa/dpa

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