Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wie viele Abendsegler gibt es noch in Waldkraiburg?

Fledermaus-Zählstunde in der Dämmerung – Warum der Experte Andreas Zahn besorgt ist

Der Abendsegler zählt zu den größten heimischen Fledermausarten und ist geschützt. Jedes Jahr wird durchgezählt, wie viele Tiere an den Hochhäusern in Waldkraiburg Süd Quartier bezogen haben.
+
Der Abendsegler zählt zu den größten heimischen Fledermausarten und ist geschützt. Jedes Jahr wird durchgezählt, wie viele Tiere an den Hochhäusern in Waldkraiburg Süd Quartier bezogen haben.

Waldkraiburg ist bei Abendseglern beliebt. An den Hochhäusern im Süden der Stadt haben seit Jahren die Fledermäuse Quartier bezogen, bevor im Frühjahr die Weibchen zu ihren Wanderungen aufbrechen. Jährlich werden die Tiere gezählt, um den Bestand der geschützten Art zu kontrollieren. Ein Besuch bei der tierischen Volkszählung.

Waldkraiburg – Es ist ein milder Abend. Dämmerung. Neugierig wirft eine Gruppe von Leuten ihre Blicke auf die Dächer einiger Hochhäuser. Dorthin, wo große Nistkästen hängen, die eine ganz besondere Spezies ihr Domizil nennt: die Abendsegler.

Sie zählen zu den größten heimischen Fledermausarten. Wenn sie die Flügel ausbreiten, beträgt ihre Spannweite bis zu 40 Zentimeter. Die Abendsegler zeichnen sich durch ihre weiten Wanderungen aus. „Sie ziehen bis in die neuen Bundesländer und nach Polen. Im Mai fliegen die Weibchen aus Bayern weg und ziehen in Baumhöhlen. Dort bekommen sie ihre Jungen. Im August, wenn ihre Jungen erwachsen sind, kehren sie alle wieder hierher zurück“, erklärt Dr. Andreas Zahn, Vorsitzender der Kreisgruppe vom Bund Naturschutz und Experte bei der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern.

Dr. Andreas Zahn ist Fledermausexperte und organisiert die Zählung.

Ersatzquartiere sind bezogen

Die Tiere halten sich von August bis Mai in großer Zahl in Südbayern auf. Es gibt Fledermausarten, die in Höhlen überwintern und dort ihren Winterschlaf halten. Die Abendsegler zieht es jedoch an hohe Wohngebäude oder Kraftwerke, sowie Flusstäler. In vielen Fällen handelt es sich um Quartierverbundsysteme. Das heißt, die Tiere nutzen mehrere, oft benachbarte Quartiere in wechselnder Anzahl.

In Waldkraiburg sind die Tiere vor einigen Jahren in Ersatzquartiere umgezogen. Denn im Zuge einer Wärmedämmung der Hochhäuser im Süden der Stadt mussten die ursprünglichen Verstecke der Fledermäuse hinter den Eternitverkleidungen beseitigt werden. Verschiedene Fledermauskästen wurden als Ersatz geschaffen.

Jedes Jahr erfasst der Bund Naturschutz die Zahl der aus den Quartieren ausfliegenden Abendsegler Ende April, Anfang Mai. Andreas Zahn wird dabei jedes Mal von einigen Helfern unterstützt.

Die Zahl der Abendsegler nimmt nicht nur in Waldkraiburg (Grafik links) kontinuierlich ab. Auch in Südbayern werden es immer weniger Tiere, obwohl es mehr Quartiere gibt als noch vor 15 Jahren.

Mittlerweile werden die Fledermäuse zusehends aktiver an den Hochhäusern. Erwartungsvoll stehen die Tierfreunde der jährlichen Fledermauszählung vor ihren jeweils zugeteilten Gebäuden, an denen die Nistkästen hängen. Mit Lampen und Schreibblock ausgestattet, zählen sie die Tiere, wie sie nach und nach auf Nahrungssuche gehen. Die Zählung ist wichtig, um den Bestand der Säugetiere zu kontrollieren. „Seit Jahren organisiert die Koordinationsstelle für Fledermausschutz im Frühjahr eine Zählung der Abendsegler an vielen Orten in Südbayern. Die mittlere Koloniegröße geht in den vergangenen Jahren zurück. 2019 fanden an mehreren Abendseglerquartieren regelmäßige Zählungen im Zeitraum März bis Mai statt. Dadurch sollte überprüft werden, ob die Abendsegler früher aus Südbayern abwandern als vor einigen Jahren, und ob deshalb ein Teil der Tiere bei den Zählungen Ende April, Anfang Mai nicht mehr erfasst wird“, erklärt Dr. Zahn. Die Mehrfachzählungen belegten jedoch, dass wie bisher Ende April die meisten Tiere anwesend sind.

„Die Abnahme der bayerischen Bestände ist somit real. Auch 2021 war der negative Bestandstrend ungebrochen. Bei keiner anderen Fledermausart ist in Bayern ein derartiger Rückgang zu verzeichnen“, fährt Zahn fort. Unklar sei allerdings, ob es sich um eine echte Abnahme handle oder ob die Entwicklung auf eine Verlagerung der Überwinterungsorte in Regionen weiter nach Norden und Nordosten als Folge des Klimawandels zurückzuführen sei, wie man es bei vielen Wasservogelarten und bei der Saatkrähe beobachtet. „Um dies beurteilen zu können, sind Daten zur Bestandsentwicklung in ganz Mitteleuropa nötig, die nicht vorliegen.“

Nur 233 Tiere fliegen aus

Der Abendsegler ist eine der größten Fledermausarten in Bayern, Waldkraiburg war lange Zeit eine Hochburg der Abendsegler. Noch vor elf Jahren wurden bei der „Volkszählung“ 850 von ihnen an den Hochhäusern im Süden Waldkraiburgs in Waldkraiburg gezählt. Aktuell waren es nur 233.

Abendsegler ernähren sich in erster Linie von Insekten, sind gesetzlich geschützt und finden oft auch an Gebäudefassaden Schlafplätze. Die Tiere spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem und helfen unter anderem in der Land- und Forstwirtschaft, Schädlinge zu reduzieren.