Leiter der Stadtentwicklungsabteilung antwortet

Warum wird in Waldkraiburg scheinbar jeder Quadratmeter bebaut?

+
  • schließen

Waldkraiburg - Einige unserer Leser sehen die intensive Nutzung von Freiflächen in der Stadt kritisch. Wir haben uns zu den Hintergründen erkundigt.

Der Bericht auf innsalzach24.de über die Pläne für das Areal westlich und östlich der Priesnitzstraße rief durchaus Fragen bei unseren Lesern auf. "Muss denn wirklich jeder Quadratmeter zugepflastert werden?", schreibt "Saskia17" beispielsweise. "Betonkraiburg macht seinem Namen wieder alle Ehre", schreibt Sandy P. auf Facebook. 

Auch in einer Umfrage erklärten 53 Prozent der Befragten, dass ihnen die Pläne für das Areal nicht gefallen:

ISEK Grundlage für Vorgehen

Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungs- und Bauabteilung

Warum wird in Waldkraiburg offenbar so intensiv jede freie Fläche genutzt? Wir haben Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungs- und Bauabteilung dazu befragt.

"Im Jahre 2015 hat die Stadt ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) in Auftrag gegeben", erläutert Schwunck. "In den Folgejahren bis 2018 erfolgte eine vollumfängliche Bestandsaufnahme der Stadt, unter anderen der siedlungsrelevanten Aspekte wie Bevölkerungsentwicklung, Natur, Verkehr, Freizeit und Gewerbe sowie die Belange des Einzelhandels." Diese Aspekte und Ziele seien anschließend miteinander abgewogen worden.

Die Variante II für das Areal an der Priesnitzstraße, für die sich das Gremium aussprach

Das ISEK sei hinsichtlich der demographischen Entwicklung zu dem Ziel gekommen, dass bis 2030 die Einwohnerzahl um 1.000 auf etwa 24.400 Einwohner steigen werde. "Schon jetzt, 2019 sind die Einwohnerzahlen auf etwa 25.000 Einwohner angestiegen." Neben Zuzügen, vor allem aus dem Münchner Raum, würden die steigenden Einwohnerzahlen aufgrund der Familienentwicklungen und dem Zuzug von Arbeitskräften der wachsenden Wirtschaft zugeschrieben. "Wesentlich für die zukünftige Entwicklung von Waldkraiburg ist vor allem die Betrachtung innerörtlicher Baupotenziale und Nachverdichtung." Die Außenbereiche und relevanten Grünzüge seien im Gegenzug nach Möglichkeit zu schützen. Je nach Verdichtungsziel seien etwa 19 bis 28 Hektar Fläche für das Siedlungsaufkommen notwendig. 

Im gesamten Landkreis Mühldorf am Inn waren zum Stichtag 31. Dezember 2016 8610,08 Hektar Fläche für Siedlungen und Verkehrsflächen genutzt worden. Der tägliche Flächenverbrauch betrug 0,08 Hektar.

Verdichtung kann Bedarf nicht decken

"Alleine durch Verdichtung können nur 46 bis 68 Prozent der Flächen gedeckt werden. Die restlichen Flächen müssen aus neu entwickelten Flächen resultiere", berichtet Schwunck, "Sollte es nicht gelingen eine genügende Anzahlsiedlungsflächen zu schaffen, könnte sowohl der Einzelhandel als auch die Industrie und das Gewerbe nachhaltig in ihrer Entwicklung eingebremst werden."

Jede unbebaute Fläche, die neu versiegelt wird, sei ökologisch zu bewerten und in der Regel mindestens 1:1 an einer anderen Fläche auszugleichen. "In Waldkraiburg heißt das in der Regel den Ausgleich von Wald 1:1 zu tätigen." Hierfür habe die Stadt bereits mit 5,6 Hektar Fläche vorgesorgt.

Nachverdichtungspotenziale sollen genutzt werden

Die Stadt versuche, die größtmöglichen Nachverdichtungspotenziale unter der Berücksichtigung sozialer Spannungsfelder durch die Nachverdichtung zu nutzen und nur solche Flächen zu nutzen, die bereits an Erschließungsflächen liegen. "Grundsätzlich ist das Wachstum Waldkraiburgs durch natürliche Grenzen in Form von Bannwald, Schutzzonen und den Nachbargemeinden deutlich begrenzt."  

Der Flächenverbrauch lasse sich durch die Aufstockung von bestehenden Gebäuden beziehungsweise mehrfachgeschossige Neu- und Ersatzneubauten nicht vermeiden aber einschränken. "Die letzten großen Bauvorhaben, wie beispielsweise am Iserring, in der Berliner Straße, auf dem Konen-Gelände und auch die aktuellen Ausweisungen im Bereich der Prießnitzstraße zielen alle in diese Richtung."

Zurück zur Übersicht: Waldkraiburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser