ISEK-Planungswerkstatt mit den Bürgern 

Im Fokus: "Hassliebe" Rathaus und Sartrouville-Platz

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Der Sartrouville-Platz stand neben dem Rathaus und dem gesamten Stadgebiet im Fokus der Diskussion. 
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Waldkraiburg - Was wünschen sich die Bürger für die Zukunft ihrer Stadt? Das Rathaus und der Sartrouville-Platz standen im Fokus der Diskussion am 4. Juli. Aber auch das gesamte Stadtgebiet war heißes Thema bei der ISEK-Planungswerkstatt im Haus der Kultur: 

Erste Ziele im ISEK-Planungsprozess 

Rund 80 Bürger - darunter viele Stadtratsmitglieder - kamen zu der öffentlichen Veranstaltung am 4. Juli, um gemeinsam über die geplanten Entwicklungen ihrer Stadt zu sprechen und auch eigene Ideen einzubringen. Auf insgesamt drei Plänen, umfunktioniert zu "Tischdecken" konnten die Waldkraiburger Ideen zu folgenden Themen festhalten: 

  • "Qualitäten und Defizite" der Stadt
  • Rahmenplan für die Gesamtstadt 
  • Detailkonzepte im Stadtzentrum

Martin Birgl und sein Team vom Planungsbüro Dragomir Stadtplanung GmbH gingen beratend von Tisch zu Tisch und beantworteten Fragen zum geplanten Zukunftskonzept für Waldkraiburg. An den verschiedenen Entwicklungsstufen zum "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept" (ISEK) wollen sich die Waldkraiburger aktiv beteiligen. Konzentriert und vertieft in die Pläne debattierten die Bürger und Bürgerinnen teils sehr kontrovers. Pro und Contra über den Sartrouville-Platz und das Rathausumfeld sowie über das gesamte Stadtgebiet wurden abgewägt. Was am Ende der Diskussion herauskam sind kreative Ideen, Verbesserungsvorschläge und ausschöpfbares Potential für die Stadt. Wesentliche Stichpunkte, die mehrfach im Rahmen der Diskussion an den Tischen angesprochen wurden, waren unter anderem:

  • Erhalt des prägenden Wald- und Landschaftsbilds
  • Rathaus: Erhalt oder Abriss? 
  • Postzentrum - weiteres Vorgehen
  • Wachstumsfrage/Nahverdichtung
  • Umgang mit innerörtlichen Brachflächen
  • Werksbahn nach Aschau am Inn
  • Radwegekonzept der Stadt - Umland/fehlende Verbindungen, z.B. Inntalradweg einbinden, damit die Radler auch die Möglichkeit eines Abstechers in die Stadt hätten
  • Pläne zur Umgehung Pürten 
  • Dringlichkeit von Waldkraiburgs Identität und Wiedererkennungswert im Stadtkern
  • Sanierungsbedürftigkeit des Waldbads
  • Festplatz: anderweitige Nutzung (z.B. als Parkplatz) oder Verlegung
  • Verkehrsführung und Parken im Zentrum - insbesondere die problematische Verkehrsführung an der Mittelschule in der Franz-Liszt-Straße 
  • ÖPNV nach München 
  • Unter- oder Überführung der Bahnlinie
Gut besucht war die Bürgerveranstaltung bezüglich der Zukunft der Stadt. 

Das Rathaus ein "Schandfleck für Waldkraiburg"? 

Besonders das Rathaus liegt den Waldkraiburgern im Magen: Dass es nicht das attraktivste Gebäude der Stadt sei, diese Tatsache sei Martin Birgel und seinem Team bewusst. "Die große Frage, die Waldkraiburg aus städtebaulicher Sicht die nächsten Jahre beschäftigt, lautet Abriss oder Erhalt." Hier gingen die Meinungen deutlich auseinander: "Das Rathaus muss erhalten bleiben - es gehört einfach zu unserer Stadt und schließlich geht es auch um die besondere Identität für Waldkraiburg", spricht die eine Seite der Bürger. Der Stil der 70er-Jahre habe durchaus seinen Reiz, vor wenigen Jahren seien die sanitären Anlagen für teures Geld saniert worden, "soll das etwa alles für die Katz' gewesen sein?", wirft eine erboste Bürgerin in die Runde. 

