"Vom Bunker zur Erlebnisstadt"

Slogan verfehlt? Was Waldkraiburg nach Ansicht der Bürger fehlt 

+
  • schließen

Waldkraiburg - Ist der Slogan der Stadt zu weit hergeholt und erst gar nicht zutreffend? Die Waldkraiburger hätten einige Ideen, welche Verbesserungen die Attraktivität des Stadtbilds steigern könnten: 

Die ISEK-Planungswerkstatt am 19. Oktober analysierte bereits die Entwicklungschancen der Stadt Waldkraiburg und deren Ortsteile. Via Facebook kommentierten einige Leser und brachten zusätzliche Ideen ein, die bezüglich Waldkraiburgs Potential noch nicht zur Sprache kamen. 

Die Stadt müsse in erster Linie aufpassen, dass ihr Slogan "Vom Bunker zur Erlebnisstadt" nicht das Thema verfehle. Wie stehen die Chancen, Defizite ausgleichen zu können? Carsten Schwunk, Bauamtsleiter der Stadt hat zu den einzelnen Themen eine Einschätzung abgegeben: 

Hallenbad

Bademöglichkeiten bietet das Waldbad. Das allerdings ist deutlich in die Jahre gekommen, eine Sanierung würde die Stadt wohl mindestens acht Millionen Euro kosten. Der Stadtrat plant noch in diesem Jahr eine Entscheidung herbeizuführen, wie es mit der Zukunft des Waldbads weitergeht. 

Eine Alternative wäre ein Hallenbad für alle, so die Meinung einiger Waldkraiburger. Schwunk erklärt, die Stadt habe eine Schulschwimmhalle in der Franz-Liszt-Straße. Diese sei nur nicht uneingeschränkt nutzbar, da die Schulen Vorrang bei den Schwimmzeiten hätten. "Stadt und Stadtwerke prüfen aber eine größere Nutzung dieses Bads im Rahmen der Kosten-Nutzen-Abwägung." 

Ein Neubau hingegen ist laut Schwunk gänzlich ausgeschlossen: "Hier lägen wir in einem Kostenbereich von mindestens 30 Millionen Euro, das ist in Angesicht der angespannten Haushaltslage für Waldkraiburg nicht tragbar. Da müsste sich schon ein privater Investor finden, der das in die Hand nimmt."  

Das Waldbad ist dringend sanierungsbedürftig. 

Mehr Clubs/Discos für Jugendliche und junge Erwachsene

In diesem Punkt musste Schwunk eingestehen, dass es zwar einige Bars und Lokale, aber weder in Waldkraiburg noch in Mühldorf eine Diskothek gebe. "Räumlichkeiten zur Umnutzung wären vorhanden, allerdings braucht es einen Privatier, der die die Einrichtung betreiben würde. Findet sich einer, würde die Stadt die Errichtung einer Disco durchaus begrüßen." 

Weniger Altenheime

Was wohl vor allem jüngere Bürger umtreibt, sei der laut Schwunk der "relativ hohe Bestand" an Einrichtungen für ältere Menschen: "Neben den kleinen Einrichtungen präsentiert sich das Adalbert-Stifter-Wohnheim Heimwerk am Münchner Platz als sehr großer Gebäudekomplex. Die Einrichtung plant außerdem neuzubauen und den Altbestand wohl auch in Wohnungen für ältere Leute umbauen zu lassen." 

Waldkraiburg aber sei sich dieser Thematik bereits bewusst. Die Stadt setze alles daran, sich konsequent zu verjüngen, ohne jedoch den Bestand zu zerschlagen. Was die Errichtung weiterer Altenwohnheime anbelange, so habe man laut Schwunk bereits einen Baustopp auf den Weg gebracht

Kindergärten, saubere Spielplätze und Geschäfte speziell für Babies und Kinder

Im Sozialbereich setzte sich Waldkraiburg stetig für Verbesserungen ein, wie Schwunk vesichert: "Sei es Hort, Kindergarten oder Schulen - wie haben unsere Einrichtung im Blick und arbeiten gerade aktuell am Ausbau der Mittagsbetreuung."

