Sind unsere Schulbusse nicht sicher genug?

Sitzplatzpflicht gefordert

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Waldkraiburg/Unterdietfurt - Wie überfüllt und wie sicher sind eigentlich die Schulbusse in der Region? Eine Online-Petition fordert nun eine bayernweite Sitzplatzpflicht.

Ein Bericht des Radiosenders Antenne Bayern hatte vor wenigen Wochen eine Diskussion in der Region losgetreten. Dem Radiosender zufolge seien bei einem Test in Waldkraiburg gleich mehrere Schulbusse überfüllt gewesen. Einer von ihnen soll gar 98 Passagiere befördert haben. Geht es nach den Initiatoren einer Online-Petition, könnte damit bald Schluss sein. Sie fordern eine bayernweite Sitzplatzpflicht in Schulbussen.

Der Freistaat soll alle Kosten tragen

"Ich möchte, dass für jeden Bus, welcher zur Beförderung von Schülern eingesetzt wird, die Nutzung von Stehplätzen untersagt wird. Dies soll sowohl für den ÖPNV als auch für den sogenannten freigestellten Schülerverkehr gelten", so der Wortlaut der Petition, die ein Unterdietfurter (Landkreis Rottal-Inn) verfasst hat.

Ohne Stehplätze müssten freilich deutlich mehr Fahrzeuge als bislang eingesetzt werden. Eine Leistung, die der Petition zufolge der Freistaat übernehmen soll. "Anstatt der bisherigen Aufteilung von ca. 60% durch den Freistaat Bayern sollen zukünftig 100% der Beförderungskosten über den kommunalen Finanzausgleich an die Kommunen und Landkreise zu geführt werden", heißt es in der Petition.

"Manche Kinder fallen um"

Über 16.000 Unterstützer hat die Petition bereits, knapp 15.000 kommen aus Bayern. Anders als etwa bei der Petition gegen den ZDF-Moderator Markus Lanz finden sich unter den Unterstützern kaum Scherznamen, sodass wohl von einer großen Anzahl tatsächlicher Unterstützer ausgegangen werden kann.

Diese berufen sich in erster Linie auf die Sicherheit. So schreibt etwa ein Unterstützer: " Ich sehe bei uns täglich völlig überfüllte Busse. Wenn sie bei uns um die Kurve fahren, fallen manche Kinder um, weil sie keinen sicheren Stand haben. Dadurch erhöht sich die Verletzungsgefahr der Kinder und das muss endlich aufhören! Zudem werden die Kinder durch diese Situation zusätzlichem Stress ausgeliefert und das darf nicht sein!"

Sitzplatzpflicht war schon im Wahlkampf 2013 Thema

Bereits 2013 hatte der damalige FDP-Landtagsabgeordnete Andreas Fischer die Schulbusproblematik zum Wahlkampfthema gemacht und ebenfalls eine Sitzplatzpflicht gefordert. Die Schulkinder seien in Bussen oftmals eingepfercht wie "Ölsardinen", so Fischer gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung. Jährlich würden mehr als 8000 Kinder beim Schulbusfahren verletzt - viele von ihnen, weil sie stehen müssten, so der FDP-Politiker.

Damit geht Fischer mit dem ADAC d'accord. In einer Empfehlung erklärt der Automobilclub: "In einem Schulbus dürfen nur so viele Kinder mitfahren, wie Sitzplätze (Stehplätze) vorhanden und ausgewiesen sind. ADAC-Tests haben ergeben, dass durch die Mitnahme von Schultaschen bereits bei 70 bis 80 Prozent der zulässigen Fahrgastzahl die zumutbare Obergrenze erreicht ist."

Viele Unterstützer aus der Region

Auch in der Region hat die Initiative einige Unterstützer: Sieben Zeichner der Petition kommen aus Mühldorf, neun aus Altötting, 40 aus Burghausen und 17 aus Waldkraiburg. Ob gerade dort besonders viele Schulbusse überfüllt sind, ist trotz des Antenne Bayern-Berichts umstritten. Das Landratsamt Mühldorf etwa geht davon aus, dass der Radiosender die zulässigen Passagierzahlen nicht immer korrekt angegeben habe. Bei einem Ortstermin Ende Januar konnten Vertreter des Landratsamts zudem keine Überschreitung des zulässigen Passagierzahlen feststellen.

Die aktuellen Regelungen zur Nutzung von Schulbussen stößt jedoch unabhängig davon bei einigen innsalzach24-Unsern auf Unverständnis. User "ich" etwa kommentierte unter dem Bericht "Uneinigkeit: Sind Schulbusse überfüllt?": "Es kann doch einfach nicht sein, dass ich im Privat-Pkw jedes Kind mit Sitzerhöhung anschnallen muss und im Schulbus kann das gleiche Kind auf einmal im Stehen ohne Rückhalteeinrichtung mitfahren."

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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