Stadtwerke präsentieren Optionen

Sanierung des Waldbad in jedem Fall teurer als geplant

Neuer Standort für Sprungturm und Sportbecken oder nicht. Darüber wird der Stadtrat am 6. Oktober entscheiden. Die genauen Planungen werden dann noch 3-4 Jahre dauern.
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Neuer Standort für Sprungturm und Sportbecken oder nicht. Darüber wird der Stadtrat am 6. Oktober entscheiden. Die genauen Planungen werden dann noch 3-4 Jahre dauern.

Schon seit über zwei Jahren ist das Waldkraiburger Waldbad in der öffentlichen Diskussion: zu wenige Besucher, zu teuer, zu altbacken. Die nach dem Bürgerbegehren von einer Projektgruppe und einem schweizer Planungsbüro erarbeiteten Optionen wurden gestern der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zwischen zwei Varianten soll der Stadtrat nach der Sommerpause am 6. Oktober entscheiden können, wie Bürgermeister Robert Pötzsch(UWG) den rund 30 Interessierten im Haus der Kultur erklärte. Die Veranstaltung wurde sogar ins Internet gestreamt und so konnten auch Bürger, die nicht vor Ort waren Fragen stellen. Nach den derzeitigen Planungen stehen zwei Varianten zur Wahl: eine, die mit 11,1 Millionen Euro an Baukosten das vor zwei Jahren ausgegebene Ziel von 11 Millionen Euro nur knapp überschreitet, dabei aber höhere laufende Kosten verursacht und eine, für deren Bau 12,1 Millionen prognostiziert werden, die aber das angepeilte Ziel von nur noch 400.000 Euro jährlichem Defizit nur um 73.000 Euro überschreitet.


In beiden Varianten würde das Hauptgebäude mit dem Kassenbereich, dem Kiosk und den Umkleiden komplett neu gestaltet. Auch das teure Wellenbecken erscheint den Planern in keinem Fall mehr zeitgemäß: an seine Stelle soll ein "Spray-Park" treten, der Kindern und Jugendlichen den Kontakt mit dem Wasser erleichtern soll: eine Freifläche an Stelle des Wellenbeckens, die zum Laufen gedacht ist und mit Wasserspielen aufgewertet wird. Damit könnte die aktuelle Wasserfläche von rund 3000 Quadratmetern deutlich reduziert werden. Was auf Anhieb mindestens so gefährlich wie ein Wellenbecken klingt, ist weltweit bewährt und durch einen Granulatboden völlig ungefährlich, wie der bei den Stadtwerken für die Sportanlagen verantwortliche Robert Kratzenberg erklärt: "So können die Kinder an den Kontakt mit Wasser herangeführt werden und zum Schwimmen animiert werden", zitierte Kratzenberg die Analyse der schweizer Planungsfirma Kannewischer.

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Weiterhin Diskussionsstoff gibt es allerdings in der Frage, ob das Sportbecken und die 10-Meter-Sprunganlage, die den Erbauern bei der Errichtung des Freibades im Olympiafieber von 1971 wichtig waren, in dieser Form erhalten bleiben. Verantwortliche des VfL mit seiner Schwimmabteilung sprechen sich für den Erhalt der Anlage in der jetzigen Form aus, für die es nicht nur Trainingsanfragen von Wassersportlern aus ganz Bayern gibt: mit windgeschützt abgesenktem 50-Meter Sportbecken und mit olympischen 8 Bahnen. Wenig barrierefrei, wegen des zusätzlichen Beaufsichtigungspersonals zu teuer und dafür wiederum zu selten genutzt, argumentieren hingegen die Befürworter von der im Bau rund 1 Million teureren "Variante 2". Auch Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) tendiert dazu, legt sich aber noch nicht darauf fest. Demzufolge soll ein komplett neues, ebenerdiges Sportbecken mit 8 Bahnen und eine 5-Meter-Sprunganlage im Bereich der jetzigen Grünanlage entstehen und der Platz der jetzigen beiden Becken anstattdessen in Parkplätze umgewandelt werden.

Fest steht jedenfalls, dass das jetzige Defizit des Freibades, das in den letzten Jahren im Schnitt nur noch 75.000 Besuche zählte, zu hoch ist. Mit mehr als 10 Euro bezuschusst die Stadt umgerechnet jede Eintrittskarte. Ziel wäre ein Zuschuss von etwas mehr als 6 Euro pro verkaufter Karte. "Wir können das wegen der Zinslage künftig nicht mehr querfinanzieren", erklärte Geschäftsführer Herbert Lechner den Anwesenden die Sachlage. Bisher subventionieren die Stadtwerke die Sportstätten pro Jahr mit mehr als 1,7 Millionen Euro, wovon das Waldbad fast die Hälfte der Kosten ausmacht. Insgesamt könnte man sich durch die Umgestaltung der Becken einen Schwimmeister einsparen, was das jährliche Defizit um rund 70.000 Euro reduzieren würde.

Fest steht auch, dass selbst wenn der Stadtrat jetzt am 6. Oktober eine Entscheidung gefällt hat, sich die genauen Planungen noch eine ganze Weile hin ziehen werden: "Sowohl das 50-jährige, als auch das 51-jährige Jubiläum werden wir noch im alten Waldbad feiern können", erklärte Robert Kratzenberg. Fragen von den Bürgern gab es am Ende auch: so wollte eine der Anwesenden wissen, ob diejenigen, die das Freibad immer kritisieren, überhaupt selbst schon mal da gewesen seien. Ein weiterer Fragesteller wollte auch nochmals grundsätzlich die Standortfrage anstoßen, was Bürgermeister Robert Pötzsch aber entschieden verneinte: "Das müssen Sie uns schon glauben, es gibt keinen alternativen Standort!". Die Frage schien auch insofern obsolet, da sie nun schon seit Jahren durch Bürger-, Rats- und sonstige Begehren sowohl in Aschau, als auch in Waldkraiburg diskutiert wurde und nie mehrheitsfähig wurde. Eine Frage tauchte noch über das Internet auf: jemand, der die Veranstaltung im Internet verfolgt hatte, wollte wissen, ob das Wellenbad nicht doch durch Sponsoren erhalten bleiben könne. Bürgermeister Robert Pötzsch meinte dazu nur, dass man über Sponsoren erst nachdenken könne, sobald man konkrete Planungen vorlegen könne.

Peter Becker

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