Am Ende Entscheidung für Neubau

Stadtrat debattierte heftig über Zukunft des Waldbads

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Das Waldbad ist dringend sanierungsbedürftig.
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Waldkraiburg - Nach einer hitzigen und emotionalen Debatte hat sich der Stadtrat nun festgelegt, wie es mit dem Waldbad weitergehen soll. Es wurde heftig debattiert.

Update, Mittwoch, 10.20 Uhr: 

Denkbar knapp, mit 16 zu 15 stimmen sprach sich der Stadtrat für die Variante von Abriss und Neubau aus. Dabei stimmten jeweils die Stadträte von UWG und CSU geschlossen dafür beziehungsweise dagegen. Bei der SPD sprachen sich nur Susanne Engelmann, Andreas Knoll und Gerd Ruchlinski für den Neubau aus. CSU und SPD kündigten ein Bürgerbegehren gegen den Neubau an. 

Die Erwartungen bezüglich des Interesses an der Sitzung erfüllten sich. Zahlreiche Waldkraiburgerinnen und Waldkraiburger verfolgten die Sitzung im Rathaussaal und auf den Plätzen im Foyer. Außerhalb des Saals wurde die Sitzung in Bild und Ton auf großen Bildschirmen übertragen, eine Aufzeichnung fand aber nicht statt. Die Zuschauer im Saal begleiteten die Diskussion immer wieder mit Jubel aber auch Zwischenrufen. Letzteres führte zu wiederholten Ermahnungen von Stadträten der UWG und Bürgermeister Pötzsch, welche immer wieder in ihren Beiträgen gestört wurden.

Bilder von der Stadtratssitzung am Dienstagabend

Bürgermeister Pötzsch erklärte vor Eröffnung der Diskussion, bei der jeder der anwesenden Stadträte zu Wort kam, seine Freude über das enorme Interesse an diesem Thema. Er wiederholte dann im Wesentlichen noch einmal seine Argumentation für Abriss und Neubau aus dem Haupt- und Finanzausschuss. Dabei betonte er unter anderem die Wichtigkeit interkommunaler Zusammenarbeit, wie sie hier mit Aschau zusammen geschehen soll. Weiterhin betonte er, dass der Neubau eine Lösung darstelle, welche künftige Generationen am wenigsten belasten würde.

Auch von Seiten der CSU und Teilen der SPD wurden zunächst vor allem deren Argumente aus der Ausschusssitzung wiederholt. Unter anderem, dass die Finanzierung ihrer Ansicht nach fragwürdig sei. Diese beruhe zu sehr darauf, den Eigenbetrieb der Stadtwerke zu belasten und verlasse sich zu sehr auf den Verkauf des Grundstücks. Weiterhin könne die Sanierung auch über mehrere Jahre hinweg in den Monaten, in denen kein Betrieb stattfindet, erledigt werden. Zuletzt sei die zu erwartende mehrgeschossige Wohnbebauung auf dem bisherigen Waldbad-Grundstück für die Stadtentwicklung nicht wünschenswert. 

Daneben führten sie aber auch an, dass die geplante Anlage des neuen Bades, insbesondere die Anordnung von Parkplätzen und Bad auf zwei Seiten der Staatsstraße problematisch sei. Weiterhin sei der Flächenverbrauch und die notwendige Abholzung von Waldflächen kritisch zu sehen. Insbesondere verwehrten sich die Befürworter einer Sanierung des Vorwurfs von Bürgermeister Pötzsch, ihre Haltung sei politisch motiviert und nicht faktenorientiert. 

Teilweise wurden den Befürwortern des Neubaus heftige Vorwürfe gemacht. Die geplante Bürgerversammlung am 21. Februar habe schon vor der Abstimmung stattfinden müssen, wurde häufig angeführt. Unter anderem behauptete daneben Rainer Zwiselsperger (CSU), sowohl der Kämmerer als auch zahlreiche städtische Angestellte hätten einen "Maulkorb" verpasst bekommen. Weitere CSU-Stadträte betonten, es verwundere sie, dass der für die Planungen verantwortliche Architekt nicht anwesend sei. Die UWG und Bürgermeister Pötzsch verwehrten sich wiederum gegen diese Vorwürfe. Bei vorherigen Projekten sei eine Anwesenheit des Architekten auch nicht verlangt worden. 

