Zukunft von Diesel- und Franz-Liszt-Schule

"Wir haben jetzt zwei gesunde Schulen! Wollen Sie das riskieren?"

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Zahlreiche Besucher verfolgten die Stadtratssitzung am Dienstag, als es um die beiden Mittelschulen ging.
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Waldkraiburg - Sichtlich zahlreiche Waldkraiburg bewegt die Zukunft der Franz-Liszt- und der Dieselschule. Die war am Dienstag Thema im Stadtrat.

Der Stadtrat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, mit sieben Gegenstimmen überwiegend aus der CSU-Fraktion, gemäß einer Entwicklungsstudie die Variante einer Verlegung beider Mittelschulen an den Standort Dieselstraße weiter zu verfolgen und die entsprechenden Vereinbarungen unter der Berücksichtigung des vorliegenden Wertgutachtens und der Fördermöglichkeiten, gemeinsam mit dem Landratsamt auszuarbeiten. 

Nun muss sich noch der Kreistag mit dem Thema befassen.

Zahlreiche Besucher verfolgten die Stadtratssitzung am Dienstag, als es um die beiden Mittelschulen ging.

Bei manchem Stadtrat dürfte Erinnerungen an die Ausschuss- und Stadtratssitzungen zum Thema des Waldbads wach geworden sein. Zahlreiche Zuhörer verfolgten am Dienstag die Stadtratssitzung mit, Plätze wurden knapp. Sowohl Schüler als auch Eltern der beiden Mittelschulen waren gekommen. 

Bereits seit März Thema

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Der aktuelle Stand bei der Förderschule und der Außenstelle Starkheim

Bereits auf der Sitzung des Kreistags im März war beschlossen worden, dass ein Konzept für den Schulstandort Dieselstraße erarbeitet werden soll. Aufgrund unterschiedlicher Erweiterungsnotwendigkeiten und anstehender Modernisierungen an den Schulstandorten Dieselstraße und Franz-Liszt-Straße wurde ein Architekturbüro beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zur optimalen Verteilung und Zusammenlegung der unterschiedlichen Schulstandorte zu erstellen. 

Zahlreiche Besucher verfolgten die Stadtratssitzung am Dienstag, als es um die beiden Mittelschulen ging.

"In einem gemeinsamen Arbeitsgespräch mit dem Landkreis Anfang Mai wurden erstmals die gemeinsamen Entwicklungen und bestehenden Raumprogramme verwaltungsintern besprochen", so Waldkraiburgs Erster Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). In der Folgezeit seien die möglichen Varianten inklusive der Kosten im Rahmen der Vorstudie erarbeitet und ein Wertgutachten der Diesel- und Franz-Liszt-Schule beauftragt worden.

Die vollständige Studie:

Die Entwicklungsstudie zu Förder- und Mittelschulen

Die Kosten von Studie und Gutachten werden zwischen Stadt und Landkreis geteilt.

Fünf Varianten

Im Wesentlichen hat die Studie folgende mögliche Varianten untersucht:

  • Variante A: Bündelung der Mittelschulen und Förderschule am Standort Dieselstraße und Abbruch der Franz-Liszt-Schule. Die Variante wurde verworfen, da keine Flächenreserven und Außensportflächen vorhanden sind.
  • Variante B: Nutzung der freien Flächen der Dieselschule für die Förderschule und Beibehaltung der Franz-Liszt-Schule. Auch diese Variante wurde, wegen der unvorteilhaften Mischnutzung der unterschiedlichen Sachaufwandsträger und der teuren Zwischennutzung verworfen.
  • Variante C: Beide Mittelschulen bleiben eigenständig und werden an den Standort Dieselstraße verlegt. Die Förderschule würde in der Franz-Liszt-Schule untergebracht.
  • Variante C1: Die Außenstelle Starkheim wird am Standort Dieselstraße untergebracht. Vorteil wäre eine bessere Inklusion, Nachteil eine Mischnutzung und Kosten.
  • Variante D: Die Förderschule zieht in die Dieselschule und die Mittelschule werden am Standort Franz-Liszt-Straße zusammengefasst. Nachteile sind dabei die Verkehrssituation in Waldkraiburg-Süd und der zusätzliche Raumbedarf. Flächen für eine Grundschulerweiterung bis 2020 können nicht realisiert werden.

Verwaltung favorisiert Variante C

"Aufgrund der Abwägung kommen aus Sicht der Verwaltung die Varianten C und C1 in Betracht", erläuterte Stadtbau-Geschäftsführer Götz Kessler. 

