Auch bei Rathaus Frage nach Sanierung oder Neubau

"Das muss kein Zweckbau mit Blechfassade werden!"

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Auch beim Rathaus steht die Entscheidung zwischen Sanierung oder Neubau an. 
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Waldkraiburg - Am Dienstag setzte sich der Stadtrat nicht nur beim Waldbad, sondern auch beim Rathaus mit der Frage, ob eine Sanierung oder ein Neubau sinnvoller ist, auseinander. 

Dem Gremium wurde eine erweiterte Fassung der Präsentation, die schon der Haupt- und Finanzausschuss vor zwei Wochen zu sehen bekam, vorgestellt. Diese stellt die Ergebnisse eines von der Verwaltung beauftragten Gutachtens vor, das untersuchen sollte, ob eine Sanierung oder ein Neubau wirtschaftlicher ist. Dabei ging es aber erneut um die Klärung offener Fragen. Eine Entscheidung soll erst in einer Sondersitzung des Stadtrats getroffen werden, für die es aber noch kein Datum gibt. 

"Der Zustand wird immer schlechter", betonte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG), "Es kann sein, dass das Gebäude schon nach der nächsten Kontrolle gesperrt wird!" Er verwies erneut auf die zahlreichen Mängel des derzeitigen Gebäudes. Allen voran der Zustand der Tiefgarage, die notdürftig mit Baumstämmen abgestützt wird. Daneben aber auch der Zustand der Fassade und undichte Stellen im Dach. "Da müssen wir bei starken Regenfällen teilweise Eimer auftstellen!"

Ein Vertreter der mit dem Gutachten beauftragten VBD Beratungsgesellschaft für Behörden, welche zahlreiche Kommunen und öffentliche Einrichtungen berät, betonte, Grundlage für die Erstellung des Gutachtens seien neben Vorgaben zur Gestaltung öffentlicher Einrichtungen auch ein reicher Schatz an Erfahrungswerten und Daten aus ihrer bisherigen Arbeit gewesen. 

Alter (blau) und geplanter neuer Standort (rot),

Im Wesentlichen muss sich die Stadt zwischen einer Sanierung oder zwei möglichen Formen eines Neubaus des Rathauses entscheiden. Der Neubau würde auf einem Gründstück gegenüber dem Haus der Kultur an der Braunauer Straße errichtet werden. Die Stadtverwaltung erhofft sich davon die Schaffung eines neuen Stadtzentrums. "Der Gedanke ist nichts neues", betonte Bürgermeister Pötzsch und verwies auf frühere Überlegungen in diese Richtung.

Variante 1: Sanierung des Rathauses

  • Saniert werden müssten die Tiefgarage, die Fassade, die Dachfläche und Bürodecken, die EDV- und Elektroausstattung. Außerdem muss die Lüftungsanlage des Sitzungssaal erneuert, sowie die Hausmeisterwohnung und das Marketingbüro umgebaut werden.
  • Neben den Baukosten würden auch Kosten für einen Fachplaner entstehen.
  • Während der Sanierungszeit wäre nur ein eingeschränkter Rathausbetrieb möglich und es müsste ein teilweiser Ausweichbetrieb organisiert werden.
  • Das Rathaus hat mit seinen quadratischen Räumen eine ungünstige Grundrißgestaltung, außerdem ist es nur eingeschränkt erweiterbar.
  • Insgesamt würde eine Sanierung etwa 12.562.656 Euro kosten.

Variante 2: Neubau des Rathauses

  • Die Neubaukosten von 19.345.436 Euro bei einem gewerkweisen Neubau und 17.608.496 Euro bei einer Gesamtvergabe beinhalten die Baukosten inklusive der Tiefgarage und der Erstellung der Außenanlagen. Ebenso weitere Kosten z.B. für die Möblierung.
  • Bei einem gewerkweisen Neubau würde es vorab einen Planungswettbewerb geben. Danach würden die einzelnen Ausschreibungen und Vergaben gewerkeweise erfolgen.
  • Bei einer Gesamtvergabe würde es einen kombinierten Wettbewerb  geben. Das heißt, neben Planentwürfen würde die Stadt einen garantierten Pauschalfestpreis erhalten. Damit soll eine hohe Kosten- und Terminsicherheit gewährleistet sein.
  • Es würde eine Tiefgarage mit etwa 30 Stellplätzen und weitere oberirdische Stellplätze geschaffen. 

Der Ausweichbetrieb bei einer Sanierung war einer der Punkte in der folgenden Diskussion. Der Vertreter der VBD betonte, dieser sei insbesondere während der Fassaden-Sanierung unvermeidbar. Frieder Vielsack (UWG) wollte wissen, wie dies genau bewerkstelligt werden solle. "Kommt dann ein Container-Dorf auf den Sartrouville-Platz?" Bürgermeister Pötzsch betonte, Container seien nur eine Möglichkeit, es sei beispielsweise auch eine Anmietung leerstehender Gewerbeflächen in der Nähe des Rathauses vorstellbar.

CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Sterr merkte an, man könne während des Ausweichbetriebs auch sonst getrennt arbeitende Mitarbeiter in gemeinsamen Räumlichkeiten unterbringen, um Platz zu sparen. Dem entgegnete Pötzsch, dies sei aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht immer möglich. Sterr und andere kritisierten außerdem, wie schon in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, unter anderem, die Finanzierung beruhe im Wesentlichen auf dem Verkauf des bisherigen Rathaus-Geländes. Dafür sei aber noch keinerlei Konzept vorhanden. 

Fischer: Wäre schade um schönes, altes Rathaus

Auf Nachfrage Sterrs räumte der Vertreter der Beratungsgesellschaft ein, es gäbe noch keine konkreten Pläne für die Gestaltung des Neubaus. Dabei müsste aber die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen. So könnte das gleiche Angebot auch auf einer deutlichen kleineren Fläche untergebracht werden. "Trotzdem muss das kein Industrie-Randlage-Zweckbau mit Blechfassade werden!"

"Ich bin froh, dass wir heute nicht auch noch darüber entscheiden müssen", betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Fischer."Es wäre sehr schade, wenn unser schönes, altes Rathaus abgerissen werden müsste", klagte er. Die Finanzierung müsse in jedem Fall auch seiner Ansicht nach gründlich geprüft werden und gesichert sein. 

SPD-Stadtrat Alexander Will kritisierte, dass beim Neubau umfangreiche Flächen für die Lagerung von Akten vorgesehen sind. "Das würde einen Batzen Geld kosten!" Bürgermeister Robert Pötzsch entgegnete, die Digitalisierung im Verwaltungsbereich sei leider noch nicht genug fortgeschritten um als Lösung zu dienen. Die entsprechenden Räumlichkeiten könnten aber nach Ende der Aktenlagerung auch für Büros genutzt werden. 

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