Die Opposition hingegen spricht sich für Abriss und Neubau aus: "Das Rathaus gehört schon lange weg, es ist ein Schandfleck für Waldkraiburg!" Auf Missachtung stößt bei den Gegnern außerdem der erhöhte Standort des Gebäudes. "Das ein oder andere ist damals bei der Umsetzung der Pläne schief gelaufen, jetzt haben wir die Möglichkeit, etwas zu ändern. Die damalige Entscheidung, das Rathaus nach oben zu setzen, war eine klare Fehlentscheidung. Das gleicht einem Schloss, in dem die 'Oberen' auf das bürgerliche Volk herabblicken", erklärt ein weiterer Bürger, der für diese Aussage beifallendes Klatschen erhielt. 

Des Weiteren solle man die Tiefgarage unter dem Rathaus "am besten zuschütten". "Ich kenne niemanden, der zum einkaufen in der Stadt die Tiefgarage nutzt - wer parkt dort schon außer den Mitarbeitern des Rathauses", fragt sich eine Waldkraiburgerin. Vielmehr könne man doch den Volkfsfestplatz an der Adlergebirgsstraße als Parkplatz für die Öffentlichkeit zugänglich machen. 

Besonders der erhöhte Standort des Waldkraiburger Rathauses ist vielen ein Dorn im Auge.

Anwohnerin: "Mehr Belebung am Sartrouville-Platz tagsüber und nicht nachts!" 

Zum Rathausumfeld dazugehörend ist außerdem der Sartrouville-Platz in aller Munde. Der größte Teil der Bevölkerung sei laut einem Bürger "deutlich gegen den Sartrouville-Platz". Viele bemängeln, die Fläche hinter dem Rathaus sei nicht ausreichend belebt, es gebe kaum ein Durchkommen und man müsse sich erst durch die Gassen schlängeln. Eine betroffene Anwohnerin ist da anderer Meinung: "Der Sartrouville-Platz ist mit den vielen ansässigen Gastronomien sehr wohl belebt. Besonders in der Nacht ist es teils unerträglich laut, nicht zuletzt durch zahlreiche Jugendliche. Ich würde mir wünschen, dass die Belebung sich mehr auf den Tag verteilt und nicht nachts."

Auch der Ruf nach einem eigenen rund um die Uhr verfügbaren Gesundheitszentrum wurde laut. Eine Waldkraiburgerin würde sich die ständigen Fahrten ins Mühldorfer Krankenhaus gerne ersparen. Eine weitere Bürgerin ist der Meinung, man solle nicht weiter Geld und Mühe in einen Einzelhandel stecken, der sowieso zum Sterben verurteilt sei. Trotz der ganzen Diskussion um den Stadtkern solle man doch in erster Linie laut der Bürgerin das Waldkraiburger Stadtlogo im Blick haben: "Wir sind eine grüne Stadt mit Freizeit- und Sportmöglichkeiten sowie einem vielfältigen Kulturangebot. Darin liegen die Stärken und das Potential der Stadt. Genau diese Aspekte sollten im Vordergrund der weiteren Planungen stehen.

Diskussionsfreudig und ideenreich zeigten sich die Waldkraiburger bei der ISEK-Planungswerkstatt am 4. Juli im Haus der Kultur. 

Nächste ISEK-Bürgerveranstaltung im Oktober 

Martin Birgel bedankte sich für den umfangreichen Input der Bürger und erklärte zum Abschluss der Veranstaltung, dass weitere Ideen und Anregungen der Waldkraiburger jederzeit per E-Mail an ZukunftWaldkraiburg@dragomir.de eingereicht werden können. "Wir haben vielfältige und tolle Anregungen gesammelt, mit denen wir jetzt weiterarbeiten können", freut sich Birgel. Alle Ergebnisse aus der bereits zweiten Planungswerkstatt mit den Bürgern im Haus der Kultur werden nun vom Planungsbüro Dragomir Stadtplanung GmbH zusammengefasst und aufgearbeitet. Sobald sie verfügbar sind, stehen sie auch auf der Homepage der Stadt Waldkraiburg öffentlich zur Verfügung. Die nächste Planungswerkstatt mit den Bürgern zu Waldkraiburgs Zukunft findet am 19. Oktober in den Ortsteilen der Stadt statt. 

ISEK-Planungswerkstatt: Bürger diskutieren über Zukunft der Stadt 

mb

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