Kostenmäßig würde sich dies wie folgt ergeben:

  • Variante C: Für die Stadt etwa 5.870.000 Euro und für den Landkreis 15.920.000 Euro für Erweiterung, Umbau, Sanierung und Erschließung.
  • Variante C1: Für die Stadt etwa 5.870.000 Euro und für den Landkreis etwa 18.362.000 Euro für Erweiterung, Umbau, Sanierung und Erschließung.
  • Für den Grundstücks- und Gebäudetausch müsste laut dem Gutachten der Landkreis an die Stadt etwa zwei Millionen Euro ausgleichen. Ersatzweise könnte das künftige Grundstück des Landkreises von der Stadt als Erbpachtgrundstück vergeben werden. Die jetzige Förderschule ist bereits ein solches.

"Grundsätzlich würde sich die Stadt die Sanierungskosten für die Franz-Liszt-Schule sparen, haushaltstechnisch waren bis dato allerdings nur Planungskosten im Finanzplan vorgesehen", so Kessler, "Bei einem Gebäudetausch wie in den Varianten C und C1 vorgesehen, würden die Kosten der Stadt 2019 bis 2021 im Haushalt vorgesehen werden. 

Die von der Verwaltung favorisierte Variante C.

Auch ein erster, grober Zeitplan liege schon vor. Als Übergangslösung für die Franz-Liszt-Schüler würde von September 2021 bis Juli 2024 eine temporäre Modulschule eingerichtet. Der Umbau der alten Förderschule würde von August 2023 bis August 2024 stattfinden. Die Generalmodernisierung der Franz-Liszt-Schule würde von September 2021 bis August 2023 stattfinden.

Schulleiter Ruß: Aus pädagogischer Sicht schlechte Idee

Doch auch Alexander Ruß, der kommissarische Schulleiter der Franz-Liszt-Schule kam, stellvertretend für die Leitungen beider Mittelschulen, zu Wort. Er kritisierte, er könne zwar die Wirtschaftlichkeit der Variante C nachvollziehen, diese sei aber aus pädagogischer Sicht schlecht. Unter anderem merkte er an, dass bei der Zusammenlegung beider Schulen dann 600 Mittelschüler an einem Standort wären. "Beispielsweise gegen Mobbing können wir derzeit noch schnell und effizient vorgehen. Das würde sich ändern." 

Die von der Verwaltung favorisierte Variante C.

Weiterhin bemängelte er noch, unter anderem, fehlende Entwicklungsflächen. "Wir haben jetzt zwei gesunde Schulen! Wollen Sie das riskieren?", schloß er seinen Vortrag. Wie auch durch Ruß, so wurde auch durch zahlreiche Stadträte kritisiert, dass die Schulleitungen erst spät informiert worden seien. 

Kessler: Modulschule kein Containerbau

Bürgermeister Robert Pötzsch betonte, das Schulamt sei in die bisherigen Vorplanungen mit einbezogen und habe seine Zustimmung bekundet. "Wir werden dann ohnehin gemeinsam mit den Schulleitungen und Elternbeiräten die genauere Planung erarbeiten und auf Wünsche und Besonderheiten eingehen können." CSU-Fraktionssprecher Anton Sterr betonte, dies sei von höchster Wichtigkeit. 

Der mögliche Zeitplan des Projektablaufs.

"Wir sind hier in einem Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und pädagogischen Ansprüchen", bemerkte SPD-Fraktionssprecherin Susanne Engelmann. Auf ihre Nachfrage hin betonte Stadtbau-Geschäftsführer Kessler, die "Modulschule" sei keinesfalls ein Container-Bau sondern im Grunde ein vollwertiges Gebäude, das aber aus Bau-Modulen zusammengefügt sei. 

Kessler: Geht um relative Vorteilhaftigkeit

Weiterhin betonte Kessler, auf Nachfrage von Zweitem Bürgermeister Richard Fischer (SPD): "Ich würde lügen und es wäre unfachlich zu sagen, dass die Zahlen die wir jetzt haben, auch am Schluss zutreffen werden. Es ging bei der Studie rein um die relative Vorteilhaftigkeit einer Variante. Wenn sich Kosten erhöhen sollten, heißt das dann nicht automatisch, das eine Variante besser wäre!"

UWG-Stadtrat Michael Steindl betonte, die Handlungsnotwendigkeit liege nun vor allem vor, weil der Landkreis keine neuen Räumlichkeiten für die Außenstelle Starkheim der Förderschule gefunden habe. "Jetzt wurde unserer Verwaltung der Schwarze Peter zugeschoben. Ich verstehe jeden, der die Franz-Liszt-Schule erhalten will, aber das wäre nur möglich gewesen, wenn der Landkreis früher vernünftig geplant hätte." 

Sein Fraktionskollege Christoph Vetter kritisierte an Ruß' Ausführungen, dass Gymnasium und Realschule sehr wohl mit Schülerzahlen wie bei der Zusammenlegung der beiden Mittelschulen an einem Standort zurechtkämen. "Wir hatten leider nur eine knappe Vorbereitungszeit, daher konnte ich mir das nicht anschauen und daher dazu auch keine Aussage treffen", entgegnete dieser. 

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