Stimmen zur Bürgermeisterwahl in Waldkraiburg

Fischer (SPD): "personelle Konsequenzen"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Richard Fischer (SPD) wird nicht mehr als Kreisvorsitzender seiner Partei zur Verfügung stehen.
  • schließen

Waldkraiburg - Während Richard Fischer (SPD) nach seiner Niederlage personelle Konsequenzen ankündigt, plant Wahlsieger Robert Pötzsch (UWG) seine ersten Amtshandlungen.

Richard Fischer (SPD) musste am Sonntag bei der Bürgermeisterwahl in Waldkraiburg eine herbe Niederlage einstecken. Nur 11,63 Prozent der Wähler schenkten dem SPD-Politiker das Vertrauen, seine Partei erreichte bei der Stadtratswahl hingegen immerhin 18,8 Prozent. "Das ist eine Enttäuschung. Für mich persönlich ist das ein Ergebnis, das so nicht zu erwarten war", sagte Fischer gegenüber unserer Redaktion. "Wir haben einen engagierten Wahlkampf geführt. Wir haben versucht, in allen Stadtteilen mit den Leuten zu reden, ihnen unsere Themen nahe zu bringen."

"Alle Anträge wurden abgeschmettert"

Für Fischer ist Niederlage bei der Bürgermeisterwahl nicht die erste Wahlschlappe. 2008 kam er bei der Landratswahl auf magere 12,79 Prozent. Fischer möchte nun Konsequenzen aus dem Misserfolg ziehen. "Es wird personelle Konsequenzen geben. Ich werde als Kreisvorsitzender nicht mehr zur Verfügung stehen", kündigte Fischer an. Nun müsse man junge Leute aufbauen, man brauche junge Gesichter mit neuen Ideen, erläuterte Fischer. Seine Ämter als Stadtrat und Kreisrat will der SPD-Politiker aber weiter ausfüllen.

Fischer ist davon überzeugt, dass er bei der Bürgermeisterwahl auch zwischen UWG und CSU zerrieben wurde. "Wir sind in einem Strudel mit untergegangen", so Fischer. Auf der einen Seite der Wunsch nach Erneuerung, auf der anderen Seite die seit 30 Jahren in Waldkraiburg als Führungskraft etablierte CSU - da war für die SPD nach Ansicht Fischers kein Platz mehr. Fischer ist davon überzeugt, dass all jene Wähler, die einen Wechsel in Waldkraiburg wollten, statt Pötzsch auch ihn hätten wählen können. "Wir wollten die Veränderung. Wir haben all die Jahre so viele Anträge gestellt, die alle abgeschmettert wurden", sagte Fischer.

Pötzsch: Die Bäckerei schmeißt nun der Bruder

Stabwechsel in Waldkraiburg: Bürgermeister Siegfried Klika (CSU, rechts) gratuliert seinem Nachfolger Robert Pötzsch (UWG).

Jubel dagegen bei der UWG. Ihr Bürgermeisterkandidat Robert Pötzsch, ein Bäckermeister, setzt sich bereits im ersten Wahlgang durch und holte mit 50,62 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. Die Zukunft seiner Bäckerei ist bereits geklärt. Von nun an kümmern sich die Eltern von Robert Pötzsch (UWG), dem künftigen Waldkraiburger Bürgermeister, und Bruder Martin, ein Konditormeister, um den Betrieb. Eigentlich wollten die Eltern bald aufhören, erzählte Robert Pötzsch gegenüber unserer Redaktion. Nun werden sie eben noch ein paar Jahre weitermachen - voraussichtlich mindestens sechs Jahre, denn so lange wird ihr Sohn im Rathaus die Geschicke der Stadt Waldkraiburg lenken.

"Die Bürger waren ziemlich unzufrieden"

"Das war ein Stück weit eine Überraschung", sagte Pötzsch zu. Andererseits habe er schon auf einen Wahlsieg gehofft, zumindest über den Umweg einer Stichwahl. "Sonst hätte ich das nicht gemacht. Wenn ich mich dafür entscheide, mache ich es nur mit einer reellen Chance. Und die habe ich immer gesehen." Profitiert hat Pötzsch wohl sehr stark von der Wechselstimmung in der Stadt. "Ich denke, dass die Bürger mit der aktuellen Politik ziemlich unzufrieden waren", so Pötzsch, für den die Waldkraiburger Stadtpolitik gegenwärtig von Stillstand geprägt ist.

Als Neuling im Amt will sich Pötzsch nun erst einmal in die Stadtverwaltung einarbeiten. Als erste große Aufgabe sieht der UWG-Politiker die Verteilung der Posten im Stadtrat und die Besetzung der Ausschüsse. Dies müsse entsprechend der Qualifikation geschehen. "Früher hat man nicht groß darüber nachgedacht", findet Pötzsch.

Pötzsch kündigt Gespräche mit allen Seiten an

Im Stadtrat wird der künftige Bürgermeister auf die Unterstützung der anderen Fraktionen angewiesen sein. Die UWG kommt zwar auf elf Sitze und hat damit ihr Ergebnis der letzten Wahl (drei Sitze) beinahe vervierfacht, verfügt allerdings nicht über die absolute Mehrheit im Stadtrat. Die SPD ist von acht auf sechs Sitze zurückgefallen. Die CSU hat erstmals seit den siebziger Jahren die absolute Mehrheit verfehlt und ganze fünf Sitze verloren. Damit kann keine Fraktion gegen das Votum der anderen Stadträte etwas durchsetzen.

Zumindest zwei der drei Fraktionen im Stadtrat müssen künftig also einen Konsens finden. "Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen mit allen Seiten Gespräche führen", kündigte Pötzsch an. "Ich denke, von allen Seiten ist Bereitschaft da."

Bilder vom Wahlabend in Waldkraiburg

Wahlparty Rathaus Waldkraiburg

Zurück zur Übersicht: Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser