"Hassliebe" Rathaus und Sartrouville-Platz

Welches Potential steckt in Waldkraiburgs Zentrum? 

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Welches Potential steckt im Waldkraiburger Rathaus und dem dahinter liegenden Sartrouville-Platz (links)? 
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Waldkraiburg - Rathaus und Sartrouville-Platz - es ist die "Hassliebe" schlechthin. Die einen stehen hinter ihrem Zentrum, die anderen verteufeln es. Welches Potential steckt wirklich im Herzen der Stadt? 

Im Rahmen des "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts", kurz ISEK, kristallisierte sich das Zentrum rasch als Brennpunkt heraus. Das Rathaus mit dem dahinter liegenden Sartrouville-Platz ist vielen ein Dorn im Auge. 

Bei der ISEK-Bürgerversammlung im Juni zur Diskussion der städtebaulichen Entwicklung Waldkraiburgs gingen die Meinungen deutlich auseinander. Abriss des Rathauses und Neugestaltung des Umfelds oder Erhalt des Gebäudes lautet die zentrale Frage. 

Die Vor- und Nachteile aus Sicht der Waldkraiburger, die die Verantwortlichen des ISEK mittlerweile zusammengetragen haben: 

Warum sollte das Rathaus erhalten bleiben?

  • Erhalt des architektonischen Stils aus den 70er-Jahren 
  • Prägung Waldkraiburgs in den 70er-Jahren durch das Rathaus und ähnliche Gebäude
  • Erhalt des "Wir-Gefühls
  • Rathaus gehört zur Stadt
  • Verlust des zentralen Standorts, Rathaus gehört traditionell in Stadtmitte an den Stadtplatz 
  • Neubau an der Adlergebirgsstraße kein Ersatz 
  • 7,5 Millionen Euro für Sanierung des Rathauses und der Tiefgarage nicht zwingend teurer als Neubau

Warum sollte das Rathaus abgerissen werden? 

  • unattraktiver Beton-Baustil der 1970er-Jahre - "Sündenfall" und "Schandfleck für Waldkraiburg"
  • Erhöhter Standort des Rathauses wird als Barriere für den Sartrouville-Platz angesehen
  • Möglichkeit, Sartrouville-Platz neuen Glanz zu verleihen  
  • Abriss ermöglicht zusätzliche städtebauliche Flächen und Aufwertung des Platzes 
  • Grundstück an der Adlergebirgsstraße guter Standort für einen Neubau
  • Aufwertung Braunauer Straße durch neuen Standort und Erweiterung des Zentrums 
  • zu hohe Sanierungskosten 
Der erhöhte Standort des Rathauses geht vielen Waldkraiburgern gründlich gegen den Strich

Waldkraiburgs Stadtbaumeister Carsten Schwunk tut sich schwer, sich auf eine Seite zu schlagen. Eine Sanierung des Rathauses sei im Fall des Erhalts unausweichlich. Fassade, undichte Fenster und marode Tiefgarage stünden auf der To-Do-Liste. Eine Kostenaufstellung gebe es jedoch erst gegen Ende des Jahres. Ein Abriss hingegen biete die Möglichkeit, den Sartrouville-Platz, der bis heute eine Schattendasein führe, optisch aufzuwerten

ISEK-Stadtplaner: "Am Rathausumfeld können noch einige Schrauben gedreht werden."

Clara Berger von der Dragomir Stadtplanung München ist im Rahmen des ISEK für die Stadt Waldkraiburg zuständig. Ob Abriss oder Erhalt sei laut Berger letztlich eine politische Entscheidung der Stadt. "Wir vom ISEK können nur Empfehlungen geben." Die Architektin sieht allgemein Potential im Zentrum, ISEK favorisiere alles, was Leben in die Innenstadt bringe. Insbesondere der Stadtplatz stehe gut da, "da gibt es wahrlich größere Baustellen wie den Sartrouville-Platz." 

Der Stadtplatz in Waldkraiburg. 

Beton-Brutalismus der 70er-Jahre: Alles Bausünden?

"Bei einem Abriss beispielsweise könnte man den Platz aufwerte und dem negativen Image, das der Sartrouville-Platz seit Jahren mit sich trägt, neuen Glanz verleihen. Mit viel Grün und Sitzgelegenheiten könnte ein fließender Übergang zum Stadtplatz geschaffen werden. Außerdem würde das Einheimische und Touristen zum Verweilen einladen, wovon auch die angrenzende Gastronomie profitieren würden." 

Auf der andren Seite stelle der Stadtplatz stelle zusammen mit dem Rathaus und dem dahinter liegenden Sartrouville-Platz aus Sicht von Berger wiederum einen "guten Übergang" dar. Die Architektin kann sich hier ein "großes Ganzes" vorstellen: "Im Rathaus selbst könnten Veranstaltungen und Feste ausgerichtet werden, der Stadtplatz könnte als Ergänzung von Zusammenkünften dienen." 

Der Sartrouville-Platz könnte laut den ISEK-Städteplanern eine optische Aufwertung vertragen. 

"Am Rathausumfeld können noch einige Schrauben gedreht werden", so Berger. "Worum die Stadt aber nicht herumkommt ist die Sanierung der Tiefgarage neben dem Rathaus." Deren Lage sei aus städtebaulicher Sicht problematisch und gehöre ebenerdig angepasst. 

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 mb

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