Ergebnisse des ISEK wurden vorgestellt

Neue Identität als "grüne" Stadt mit mehr Gastronomie?

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Waldkraiburg braucht eine eigene Identität, wie Mühldorf mit seiner historischen Altstadt, wie die ISEK-Planer finden. 
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Waldkraiburg - Seit 2016 laufen die Projekte und Untersuchungen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK). In der jüngsten Stadtratssitzung stellten die Planer ihre Ergebnisse vor.

Dem Stadtrat wurden in seiner jüngsten Sitzung die Ergebnisse und Erkenntnisse des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) durch zwei Vertreter der beauftragten Planungsbüros vorgestellt. Es soll nun als Grundlage für die zukünftigen Entscheidungen zur Stadtentwicklung herangezogen werden. Außerdem beschloss der Rat einstimmig, die Verwaltung zu beauftragen, das Verfahren zur Festlegung des Stadtumbaugebiets das im ISEK herausgearbeitet wurde, einzuleiten. Dazu sollen zunächst die Betroffenen sowie die Träger öffentlicher Belange informiert werden. Außerdem wurde die Laufzeit des bestehenden Sanierungsgebiets "Stadtkern Waldkraiburg" um 15 Jahre verlängert. 

Waldkraiburg soll eigene Identität bekommen

Alle Ergebnisse des ISEK finden Sie hier

"Was wäre die wichtigste Maßnahme für eine Belebung der Innenstadt, angenommen Geld würde keine Rolle spielen?", wollte SPD-Fraktionssprecherin Susanne Engelmann von den beiden Vertretern der ISEK-Planungsbüros wissen. "Eine eigene Identität, auch beim Angebot des Einzelhandels müsste her", erläuterte Prof. Dr. Vossen vom Institut für Stadt- und Regionalmanagement, "Mühldorf beispielsweise glänzt ja mit seiner historischen Altstadt. Waldkraiburg könnte ein sehr grünes Stadtbild und ein stark gastronomisch geprägtes Angebot bekommen." Finanziert werden könnte dies durch einen Investor. Die notwendige Kaufkraft sei bereits vorhanden, es müsse nur ein Konzept geben, das verhindert, dass diese abwandert. "Dazu müsste man eine realistische Vision entwickeln und potenziellen Investoren präsentieren." 

Fünf Handlungsfelder gibt es in Waldkraiburg aus Sicht der Verantwortlichen des Städtebauförderprogramms.

Bei der Frage nach der Zukunft des Rathauses wollten sich sowohl Vossen als auch Martin Birgel, geschäftsführender Gesellschafter bei der Stadtplanungsfirma Dragomir nicht festlegen lassen. "Wir haben verschiedene Szenarios erarbeitet", So Birgel, "Sowohl ein Abriss des Rathauses und eine vollständige Umwandlung des Stadtzentrums zum Einkaufsbereich, als auch beispielsweise sein Erhalt und nur ein Abriss und Neubau der Tiefgarage wären vorstellbar." Eine wichtige Maßnahme wäre außerdem die Schaffung des Postens einer Art "Quartiermanagers", welcher die Interessen des Einzelhandels stärke und diesen nach außen vertrete. Dies würde dann auch sehr viel spezialisiertere Aufgabenfelder umfassen als das im Jahr 2016 abgeschaffte Stadtmarketing.

ISEK läuft seit 2016

Die Stadt hatte im August 1993 die Satzung über das Sanierungsgebiet "Stadtkern Waldkraiburg" erlassen. Seitdem wurden im Stadtzentrum mehrere Maßnahmen mit Hilfe der Städtebauförderung umgesetzt. Zur Überprüfung der städtebaulichen Situation und zur Erarbeitung eines integrierten Gesamtkonzepts war die Stadt aufgefordert worden, ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) zu erarbeiten. Der Stadtrat beschloss deshalb Mitte März 2015, das ISEK durch zwei Planungsbüros durchführen zu lassen. Ende März 2016 präsentierten diese ihr Inhalte und Vorgehensweisen dem Stadtrat.

