Nach Attacken in Ramsau und Waldkraiburg: Wie groß ist das Problem?

Hacker-Angriffe in der Region: "Trifft Firmen, ob klein oder groß"

Waldkraiburg/Ramsau: Nach Hackerangriffen auf regionale Firmen - Wie groß ist das Problem?
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Der Standort der Firma Netzsch in Waldkraiburg. Dort befindet sich der Geschäftsbereich "Pumpen und Systeme". Das Unternehmen wurde jüngst Opfer eines Hackerangriffs. Polizeisprecher Martin Emig (rechts) mahnt, solche Attacken würden Unternehmen jeder Grüße treffen.

Ramsau/Waldkraiburg - Nachdem jüngst zwei Fälle von Hackerangriffen auf regionale Unternehmen haben wir uns erkundigt, wie groß das Problem ist und wie man sich schützen kann.

"In unserem Zuständigkeitsbereich haben wir 2020 nach aktuellem Stand 22 Fälle verzeichnet", so Polizeisprecher Martin Emig vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd gegenüber innsalzach24.de. Eine bestimmte Zielrichtung sei dabei aber nicht zu erkennen. "Da trifft es Firmen aus jedem Spektrum. Ob klein, mittelgroß oder groß."


Zunahme von "Cyber-Kriminalität" in der Region: Hacker-Angriffe in Ramsau und Waldkraiburg

In der jüngsten Zeit gab es zwei prominente Fälle von Hacker-Angriffen auf Unternehmen in der Region. Mitte Juni fand eine Cyberattacke auf die "bachmaier GmbH" in Ramsau statt. Dort fielen daraufhin Server- und Kommunikationssysteme aus. Auf Grund der digitalen Vernetzung aller Bereiche kam die Produktion kurzzeitig zum Erliegen. Ähnliches spielte sich kürzlich dann auch beim fränkischen Maschinenbauunternehmen Netzsch ab,  welches auch einen Standort in Waldkraiburg besitzt.

In beiden Fällen wurden Daten verschlüsselt. Dies ist eine beliebte Vorgehensweise. Cyberkriminelle verschlüsseln mit Hilfe von Schadsoftware ("Ransomware") Firmenrechner und verlangen anschließend Geld für die Entschlüsselung. Das Phänomen ist seit Jahren bekannt, doch verlangen die Angreifer laut der Allianz-Versicherung in einem Interview mit der dpa immer höhere Summen. Noch vor wenigen Jahren seien 10.000 bis 20.000 Euro übliche Summen gewesen, inzwischen werden zweistellige Millionensummen verlangt. Die Attacken seien häufig gut vorbereitet. Zuerst spionierten die Täter mit Hilfe von Spionage-Software E-Mails und Finanzdaten aus, bevor im zweiten Schritt die Verschlüsselungs-Software installiert wird.


Polizeipräsident Robert Kopp und Polizeivizepräsidentin Eva Schichl vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd bei der Präsentation der Kriminalstatistik im März. Damals wurde vor einem erheblichen Anstieg von "Cybercrime" gewarnt.

Bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für die Region Anfang März war bereits Thema, dass "Cyber-Kriminalität", darunter auch derartige Taten gegen Unternehmen, zuletzt zugenommen haben. Im Jahr 2019 waren dabei 901 Straftaten der Computerkriminalität erfasst worden. Darunter fallen neben Datenveränderung, Computersabotage und Abfangen von Daten auch noch eine Vielzahl anderer Delikte. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies einen Anstieg um 386 Straftaten beziehungsweise 75 Prozent.

Unternehmen sollten sich auf solchen Fall vorbereiten

"Um nicht Opfer solcher Taten zu werden, können wir nur dringend raten, sich durch eine Reihe von Maßnahmen zu schützen", mahnt Emig. "Es gibt dazu direkte Beratungsangebote unserer Beamten, die für Kriminalprävention zuständig sind. Im Internet können Sie außerdem umfangreiches Informationsmaterial der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bunds finden."

Zentrale Punkte seien:

  • Beim Verdacht einer Cyberattacke sofort reagieren
  • Den Angriff frühzeitig der Polizei melden und mit ihr zusammenarbeiten
  • Häufigste Ursache sind technische und organisatorische Mängel sowie menschliches Fehlverhalten. Technischer Schutz etwa durch Software sollte daher mit einer Sensibilisierung der Mitarbeiter Hand in Hand gehen.
  • Für den Fall einer Attacke sollte es klare Zuständigkeiten, Regeln und Abläufe geben.
hs

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