Nach der Entscheidung im Waldkraiburger Bauausschuss

Erotikdarsteller-Paar im Interview: "Scheiß da nix, dann feid da nix!"

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Christan L. und "Vika Viktoria" kurz nach der Entscheidung im Waldkraiburger Bauausschuss
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Waldkraiburg – Am Mittwochabend hat der Bauausschuss der Stadt dem Bauantrag der beiden Erotikdarsteller „Vika Viktoria“ und Christian L. mehrheitlich zugestimmt. innsalzach24.de hat mit den beiden, die deutschlandweit als „Pornopaar“ bekannt geworden waren, ausführlich zu dieser Entscheidung gesprochen.

Mit der Entscheidung des Bauausschusses dürfen „Vika Viktoria“ und Christan L. auch weiterhin der privaten Wohnung in einem „Allgemeinen Wohngebiet“ ihrer Arbeit nachgehen. Im Gespräch mit innsalzach24.de sagt Christian L., dass  "Vika Viktoria" und er zwar überzeugt davon gewesen seien, dass sie ihrem Gewerbe in der Wohnung nachgehen dürfen, dieses Ergebnis aber nicht erwartet hätten. 

Es war eben diese Baugenehmigung die fehlte. Der Vermieter der beiden war unzufrieden damit, dass in seiner Wohnung ein Gewerbe betrieben wird. "Vika Viktoria" und Christian L. erhielten eine fristlose Kündigung. Diese Kündigung hat er laut Christian L. nicht weiter verfolgt. Schließlich wendete er sich an die Stadt wegen eben dieser Baugenehmigung

Erste Reaktionen

In einem ersten Interview kurz nach der Entscheidung im Waldkraiburger Bauausschuss äußert sich Christian L. überrascht: "Ich hätte nicht gedacht, das sowas im konservativen Bayern möglich ist.

Dabei gilt es aber klar zwischen Baurecht und Privatrecht zu unterscheiden. So dürfen die beiden baurechtlich ihrem Gewerbe in der angemieteten Wohnung nachgehen. Im Bauausschuss wurde nämlich klar, dass dieses ein "nicht störendes Gewerbe" darstellt und als solches in einem "Allgemeinen Wohngebiet" zulässig ist. 

"Scheiß da nix, dann feid da nix", sagt Christian L. im Gespräch mit innsalzach24.de zur Entscheidung im Waldkraiburger Bauausschuss und wie sich er und seine Lebensgefährting "Vika Vikoria" dabei gefühlt haben.

Keine einfache Angelegenheit

Bauamtsleiter Carsten Schwunck stellte klar, dass die Stadtverwaltung die Thematik rein unter baurechtlichen Gesichtspunkten betrachtet habe. "Das haben wir uns wirklich nicht einfach gemacht und, unter anderem, auch eine Stellungnahme der Regierung eingeholt." Insgesamt spreche aus baurechtlicher Sicht nichts gegen die Ausnahmegenehmigung. Privatrechtlich sieht die Sache anders aus, denn die Wohnung ist Eigentum des Vermieters

"Es bleibt ihm nur noch die Räumungsklage", sagt Christian L., und die sei nichtig. Im Mietvertrag sei ein Verbot für das Ausführen eines Gewerbes nicht erwähnt, so L. weiter. Angesichts der Entscheidung des Bauausschusses sehe er keinen Grund mehr für eine Auseinandersetzung: "Wer Krawall machen will, kann dies tun. Wir wollen keinen Krawall. Wir wollen nur friedlich leben und arbeiten."

"Wir hatten erwartet, dass der Antrag abgeschmettert wird." (Christian L.)

Tatsächlich wurde der Bauantrag kontrovers diskutiert. Es ist vor allem das Argument von CSU-Stadträtin Margit Roller, das Christian L. aufgestoßen ist: "Ich bin der Meinung, dass wir da nicht zustimmen müssen!" Roller wies auf die Nähe dieses Gewerbes zu einer Grundschule hin."Da diese Aufnahmen unter tagsüber gemacht werden, frage ich mich, ob da etwa im Sommer immer die Fenster zu bleiben."

Ein Einwurf, den Christian L. nicht verstehen kann. "Das wäre ja so ähnlich, als würde man allgemein Sex in Privatwohnungen verbieten", sagt er. Schließlich könne das auch in einer Wohnung ohne gewerbliche Nutzung vorkommen und "ja, auch mit offenem Fenster in der Nähe zu einer Grundschule". Außerdem führt L. an, dass 

  • die Wohnung im zweiten Stock liegt,
  • die entsprechenden Fenster nicht zur Straße raus sind sowie
  • dass die ersten, die sich gestört fühlen könnten wohl zuerst die direkten Nachbarn seien und von den gebe es keine Beschwerden. Diese wären längst aktenkundig. 

So sieht es bei den "Pornoeltern" in Waldkraiburg aus:

"W" (Carsten Schwunck)

Die Verwaltung der Stadt Waldkraiburg habe es sich nach eigenen Ausführungen am Mittwochabend im Bauausschuss alles andere als leicht gemacht. Sogar eine Stellungnahme der Regierung habe man dazu eingeholt. "Die Nutzungsänderung bezieht sich auf einen relativ kleinen Bereich der Gesamtwohnung. Es gibt keinen Kundenverkehr und daher ist auch keine Stellplatzregelung erforderlich.

Es sei auch ganz klar ein nicht störendes Gewerbe, da kein Lärm enstehe oder eine Störung der Nachbarschaft erfolge. "In der Umgebung überwiegt zwar eine Wohnnutzung, aber es gibt auch teils Gewerbe- und beispielsweise Büronutzungen", gab Bauamtsleiter Carsten Schwunck zu bedenken. "Rein baurechtlich können wir daher keine Ablehnung empfehlen", schloss er. "Was Sie dann entscheiden, ist natürlich ihre Sache!"

Sie seien froh, dass sie nun baurechtlich weiter ihrem Gewerbe nachgehen können so Christian L. abschließend. Neue Projekte würden anstehen. Unter anderem würden die beiden an einem Konzept für Sexualkundeunterricht an Schulen arbeiten. Jugendliche sollen über Pornos aufgeklärt werden (innsalzach24.de berichtete).

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