Aus dem Archiv:

ISEK-Planungswerkstatt: Bürger diskutieren über Zukunft der Stadt 

Das ISEK wurde unter Begleitung des dafür eingerichteten Steuerkreises aus Vertretern des Stadtrats und lokaler Akteure erarbeitet. Darüber hinaus wurden die Bürgerinnen und Bürger in insgesamt drei Beteiligungsveranstaltungen im April 2016, Juli 2017 und Oktober 2017 intensiv in den ISEK-Prozess mit eingebunden. Die Beteiligungsformate, ein mobiler Stand und zwei Planungswerkstätten, wurden bewusst gewählt um zu gewährleisten, dass möglichst viele Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Im ISEK sind für die Gesamtstadt Waldkraiburg sowie für die Ortsteile die Stärken und Schwächen in einer querschnittsbezogenen Analyse aller relevanten Fachbereiche herausgearbeitet und darauf aufbauend die Ziele für die zukünftige Stadtentwicklung abgeleitet. Diese wurden durch das Planungsteam Mitte Februar 2017 im Stadtrat vorgestellt.

Rein informelle Planung

Im Rahmen des ISEKs wurden für die Umsetzung der Ziele und Konzepte die hierfür erforderlichen Maßnahmen erarbeitet und in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst. Die Maßnahmen sind mit einer Priorität, einem Zeithorizont, einer groben Kostenschätzung und Fördermöglichkeiten hinterlegt. Der Maßnahmenkatalog soll dabei eine Entscheidungshilfe für die weiteren Schritte sein. Für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen sind jeweils eigene Stadtratsentscheidungen erforderlich. 

Auf der Bürgerversammlung Mitte März fand der Stand zum ISEK reichliches Interesse.

Das ISEK stellt eine informelle Planung dar. Es definiert den Rahmen für die zukünftige angestrebte Entwicklung der Stadt Waldkraiburg. Das ISEK selbst hat keine planungsrechtliche Verbindlichkeit. Entsprechende Regelungen müssen über nachgeordnete Bauleitplanverfahren oder andere kommunale Satzungen getroffen werden.Die Ergebnisse des ISEKs zeigen, dass innerhalb und außerhalb des bereits bestehenden Sanierungsgebiets erhebliche städtebauliche Missstände bestehen. Aufgrund dessen wird vorgeschlagen, das bestehende Sanierungsgebiet in seiner Laufzeit um 15 Jahre zu verlängern, sowie für weitere Bereiche ein Stadtumbaugebiet festzulegen.

Viele Möglichkeiten und Probleme entdeckt

"Insgesamt wurden zahlreiche Defizite und Verbesserungsbedürfnisse festgestellt", erläuterte Dragomir-Geschäftsführer Martin Birgel,  "Beispielsweise wo es zu Konflikten zwischen gewerblicher und wohnlicher Nutzung in manchen Gegenden kommt oder Lücken im Geh- und Radwegnetz." Auch Wachstumsprognosen seien erstellt und unter anderem Überlegungen angestellt worden, wo bei welcher weiteren Bevölkerungsentwicklung noch Flächen für den Wohnungsbau vorhanden seien. 

Waldkraiburgs positive Aspekte der Bestandsanalyse.

Auch die Lage des Einzelhandels wurde unter die Lupe genommen. "Dabei wurde vor allem deutlich, dass es zwar ein breites Angebot an Nahrungs- und Genussmitteln gibt. Dieses nimmt etwa 15.656 Quadratmeter an Fläche ein, was etwa 73 Prozent der gesamten vom Einzelhandel beanspruchten Fläche entspricht", erläuterte Prof. Dr. Vossen dem Stadtrat, "Dagegen beispielsweise bei Bekleidung, Schuhen, Lederwaren und anderen klassischen 'Shopping'-Produkten gibt es einen enormen Mangel!" Umfragen hätten ergeben, dass auch viele Waldkraiburger dies so wahrnehmen. 

Waldkraiburgs positive Aspekte der Bestandsanalyse.

Ein weiteres erhebliches Problem seien beispielsweise auch sogenannte Trading-Down-Effekte. Dies bezeichnet in der Raumplanung den für ein Stadtteilzentrum typischen Entwicklungstrend vom vollständigen Angebot mit pulsierendem Leben zu zunehmenden Leerständen inklusive ausbleibender Kundschaft. "Zur Lösung dieser Probleme haben wir verschiedene Ansätze erarbeitet, wie eine größere Konzentration auf lokale Kunden oder Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthalts- und Erlebnisqualität beim Einkauf." 

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