"Meistens genügt es, Präsenz zu zeigen!"

Mit der Sicherheitswacht Waldkraiburg auf Streife

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Waldkraiburg - Wir haben Yvonne Helzel (36) und Bettina Lang (33) von der Sicherheitswacht Waldkraiburg auf einer ihrer Streifen begleitet. 

Erster wichtiger Halt der Streife, die wie immer von der Polizeiinspektion  in der Ratiborer Straße startet, ist die Rathaus-Tiefgarage. Es gibt immer wieder Probleme mit Jugendlichen, die sich hier aufhalten. "Sie sind hier vor allem mit ihren Fahrrädern unterwegs", erklärt Helzel, "Das kann zu gefährlichen Situationen führen, wenn Autofahrer sie nicht rechtzeitig sehen." Es ist ruhig hier. Nur ein paar halbfertige Graffiti verraten, dass sich hier manchmal Leute aufhalten, die nicht unbedingt hier sein sollten.Doch selbst das Innere der Tiefgarage scheint an diesem Abend zu frostig zu sein. Es ist klirrend kalt, Minus zehn Grad. "Man muss natürlich bei jedem Wind und Wetter raus", berichtet Yvonne Helzel.

Startpunkt jeder Streife für Bettina Lang (links) und Yvonne Helzel (rechts)  ist immer die Waldkraiburger Polizeiinspektion in der Ratiborer Straße. 

Man merkt, dass die beiden Frauen schon eine Streifen-Routine haben. Regelmäßig wandert der Blick ruhig nach allen Seiten. Viele Details, auf die beispielsweise ein Spaziergänger nicht achten würde, werden beachtet. Hier steht ein Auto-Anhänger schon seit Tagen auf einem Parkplatz. Dort ist eine Parkbank schon wieder verdreckt worden. "Man bekommt einen ganz neuen Blick auf die Stadt", berichtet Bettina Lang,"Man achtet auf ganz andere Dinge und geht auf seinen Streifen in Straßen und Bereiche, die man im Alltag vielleicht nicht sehen würde." 

Betrunkene machen manchmal Probleme

In der Rathaus-Tiefgarage sind manchmal Jugendliche mit ihren Fahrrädern unterwegs.

Wieder an der Oberfläche angekommen geht es weiter zu weiteren beliebten Treffpunkten im Freien. Doch die eisige Kälte sorgt an diesem Abend dafür, das sowohl der Sartrouville-Platz, als auch die Grünanlagen beim Haus des Buches und der Mittelschule überwiegend wie ausgestorben sind. "Im Sommer ist hier natürlich mehr los", berichtet Helzel. Meistens müssten sie dann einschreiten, wenn beispielsweise zu spät noch Fußball gespielt oder gegen das Alkoholverbot verstoßen wird. Gerade Betrunkene zeigten sich manchmal uneinsichtig und die Polizei müsse hinzugerufen werden. 

"Meistens genügt es aber, wenn wir einfach nur Präsenz zeigen", berichtet Helzel, "Man merkt das es etwas bewirkt, wenn wir irgendwo erscheinen. Die Leute zögern zum Beispiel kurz und heben ihren Abfall wieder auf, um ihn in den Mülleimer statt auf den Boden zu werfen, lassen Fußgänger über die Straße und so weiter." Die Sicherheitswacht müsse, wie auch die Polizei immer wieder betont, vielfach die aufmerksamen Nachbarn oder couragierte Mitbürger ersetzen.

Unterwegs grüßen immer wieder Leute. Mal ein freundliches Nicken eines Ladenbesitzers der gerade anfängt seine Außenregale  ins Geschäft zu verräumen, mal ein älterer Herr der freundlich einen schönen Abend wünscht, mal eine Laufgruppe, die winkt. "Inzwischen wird unsere Arbeit immer mehr geschätzt", berichtet Helzel, "vor allem ältere Leute freuen sich darüber zu wissen, dass da jemand mit einem aufmerksamen Auge in der Nachbarschaft unterwegs ist." In einem Fazit zu den ersten 100 Streifen-Tagen im Oktober des vergangenen Jahres berichtete die Wacht auch insgesamt von einem guten Rückhalt in der Bevölkerung.

Streifendienste meist friedlich

Ergänzen, nicht aber ersetzen sollen die Ehrenamtlichen die Polizei. Einmal sei in einem Park zu ihnen ein junger Mann, der leicht mit einem Messer verletzt wurde gekommen, berichtet Lang. Da sei gleich klar gewesen: Ihre Aufgabe war, ihm zu helfen, den Verantwortlichen zu verfolgen und zu verhaften, dafür riefen sie dann die Polizei hinzu. Den Sicherheitswachtlern stehen grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten zu, wie jedem anderen Bürger auch. Das reicht von der Festhaltung eines auf frischer Tat betroffenen Straftäters, bis hin zum Recht auf Notwehr und Nothilfe für andere Bürger. Darüber hinaus können Angehörige der Sicherheitswacht Personen anhalten, sie befragen und ihre Personalien feststellen, sofern dies zur Gefahrenabwehr notwendig ist.

Die überwiegende Mehrheit der Streifendienste der Sicherheitswacht verlaufen aber sehr friedlich, darauf legen die Ehrenamtlichen wert. Sowohl Helzel als auch Lang, die das Leben in Waldkraiburg mögen, sind weiterhin gerne dabei. Beide können sich vorstellen, noch lange auf Streife zu gehen. 

Waldkraiburger Sicherheitswacht sucht weiter nach Neuzugängen

Die seit Juli 2017 im Stadtgebiet Waldkraiburg eingesetzte Sicherheitswacht verfügt über 11 Mitglieder. Sie dient auch als Vorbild für die Sicherheitswacht, die in Mühldorf eingeführt werden soll. Nachdem die städtische Sicherheitswacht bei den Bürgern auf äußerst positive Resonanz stieß, sollen nun weitere Mitglieder ausgebildet werden.

Das Team der Waldkraiburger Sicherheitswacht beim Abschluss ihrer Ausbildung im Juli 2017. Immer von links nach rechts: 1. Reihe: PHM Pfeiffer, PHK Meißner, POMín Gutte, PMín Herkan 2. Reihe: Ute Schartow, Anja Pitsch 3. Reihe: Mustafa Özcan, Herbert Csapo, Andreas Bessa 4. Reihe: Bettina Lang, Sergiu Lang 5. Reihe: Martin Sterz, Jürgen Zabelt, Anja Grossmann

In die Sicherheitswacht können Frauen und Männer aufgenommen werden, die mindestens 18 Jahre und höchstens 62 Jahre alt sind. Natürlich können sowohl deutsche als auch ausländische Staatsangehörige eingesetzt werden. Durch Vorlage eines Zeugnisses ist eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung nachzuweisen. Körperlich muss man den Anforderungen des Außendienstes gewachsen sein und eine 40-stündige Ausbildung absolvieren.

Interessierte, die in die Sicherheitswacht eintreten wollen, sollen sich bei der Polizeiinspektion Waldkraiburg in der Ratiborer Straße bewerben. Die Unterlagen zum Ausfüllen liegen dort auf. Auch Bürger der nächsten Umgebung können der Sicherheitswacht Waldkraiburg beitreten. Interessierte Bürger können sich seit 15. Februar bewerben und sollten sich möglichst bis 14. März melden.

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