Auch auf die besondere Bedeutung des Bads für viele Waldkraiburger verwiesen die Redner von CSU und SPD erneut. Insbesondere diese Beiträge wurden von enthusiastischem Applaus von den im Saal anwesenden Zuschauern begleitet. "Lassen Sie es mich deutlich sagen: Es gibt in Waldkraiburg wenige Standorte, die für uns so wichtig sind!", betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Fischer. Auch einige Redner der UWG verwiesen auf ihre Verbundenheit mit dem Bad. Trotzdem sei aber die Notwendigkeit für den Neubau schwerer wiegend. 

"Jetzt einfach an den Berechnungen zur Finanzierung zu zweifeln ist ein Totschlagargument", betonte Susanne Engelmann (SPD). Sie verwies wie viele andere Befürworter darauf, der Neubau sei die langfristigere und zukunftsorientiertere Lösung. Ulli Maier (UWG) verwies auf die gesunkenen Besucherzahlen des Bads in den letzten Jahren. Dem Gegenargument aus den Reihen der CSU, diese seien in den Öffnungszeiten begründet, schlossen sich die UWG-Stadträte nicht an. 

Update, Dienstag 22.30 Uhr: Stadtrat stimmt für Neubau

Über drei Stunden wurde diskutiert im Stadtrat Waldkraiburg. Nun steht fest: Das Waldbad soll neu gebaut werden, in Kooperation mit der Gemeinde Aschau. Die Entscheidung fiel denkbar knapp aus, mit 16 zu 15 Stimmen wurde für "Variante 3" gestimmt.

Allerdings muss nun natürlich auch der Aschauer Gemeinderat grünes Licht geben für das Vorhaben.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie morgen auf innsalzach24.de!

Der Vorbericht: 

Wird es wieder einen solchen Ansturm geben, wie am Dienstag vor zwei Wochen? Die Plätze wurden im Rathaussaal knapp, als beinahe 200 Waldkraiburgerinnen und Waldkraiburger die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses verfolgten. Einige von ihnen mussten sogar in das Foyer ausweichen, da aus brandschutztechnischen Gründen nicht alle Zuhörer in den Raum gelassen werden konnten. "So ein großes Interesse hat es schon lange nicht mehr gegeben", bemerkte ein altgedienter Stadtrat begeistert. Am Ende sprach sich das Gremium mit einer knappen Mehrheit für die Variante eines Abriss und Neubau in Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Aschau am Inn aus. Dies vor allem mit den Stimmen der UWG, zu der auch Bürgermeister Robert Pötzsch gehört. Auch er befürwortet diese Variante.

Im Rathaussaal wurde bei der Ausschussitzung der Platz knapp, manche mussten sie vom Gang aus verfolgen.

Nun muss am Dienstagabend noch der Stadtrat darüber entscheiden. Daneben stehen noch eine ganze Reihe weiterer wichtiger Themen zur Beratung an, wie die Zukunft des Rathauses, bei der es ebenfalls um Sanierung oder Neubau geht, oder das Straßenbauprogramm für 2018. Diesmal hat sich die Verwaltung auf ähnliches Interesse wie bei der Ausschusssitzung vorbereitet. Weil keine größeren Räumlichkeiten gefunden werden konnten, soll die Ratssitzung per Lautsprecher auch in das Foyer übertragen werden. Zur Abstimmung werden erneut die drei möglichen Varianten stehen:

  • Variante 1, die keinerlei Zustimmung findet: Die Vollsanierung des Bades im vorhandenen Umfang und dem gegebenen Angebot. Die Stadt müsste hierbei von den Gesamtkosten von 9.350.000 Euro insgesamt 7.350.000 Euro tragen. 
  • Variante 2, für die vor allem CSU und Teile der SPD in der Aussschussitzung waren: Die Teilsanierung und ein Teilneubau des Bades auf dem bisherigen Gelände mit einem verringerten Angebot. Dabei würden unter anderem das Sprung- und das Wellenbecken ersatzlos entfallen. In diesem Fall müsste die Stadt 4.820.000 Euro der 6.820.000 Euro Gesamtkosten tragen. 
  • Variante 3, für die sich der Haupt- und Finanzausschuss aussprach: Der Neubau an einer anderen Stelle mit einem verringerten Angebot in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Aschau. In diesem Fall müsste die Stadt 4.640.000 Euro der 10.490.700 Euro Gesamtkosten tragen.

Sollte sich der Rat dem Haupt- und Finanzausschuss in seiner Entscheidung für die dritte Variante anschließen, fehlt aber noch eine Entscheidung aus Aschau. Dessen Bürgermeister Alois Salzeder (AWG) hatte erklärt, in nichtöffentlicher Sitzung habe sich der Gemeinderat bereits dafür ausgesprochen, unter dem Vorbehalt, dass es bei Kosten in der bekannten Größenordnung bleibt. Diese sollen entsprechend der Bevölkerungszahl ein Siebtel der Baukosten und des Betriebsdefizits betragen. In der nächsten Ratssitzung am 20. Februar soll voraussichtlich in Aschau entschieden werden, so das Gemeindeoberhaupt.

Hier soll das Waldbad neu entstehen.

In Waldkraiburg soll es außerdem einen Tag darauf, am 21. Februar, eine Sonder-Bürgerversammlung geben. Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) sprach sich in seiner Einladung dazu noch einmal für die, von ihm bevorzugte, Variante eines Abriss und Neubaus aus. Diese sei die einzig zukunftsorientierte Lösung.

Auch der Kreisverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) veröffentlichte eine Stellungnahme. Der Wille zum Erhalt eines Freibades sei, angesichts des sogenannten "Bäder-Sterbens" in Oberbayern nicht selbstverständlich und den Verantwortlichen hoch anzurechnen, so die DLRG. Die Lebensretter betonten die Bedeutung öffentlicher Bäder für die eigene Nachwuchsausbildung und vor allem die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen. "Insofern müssen, auch wenn der Standort der Neubau-Variante nicht ideal ist, alle Varianten objektiv und sachlich mit ungeschönten Zahlen abgewogen werden", so die DLRG.

Auch unsere Leser bekundeten auf verschiedene Weise ihre Meinung zur Zukunft des Bades. Einerseits stimmte in einer Umfrage auf unserem Portal eine Mehrheit für die Variante von Abriss und Neubau. Andererseits bekundeten vor allem auf Facebook viele von ihnen ihre Verbundenheit mit dem alten Bad. "Das Waldbad begleitete mich in meiner Kindheit und Jugend", schrieb beispielsweise eine Leserin, "Nun gehe ich selbst mit meinen Kindern dort hin." Sie sei gegen den Abriss und Neubau. "Schließlich gehört es zu Waldkraiburg und zwar genau da, wo es jetzt ist." 

Das Ergebnis der Abstimmung:

Auch in der Ausschusssitzung vor zwei Wochen beriefen sich die Befürworter die Gegner des Neubaus, neben beispielsweise Unklarheiten der Finanzierung, vor allem auf die Bedeutung des alten Waldbads für die Waldkraiburgerinnen und Waldkraiburger.

Wichtiger Teil der Stadtgeschichte - doch für Sanierung fehlt Geld

Das Waldbad besteht als Einrichtung bereits seit den 1950er Jahren. In seiner jetzigen Form wurde es 1972 als Trainingsstätte für die olympischen Sommerspiele in München errichtet. Angesichts des verhältnismäßig jungen Alters der Stadt gehört es damit zu den ältesten Anlagen der Stadt und stellt einen wichtigen Teil von deren Geschichte da.

Doch das Bad hat damit nun auch mehr als 40 Jahre auf dem Buckel und auf Grund der klammen Kassen der Stadt einen enormen Sanierungsrückstau. Derzeit kostet es jährlich etwa 80.000 Euro, es für den Sommer fit zu machen. Bereits im April 2017 war klar geworden, dass die Stadt sich zwischen Neubau und Sanierung entscheiden werden muss.

Das Bad steht, wie beispielsweise auch das Eisstadion und andere städtische Betriebe, seit deren Gründung im Jahr 2000 unter Verwaltung der Stadtwerke. Diese beklagen, dass sie seit der Liberalisierung der Energiemärkte 2013 massive Einnahmeverluste hinnehmen mussten. Sie können weder das enorme Betriebsdefizit noch eine Sanierung finanzieren.

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