Angebot in Waldkraiburg: Trotzdem nur mäßige Bilanz

Magische Autokino-Momente: "Überall waren sie ausgestiegen und tanzten!" 

Waldkraiburg/Burghausen - Anfang des vergangenen Monats starteten auch in der Region zwei Autokino-Projekte. Wir haben uns erkundigt, wie es lief und ob das eine Rückkehr dieser Kinoform bedeutet.

"Neulich, mitten in der Vorführung von 'Mamma Mia' war ich gerade im Büro, da fiel mir auf, dass sich da irgendwas tut", berichtet Thomas Rahnert vom Cinewood Kinocenter in Waldkraiburg begeistert. "Ich schaue also raus und siehe da: Überall waren die Leute aus ihren Autos ausgestiegen und tanzen zu 'Dancing Queen'!" Da ohnehin alle mit gebührendem Abstand geparkt hatten, seien selbstverständlich die nötigen Abstände gewahrt geblieben. Auch sonst habe es einige magische Momente gegeben."Als wir 'Manta, Manta' gezeigt haben, kam ein ganzer Mantaclub mit seinen Fahrzeugen angebraust."


Waldkraiburger Autokino-Betreiber: Magische Momente, aber insgesamt mäßig nachgefragt

Doch das alles tröste leider nicht darüber hinweg, dass die Bilanz seines Autokino-Angebots bisher eher durchwachsen gewesen sei. "Wir haben da einige richtig tolle Fans des Angebots, die kommen teils zu jeder Vorstellung", erklärt Rahnert. "Aber richtig ausgelastet ist es nur am Wochenende. Darum haben wir die Vorführungen schon nur noch auf den Zeitraum von Donnerstag bis Sonntag zurückgefahren." Anfangs gab es noch zusätzlich zu den Abendvorstellungen am Nachmittag ein Kinderprogramm auf einer LED-Leinwand. "Die Leute die da kamen, waren begeistert. Aber auf dieser Technik kann man keine der neuesten Filme abspielen. Die sind dagegen kopiergeschützt und laufen nur auf 'echten' Kinorpojektoren." Daher sei das Interesse verhalten gewesen und daher das Programm eingestellt worden.


"Hier in Bayern wurden Autokinos ja leider erst relativ spät erlaubt", bemerkt Rahnert. "Darum konnten auch wir erst am 11. Juni starten, also vier Tage vor dem Start unseres 'normalen' Kinobetriebs am 15." Rückblickend sei er daher froh, dass er nur den Parkplatz direkt beim Kino dafür hergenommen habe. "So mussten wir nicht mehr extra noch irgendwo anders die nötige Infrastruktur mit Toiletten und so weiter aufbauen und die Kosten hielten sich auch insgesamt in Grenzen."

Der Verein "Lightning Bird" betrieb in Burghausen das Autokino ehrenamtlich. Das Programm wurde mit den grenzüberschreitenden Themen / Filmen auch eigens auf Burghausen abgestimmt.

Auch in Burghausen gab es während des Lockdowns ein Autokino-Angebot. Der ortsansässige Verein "Lightning Bird" veranstaltete dort das "Nachtflimmern" auf der Multifunktionsfläche am Waldpark. Möglich wurde dies durch Hilfe der Stadt. Das ganze konnte als Erfolg gewertet werden, mehr als 2.500 Tickets wurden verkauft. Andernorts wurde aus derartigen Konzepten dagegen nichts. In den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim gab es keine derartigen Angebote.

Vielfältige Probleme für Autokinos heute

"Wir haben durchaus beobachtet, dass während des Lockdowns allerorten Autokinos aus dem Boden sprossen", berichtet unterdessen Felix Bruder, Geschäftsführer bei der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V.. Grundsätzlich gäbe es aber bereits vier wesentliche Gründe, die gegen ein dauerhaftes Comeback des Autokinos sprechen würden:

  • Teurer Platzbedarf: Um rentabel zu sein, braucht es eine enorme Fläche für Parkplätze, damit genügend Zuschauer kommen. Doch von der Lage her geeignete Grundstücke sind heutzutage meist unerschwinglich teuer.
  • Zu wenig Auswahl: Die meisten Autokinos haben nur eine Leinwand. Daher können sie pro Abend in der Regel maximal zwei Vorführungen bieten, was sehr viel weniger als bei "klassischen" Kinos ist.
  • Zu viel Konkurrenz: Wie auch dem "klassischen" Kino verursachen Streaming-Anbieter eine mächtige Konkurrenz.
  • Nicht mehr zeitgemäß: Mit dem Auto ins Kino fahren hat in Zeiten von Klimawandel-Debatten für viele einen unangenehmen Beigeschmack.

Wohl keine Rückkehr des Autokinos

"Alles in allem sind also schon die Grundvoraussetzungen heutzutage nicht mehr gegeben", erklärt Bruder. "Hinzu kommt, dass Kinofreunde nun zunehmend Open Air-Vorführungen nutzen können und ja auch die 'klassischen' Kinos wieder den Betrieb aufgenommen haben. Den wenigen Autokinos, die es vor der Krise schon gab habe diese nun eventuellen vermehrtes Interesse und neue Gäste beschert. "Während des Lockdowns waren die Autokinos zudem für manchen Kinobetreiber sicherlich eine wertvolle Chance, diese Zeit zu überbrücken. Aber an eine Rückkehr dieser Kinoform im größeren Stil glaube ich nicht." 

"Wir haben jetzt aktuell noch die Lizenz bis 31. Juli. Ich überlege noch, sie in den August zu verlängern", resümiert der Waldkraiburger Kinobetreiber Rahnert. "Daneben würden wir gerne noch eine Ersatzveranstaltungen für das heuer entfallene Open Air-Kino in Gallenbach auf die Beine stellen." Auch er halte das Konzept Autokino insgesamt heutzutage im breiten Spektrum für nicht mehr zukunftsfähig. "Vielleicht bieten wir da nächstes Jahr nochmal ein paar Sondervorstellungen an. Mehr wollen wir aber nicht mehr machen."

hs

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook / Cinewood Kino Waldkraiburg

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