Was die Spielplätze angeht, so schätzt Schwunk, sei die Lage als nicht sonderlich dramatisch anzusehen: "Auch wenn streunende Katzen oder Hunde dort hin und wieder Hinterlassenschaften tätigen oder Jugendliche Abfall oder Flaschen nach dem Feiern liegen lassen - wir sind gut aufgestellt, was die Sauberkeit angeht." 

"Bei den Läden handelt es sich um den gleichen Sachverhalt wie bei der Disco", erklärt Schwunk und verweist auf einen privaten Betreiber. "Natürlich müssten die Bürger in den Geschäften vor Ort dann auch einkaufen und nicht Online-Shopping betreiben." Dass das Internet zu einem Ladensterben führt, sei allerdings eine allgemeine problematische Entwicklung, die nicht nur Waldkraiburg betreffe. 

Junge Allgemeinärzte gegen den Ärztemangel

Der Mangel an Fachärzten im ländlichen Raum ist nicht nur im Mühldorfer Landkreis ein Problem. Die Waldkraiburger würden es begrüßen, einen neuen Allgemeinarzt in der Stadt begrüßen zu dürfen. Den zu finden und vor allem auch langfristig zu halten sei laut Schwunk jedoch nicht ganz einfach und darüber hinaus Angelegenheit des Ärztlichen Verbands

"Die Crux liegt darin, dass Fachärzte mittlerweile Klinkstandorte den kleinen Praxen vorziehen und sich ein Allgemeinarzt nur durch viele Patienten an einem Ort halten kann." Auch wenn das Thema nicht in der Hand von Städten und Gemeinden liege, Bürgermeister Robert Pötzsch beteilige sich immer wieder an Treffen, um die Situation dauerhaft zu verbessern. 

Die Videothek auf dem Gelände des ehemaligen "Weißen Hirschen" 

Im März 2010 zerstörte ein Großbrand die Traditionsgaststätte. Waldkraiburg verlor dadurch auch ein Stück Geschichte. Max Greger trat als Musiker auf, der junge Peter Maffay nutzte den Keller des Lokals als Proberaum mit seiner ersten Band. "Wir wollen kein neues Lokal", lautete der Tonus damals nach dem Brand. So schritten die Abbrucharbeiten voran. Die Fläche sei laut Schwunk im Besitz eines privaten Investors

Die Idee der Errichtung eines Postverteilungszentrums habe sich mittlerweile zerschlagen. Nun plant die Stadt die Umwandlung in ein Wohngebiet - was umstritten ist: Viele seien laut Schwunk der Meinung, dass das Gelände als Bildungsgebiet für die etwaige Erweiterung von Schulen zur Verfügung stehen sollte. "Nach einer Prüfung stellte sich aber heraus, dass unsere Schulen keinen Erweiterungsbedarf haben. Deshalb sind in dem Bereich an der Bayernbrücke zwischen Franz-Liszt-Straße, Berliner Straße und dem Ritter-von-Gluck-Weg nun Geschosswohnungen geplant", erläutert der Bauamtsleiter die aktuellen Pläne für das Grundstück. 

Besonders die Video- und Spielothek scheinen einige Bürger zu vermissen. Eine Eröffnung eines solchen Gewerbes aber sei nicht im Sinne der Stadt, erklärt Schwunk. Das würde unter anderem auch Klientel anlocken, das in Waldkraiburg nicht so sehr erwünscht sei

Vogelperspektive nach dem Großbrand

Großbrand Waldkraiburg

Brand Waldkraiburg

Gaststättenbrand in Waldkraiburg

Allgemein stehe Waldkraiburg neuen Ideen und Projekten offen gegenüber. "Am Ende aber ist es der Kostenfaktor, der über ein 'Ja oder Nein' entscheidet", konstatiert der Leiter des Bauamts abschließend. 

mb

Zurück zur Übersicht: Waldkraiburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser