War Muharrem D. auf dem Weg zu einem Anschlag?

Viele offene Fragen zum mutmaßlichen "Bomber von Waldkraiburg"

Im Gespräch mit innsalzach24.de berichtet die Ex-Freundin von Muharrem D., wie sie den "Bombenleger von Waldkraiburg" erlebte.
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Im Gespräch mit innsalzach24.de berichtet die Ex-Freundin von Muharrem D., wie sie den "Bombenleger von Waldkraiburg" erlebte.

Waldkraiburg - Dieser Fall hat für die Region eine ganz besondere Dimension: Am Wochenende konnte der mutmaßliche Täter der Anschlagsserie von Waldkraiburg festgenommen werden. Dennoch gibt es viele offene Fragen.

Die Polizei ermittelt auf Hochtouren gegen den mutmaßlichen "Bomber von Waldkraiburg", wie sich der 25-Jährige Muharrem D. selbst bezeichnet. Wie hätte er die Rohrbomben gezündet? Warum hat er sich kein Zugticket gezogen? War er bei der Kontrolle durch die Bundespolizei schon auf dem Weg zu einem Anschlag? Diese und viele weitere Fragen gilt es nun zu klären. Wir haben beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd nachgefragt, wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist.


" Er hat keine konkreten Anschlagziele geäußert"

Wie die Rohrbomben gezündet worden wären, müsse vom Landeskriminalamt erst untersucht werden, "das ist Stand der Ermittlungen", so Martin Emig, Pressesprecher Polizeipräsidium Oberbayern Süd gegenüber innsalzach24.de. Auch warum er kein Zugticket gezogen hatte, müsse noch ermittelt werden. Wie er an das Bombenmaterial gekommen ist, dazu teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit, dass hierzu die Ermittlungen andauern. Ob es mit seiner Arbeit in einer Chemiefirma zusammenhängt, dazu wollte die Polizei am Dienstag keine Angaben machen, da man aktuell aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskünfte mehr zu dem Fall gebe.

"Ob der mutmaßliche Täter schon auf dem Weg zu einem Anschlag war, dazu haben wir keine Erkenntnisse", sagt Emig. "Er hat keine konkreten Anschlagsziele geäußert, nur dass er weitere Anschläge verüben möchte." Ob der 25-Jährige Kurde war, wollte die Polizei nicht konkretisieren. "Er ist in Altötting geboren, deutscher Staatsangehöriger und Sohn von türkischstämmigen Eltern." Die Generalstaatsanwaltschaft München teilt auf Nachfrage von innsalzach24.de hierzu noch ergänzend mit: "Nach den Angaben des Beschuldigten spielte das Verhältnis der PKK /Kurden zur Türkei bei der Tatmotivation keinerlei Rolle. Im Übrigen dauern die Ermittlungen insoweit an."


Bilder von der Anschlagserie in Waldkraiburg 

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"Er bezeichnete sich selber als IS-Kämpfer"

Im Rahmen der Ermittlungen zu den Anschlägen in Waldkraiburg sei man dem mutmaßlichen Täter noch nicht auf der Spur gewesen, so die Polizei. Ob er in Eigeninitiative gehandelt habe oder Kontakt zum IS oder irgendwelchen Hintermännern hatte, sei ebenfalls Umfang der Ermittlungen. "Das muss man jetzt in internationaler Zusammenarbeit mit anderen Behörden ermitteln. Momentan haben wir keine Erkenntnisse, dass es Hintermänner gab, aber das ist momentan der Stand und kann sich natürlich jederzeit ändern." Die Generalstaatsanwaltschaft München erklärt hierzu: "Bislang ist lediglich bekannt, dass er eine Nähe zur radikalen Szene des Islams hatte und sich selbst als „IS-Kämpfer“ bezeichnete.

Nur durch Glück entkam die Region einer Terrorwelle

Nur durch Glück und Zufall kam die Polizei Muharrem D. am Freitagabend auf die Spur. Ohne Ticket saß er mit einem Koffer im Zug von Garching nach Mühldorf. Dabei erwischt, übergab ihn die Kontrolleurin am Bahnhof Mühldorf an die Bundespolizei.

Großbrand in Waldkraiburg am 27. April

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Im Zuge seiner Vernehmung wurden die Beamten auf das Gepäck des jungen Mannes aufmerksam, in dem sich zwölf massive Rohrbomben und etwa 20 Kilogramm chemische Substanzen befanden. Der 25-Jährige räumte im darauffolgenden Verhör ein, dass er der Täter hinter der Anschlagserie auf insgesamt vier Geschäfte mit türkischen Inhabern sei.Er bekannte sich zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und gab als Tatmotiv Hass auf Türken an. 

Handydaten werden ausgewertet

Außerdem verriet er das Versteck weiterer Bomben und Sprengmaterials in seiner Wohnung sowie einer Tiefgarage in Garching an der Alz. Daraufhin wurden beide Orte von Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei untersucht. Derzeit werten die Ermittler unter anderem Handydaten des mutmaßlichen Täters aus. Auch weitere elektronische Datenträger werden untersucht. Die Beamten erhoffen sich nach Angaben vom Montag Hinweise auf weitere Hintergründe sowie mögliche Mitwisser oder mögliche Mittäter. Bisher gehen Polizei und Staatsanwaltschaft aber von einem Einzeltäter aus.

Die Polizei ist sich sicher, mit Muharrem D. den richtigen Mann geschnappt zu haben: "Er schilderte Details zu den Taten, die nur der Täter kennen kann", so die Ermittler.

jb

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